Meldungen aus der Forschung

Leuphana an Formulierung der UNESCO-Leitlinien zur Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung beteiligt

16.11.2017 Forschung und Hochschulbildung sollen durch gezielte Arbeit an globalen Herausforderungen und durch Einbeziehung nicht-akademischer Akteur_innen zu nachhaltiger Entwicklung beitragen – das ist jetzt in den UNESCO-Leitlinien zur Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung festgehalten worden, an deren Formulierung Apl.-Prof. Dr. Maik Adomßent mitgewirkt hat.

Adomßent, tätig am Institut für Umweltkommunikation (INFU) und im UNESCO-Chair der Leuphana, war an der Formulierung der Leitlinien beteiligt, die am 13. Oktober im UNESCO-Hauptsitz in Paris vorgestellt wurden. In diesen wurde festgehalten, was in Hochschulbildung, Forschung, Forschungsförderung und internationaler Kooperation zu tun ist, um Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung in die Breite zu tragen. Adomßent wurde aufgrund seiner langjährigen Mitwirkung bei zahlreichen UNESCO-Aktivitäten von Herrn Salvatore Aricò, Koordinator dieses Vorhabens im UNESCO-Hauptquartier in Paris, um seine Mitwirkung gebeten. „Eingeladen wurde ich insbesondere vor dem Hintergrund meiner Expertise im Bereich der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung und deren Verknüpfung mit entsprechenden Forschungsansätzen. Entsprechend lag meine Aufgabe während der anderthalb Jahre darin, auf den verschiedenen Symposien als Mitglied des Steuerungskomitees Inputs zu diesem Bereich zu geben und im Redaktionsausschuss entsprechende Leitlinien federführend zu erarbeiten“, erklärt Adomßent.

Die UNESCO-Leitlinien machen deutlich, dass globale Herausforderungen wie Armut, Klimawandel, Städtewachstum oder Wassermangel oft stark miteinander verschränkt sind. Lösungen für diese Herausforderungen müssen die Komplexität und wechselseitige Bedingung der Nachhaltigkeitsprobleme berücksichtigen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Probleme sich sogar verschlimmern. Wissenschaft kann darauf durch disziplinäre, interdisziplinäre und transdisziplinäre Arbeit antworten. Einen besonderen Schwerpunkt legen die Leitlinien auf transdisziplinäre Arbeit, also auf partizipative Ansätze, die ein breites Spektrum gesellschaftlicher Akteure jenseits der akademischen Welt einbindet.

„Nachhaltigkeitswissenschaft stellt im größten Teil der Welt bislang noch eher eine Marginalie dar.“

Bei der Entwicklung der Leitlinien gab es jedoch auch Schwierigkeiten, erzählt Adomßent: „Teilweise gab es Probleme, die auf globale Disparitäten zurückzuführen sind, denn Nachhaltigkeitswissenschaft stellt im größten Teil der Welt bislang noch eher eine Marginalie dar. Entsprechend gilt es deutlich zu machen, warum und wie gerade ärmere Länder von Forschung und Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung profitieren können. Darüber hinaus glaube ich, dass Studierende der Leuphana durch das interdisziplinäre Studienmodell mit Major, Minor und Komplementärstudium gut auf die Lösungssuche für globale und lokale Probleme vorbereitet werden. Darum arbeite ich auch in meiner Rolle als Koordinator des Komplementärstudiums zum einen daran, den fächerübergreifenden Ansatz im Leuphana Bachelor zu stärken und zugleich mit der Inter- und transdisziplinären Perspektive auch konkrete Herausforderungen und Arbeitsweisen aufzuzeigen. Zum anderen ist mir sehr daran gelegen, Nachhaltigkeit in möglichst allen Modulen, also aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Sichtweisen, in den Blick zu nehmen.“

Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, erklärt dazu: „Nachhaltige Entwicklung braucht neues Wissen, neue Technik und Innovation und daher viele Mitstreiter aus den Hochschulen und der Forschung. Dass die UNESCO nun sogar einen internationalen Konsens und ein gemeinsames Verständnis darüber erzielt hat, ist ein entscheidender Fortschritt.“

„Für mich ist das wichtigste Ergebnis der Leitlinien, dass die UNESCO sich die Stärkung der Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung zu eigen gemacht hat, denn mit Blick auf ihre 195 Mitgliedsstaaten gibt es weltweit keine andere Organisation mit einer vergleichbaren internationalen Reichweite. Wichtig wird es jetzt sein, interessierte Regierungen und Ministerien dabei zu unterstützen, diese Leitlinien mit Leben zu füllen – insbesondere in den Weltregionen, die mit Blick auf ihre Möglichkeiten und Ressourcen auf derartige Hilfestellungen von außen zwingend angewiesen sind“, resümiert Adomßent. „Ich bin fest überzeugt, dass die Leuphana durch die Verankerung der Nachhaltigkeitsidee in Leitbild sowie Forschung und Lehre bei diesem Thema eine Vorreiterrolle einnimmt. Daher habe ich meine Beiträge immer mit Beispielen aus der eigenen Universität illustriert, bei denen ich davon ausging, dass sie für die Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern inspirierend und motivierend sein könnten. Zugleich bin ich der Meinung, dass diese Vorreiterrolle mit einer besonderen Verantwortung dahingehend verbunden ist, die eigene Expertise stärker als bisher zum Inhalt von Kooperationen mit Ländern des globalen Südens zu machen.“


Kontakt

Apl.-Prof. Dr. Maik Adomßent
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21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1414
Fax +49 4131.677-2819
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