Homecoming Erstsemester 1989

Wiedersehen in Lüneburg

Vor 30 Jahren haben sie ihr Studium in Lüneburg begonnen und zusammen eine famose Zeit verbracht.

Höchste Zeit für ein Wiedersehen. 

Stefan Mauer, Erstsemesterjahrgang 1989, schildert seine Eindrücke:

Am Sande fuhren noch Autos und Deutschland war geteilt, als ich im Oktober 1989 nach Lüneburg kam. Die damals zuständige Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) hatte meine Wunsch-Unis Kiel und Hamburg ignoriert und mich kurzerhand in die Heide geschickt. Die meisten BWL-Kommilitonen teilten das Schicksal der „Kinderlandverschickung“ und erlebten den Beginn des Uni-Lebens in der völlig überfüllten Aula am Rotenbleicher Weg.

Schnell wurde klar, dass der Besuch einer kleinen Uni nicht nur im Massenstudium BWL ein Glücksfall ist. Die Gefahr monokultureller Engstirnigkeit wurde durch KuWis und Sozialökonomen gebannt, die für Biodiversität in unseren Vorlesungen sorgten und schnell Anknüpfungspunkte für Freundschaften boten.

„Wir“ wurden 1990 Fußballweltmeister, traten beim Quattro-Turnier in vier Sportarten an, gründeten den 1. Akademischen Minigolf-Club zu Lüneburg, verloren beim Hochschulsportfest gegen Dynamo Tresen und feierten in der Mensa im Roten Feld legendäre „Wish-you-what“ Parties.

Das Uni-Kino „Movie“ zeigte jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit die legendäre Feuerzangenbowle“. Die Vorführung wurde durch Wecker, Wunderkerzen und Glühwein zum Liveevent und die berühmte Filmvorlage inspirierte drei Kommilitonen, auch mal in Lüneburg die „Schule“ ausfallen zu lassen.

Und so hatten eines schönen Nikolausmorgens mehrere hundert Erstsemester unverhofft frei, nachdem Aushänge des Instituts für BWL den „Ausfall der Vorlesung Buchhaltung und Kostenrechnung“ verkündet hatten, „weil der Dozent zum Major der Reserve befördert werde“. Der Dozent war niemand geringerer als Professor Dr. Ulrich Döring, seit 1970 Co-Author des Standardwerks „Wöhe“.

Einige Freundschaften aus der Lüneburger Zeit haben zu Eheschließungen, Trauzeugen und Patenschaften geführt. Ein großes Wiedersehen in unserer Alma Mater hat es trotz der engen Beziehungen nie mehr gegeben, bis sich eine kritische Masse fand und den Stein ins Rollen brachte.

Durch Mund-zu-Mund Propaganda und Unterstützung des Leuphana Alumni- und Fördervereins sind am 23.11.2019 über 70 Ehemalige dem Ruf an ihre alte Uni gefolgt. Neben einem Sektempfang hat der Alumniverein eine ausgedehnte Führung über den Campus organisiert, den viele von uns nur noch in den Anfängen oder gar nicht mehr erlebt hatten. Die Führer lieferten interessante Eindrücke über das imposante Zentralgebäude, den Campus und das innovative Studienkonzept der Leuphana.

Programmhöhepunkt war die Vorlesung eines alten Bekannten: Prof. em. Dr. Döring hat es sich nicht nehmen lassen, noch einmal in seine alte Rolle zu schlüpfen und den Urhebern des Feuerzangenbowlen-Streichs „die Leviten zu lesen“. Er hatte erst Jahre später die Namen der „Übeltäter“ erfahren und sich in einem sehr persönlichen Brief bedankt „für den geist- und lehrreichen Scherz“, der ihm die „schönste Anekdote seiner Berufslaufbahn beschert habe“.

Im Rahmen einer sehr persönlichen Vorlesung erläuterte Prof. Döring seine Motive und Grundsätze kaufmännischen Handelns und veranschaulichte den anderthalbstündigen Vortrag (cum tempore) sehr lebhaft anhand persönlicher Erfahrungen und Anekdoten. Er schloss mit dem Gemälde „Der Geldwechsler und seine Frau“ von Quentin Massys (ca. 1466-1530) und mahnte uns, bei aller kaufmännischen Rationalität nicht zu vergessen, das Leben zu Lebzeiten zu genießen und nicht zu viel auf „später“ zu verschieben.

Beim gemeinsamen Abendessen im Mälzer wurde das Gelernte in die Tat umgesetzt und später im September, spätestens aber im Pesel, jegliche Grundsätze kaufmännischer Vorsicht über Bord geworfen.

Unser Dank für den Brückenschlag von der Uni von damals zur Leuphana von heute gilt dem Alumni- und Ehemaligenverein, insbesondere Philip Dunkhase.

Unser Dank für die Lehre fürs Leben gilt Prof. Döring: Wir haben damals viel mitgenommen bei Ihnen und Sie haben bewiesen, dass man auch heute noch von Ihnen lernen kann. Danke, lieber Bömmel!

Stellvertretend für das Erstsemester 1989/ Alumni 1993 ff

Ihr Stefan Mauer