Lehren im Leuphana Semester und Komplementärstudium

Interviewreihe

Leuphana Semester und Komplementärstudium sind integrale Bestandteile des interdisziplinären Bachelor-Studiums am Leuphana College.

Das Leuphana Semester bildet den Auftakt: Dabei stehen für alle Erstsemester-Studierenden nicht nur methodische und fachliche Grundlagen auf dem Lehrplan, sondern auch die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die über Fächergrenzen hinausweisende Breite des Leuphana Semesters wird im Komplementärstudium fortgeführt.

Das Komplementärstudium flankiert ab dem zweiten Semester das Fachstudium. Es ermöglicht den Studierenden am College, sich unvoreingenommen mit Problemen jenseits vertrauter Denkweisen auseinanderzusetzen, indem sie lernen, ihr Fachstudium aus der Perspektive anderer Fächer zu reflektieren.

Interviewauszüge

Das College sprach mit Lehrenden der Leuphana Universität Lüneburg über ihre konkreten Erfahrungen mit diesem besonderen Studienmodell:

Dr. Ursula Weisenfeld

Die Studierenden werden dazu aufgefordert, sich mit Menschen auseinander zu setzen, die einen anderen Background haben, die z.B. in der Schule einen anderen Schwerpunkt hatten oder bereits eine Ausbildung absolviert haben. Das hilft dabei, die Vielfalt, die wir auch in der Gesellschaft haben, abzubilden. Und durch die Auseinandersetzung mit den vielfältigen lerninhaltlichen Interessen bauen die Studierenden auch ihren Bereich der sozialen Kompetenzen aus.
Prof. Dr. Ursula Weisenfeld

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Der Austausch zwischen Studierenden aus unterschiedlichsten Studiengängen ist für alle erfrischend. In homogenen Studiengängen fehlt manchmal dieser Perspektivwechsel.

Prof. Dr. Anne Barron

Dr. Yvonne Niekrenz

Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Studierenden schlägt sich auch auf die Arbeitsatmosphäre im Seminar nieder, die ich als sehr lebendig, neugierig und durch die unterschiedlichen Perspektiven und (Hintergrund-)Wissensstände der Studierenden auch als sehr bereichernd wahrgenommen habe.
Dr. Yvonne Niekrenz

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Die Lehre im Leuphana Semester ist projektorientierter und interdisziplinärer. Sie bietet eine einzigartige Chance, einen Blick über den fachlichen Tellerrand zu richten.

Prof. Dr. Anne Barron

Die Freiheitsgrade eröffnen im Komplementärstudium außerdem die Möglichkeit, mehr zu überraschen und kreativer zu sein. Auch kann ich mich mehr auf Wünsche und Erwartungen je nach Interessenslage der Studierenden einstellen und dadurch flexibel agieren.

Prof. Dr. Helmut Faasch

Dr. Steffi Hobuß

Es macht mir Freude, Erstsemester-Studierende bei ihrem Start an der Universität zu begleiten: Einfache Dinge wie Fragen zu beantworten oder bei der Orientierung zu helfen, aber auch schwierigere Dinge wie etwa gegen studentische Widerstände deren selbständiges Arbeiten und Lernen einzufordern, indem man nicht alles haarklein vorgibt. Darüber hinaus schafft man so die Möglichkeit für die Studierenden, Teil eines Kollektivs zu sein, das einen ersten Eindruck von der Universität vermittelt.
Dr. Steffi Hobuß

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Ich halte es für eine gute Möglichkeit, eigene Routinen zu irritieren. Als Lehrende oder Lehrender bin ich ja mit meinen Themen vertraut und vermittele diese auf eine bestimmte Art und Weise. In interdisziplinären Gruppen kann es sein, dass das so nicht funktioniert, weil andere Fragen gestellt werden. Das verstehe ich dann als positive Anregung für mich, sowohl aus inhaltlicher, als auch aus didaktischer Sicht.

Dr. Yvonne Niekrenz

Prof. Dr. Andreas Möller

Häufig machen wir Veranstaltungen zu zweit. Richtiges Team-Teaching ist das nicht, aber trotzdem wertvoll. Wir können uns gegenseitig beobachten und so leichter herausfinden, was man beim nächsten Mal noch besser machen kann.
Prof. Dr. Andreas Möller

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Ich glaube, dass es auch für die Studierenden interessanter ist, unterschiedliche Lehrendenperspektiven zu hören oder mitzubekommen, dass auch wir uns mal nicht einig sind und diskutieren. Der seminaristische Charakter wird also massiv dadurch unterstützt, dass mehrere Lehrende gleichzeitig anwesend sind.
Prof. Dr. Helmut Faasch

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Die Fragestellungen der Studierenden sind häufig sehr interessant und originell. Die Studierenden im Leuphana Semester haben gute Ideen. Es macht natürlich Spaß, die Beantwortung solcher Fragestellungen zu unterstützen. Darin liegt der besondere Reiz.

Prof. Dr. Anne Barron

Viele Erstsemester-Studierende sind noch unsicher und wünschen sich viel direkte Anleitung. Ich finde es wichtig, gleich von Anfang an den Unterschied zwischen Universität und Schule deutlich zu machen. Dabei nutze ich zum Beispiel das, was ich "produktive Verunsicherung" nenne. Unter anderem: Dass es nicht darum geht zu lernen, welche Theorie von mehreren "die Richtige" ist, sondern zu erkennen, inwiefern welche Theorie jeweils Unterschiedliches erkennen lässt.

Dr. Steffi Hobuß

Das ist doch toll, wenn man die Chance hat, den Studierenden diese neue Welt ein Stück weit zu zeigen oder ihnen dabei zu helfen, sich diese zu erschließen. Natürlich ist das eine Herausforderung – aber die beidseitige Neugier auf das Neue ist auch eine schöne Abwechslung im universitären Alltag.

Dr. Yvonne Niekrenz

Prof. Dr. Anne Barron

Die Studierenden finden die Module zwar interessant, erkennen aber mitunter nicht, dass sie mit denselben Inhalten - vielleicht in einem anderen Zusammenhang - auch später in ihrem Studium wieder konfrontiert werden. Ich beziehe mich in höheren Semestern oft auf Inhalte des Methodenmoduls, stelle dann jedoch fest, dass die Studierenden die Inhalte häufig längst vergessen haben, weil sie sie wahrscheinlich als nicht relevant für den eigenen Studiengang ansahen.
Prof. Dr. Anne Barron

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Prof. Dr. Eckhard Bollow

Nicht zuletzt müsste man wieder dahin kommen, dass die Studierenden Veranstaltungen im Komplementärstudium tatsächlich komplementär zu ihrem Major und Minor belegen. Ansonsten konterkariert das die Idee eines Komplementärstudiums.
Prof. Dr. Eckhard Bollow

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Eine Gemeinsamkeit ist natürlich, dass wissenschaftliches Arbeiten und kritisches Denken betont wird. Das ist etwas, was eine Universität unbedingt mitgeben muss. Nur so können die vielen Verzerrungen und Handicaps, die das menschliche Hirn nun mal hat und die vielen Probleme in der Gesellschaft, die auf Vorurteilen, verzerrten Wahrnehmungen oder ähnlichem basieren, reduziert werden. Dass heißt, es sind nicht die fachlichen Ziele, die man in einer Veranstaltung hat, sondern die Herangehensweisen, in denen die Gemeinsamkeiten liegen.

Prof. Dr. Ursula Weisenfeld