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Studie: Sind externe Kandidat_innen in Vorständen wirksamer?

10.01.2018 Externe Nachfolgekandidat_innen im Vorstand werden oftmals als ein wesentlicher Baustein für einen erfolgreichen Neubeginn einer Bank in finanziellen Schwierigkeiten gesehen. Offen ist jedoch, ob diese hochgehandelten Nachfolgekandidaten tatsächlich liefern, was sie versprechen.

Den Turnaround in der Performance schaffen insbesondere jene Nachfolgekandidaten, die bereits in ihrer vorhergehenden Bank überdurchschnittliche Managementfähigkeiten dokumentierten. Das ist das klare Ergebnis einer Studie der Finanzexperten Inge Nehring und Professor Andrea Schertler, Professur für Integrated Financial Risk Management von der Leuphana Universität Lüneburg und Dr. Thomas Kick von der Deutschen Bundesbank. 

Untersucht wurden alle deutschen Banken und Sparkassen über den Zeitraum 1993 und 2014. In den 22 Jahren wurden 1.756 externe Banknachfolger_innen ernannt, die bereits vorher eine Bank geleitet haben. Die Studie modelliert die Fähigkeiten der neuen Chefs anhand der bilanziellen Performance und der Rendite-Risiko-Effizienz ihrer alten Bank in den Jahren vor dem Wechsel und das Ergebnis ist ganz klar: überdurchschnittliche Fähigkeiten in der alten Bank führen auch nach der Ernennung in der neuen Bank zu besseren Ergebnissen. Diese Vorstände sind in der Lage die Performance der neuen Bank schneller zu verbessern. 

Die Autor_innen können alternative Erklärungen, zum Beispiel eine Selektion durch die Nachfolgekandidat_innen, für die gefundenen Performanceunterschiede ausschließen. Eine solche Selektion kann entstehen, wenn besonders fähige Vorstände die Angebote von risikoreichen Banken ablehnen, um ihre individuelle Reputation zu schützen, wohingegen weniger fähige Vorstände die noch zur Verfügung stehenden Vorstandsposten in risikoreichen Banken akzeptieren müssen. „Wird eine solche Selektion nicht berücksichtigt, kann Forschung keine verlässliche Aussage darüber treffen, ob die Fähigkeiten der Nachfolgekandidaten die Performanceunterschiede verursachen. Wichtige Erkenntnisse für die Wissenschaft, Aufsichtsbehörden und Praxis können jedoch nur dann gewonnen werden, wenn ausgeschlossen werden kann, dass Banken mit fähigen Nachfolgekandidat_innen eine bessere Performance als andere zeigen, weil die Nachfolgenden sich die bessere Bank aussuchen“, führt Professor Schertler aus.

Kick, Thomas, Inge Nehring, and Andrea Schertler. "Do all new brooms sweep clean? Evidence for outside bank appointments." Journal of Banking & Finance 84 (2017): 135-151.


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Prof. Dr. Andrea Schertler
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Fax +49.4131.677-2169
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Martin Gierczak. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.