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Konferenz PriMus: Ein Ausstellungsobjekt, viele Bedeutungen

29.01.2018 Museen erzählen Kultur. Wie dies aussehen kann und welche Kontroversen es gibt, war Inhalt der zweitägigen Konferenz „Narrating Culture(s) in Museums and Exhibitions“.

Museen haben zwei unterschiedliche Missionen: Einerseits werden sie als Orte gesehen, die seltene Objekte bewahren und pflegen. Andererseits erhalten sie finanzielle Förderungen, um eine lokale, regionale oder nationale Identität aufzubauen. Der Anthropologe Prof. Dr. Hans Peter Hahn von der Goethe-Universität Frankfurt nannte dies bei seinem Vortrag das „museologische Dilemma“. Die Konferenz wurde im Rahmen des Programms „Promovieren im Museum“ (PriMus) veranstaltet, das im Januar vergangenen Jahres am Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft durch Frau Professor Dr. Beate Söntgen und Frau Professor Dr. Susanne Leeb ins Leben gerufen wurde. Fachleute und Interessierte aus dem In- und Ausland wie Australien, Indien und USA trafen sich auf der zweitägigen Konferenz im Zentralgebäude und diskutierten über das museale Narrativ. 

Hans Peter Hahn stellte die Fragmentierung des Ausstellungsobjekts in den Vordergrund. „Auf manchen Konferenzen zerschmettern Archäologen Töpfe, um zu verdeutlichen, was Fragmentierung im Museum bedeutet“, berichtet Hahn. „Ganze Objekte“ gäbe es nicht, auch wenn sie äußerlich vermeintlich heil seien. Es sei etwas anderes, ob ein Objekt in der Fülle eines Magazins zwischen ähnlichen Stücken läge oder ob es in einer Vitrine im Ausstellungskontext präsentiert werde. „Konservierung von Dingen bedeutet Veränderung, während Sammeln bedeutet, Objekte vom ursprünglichen Kontext zu trennen und einen neuen Kontext zu definieren“, erklärte der Experte. Dadurch würde Objekten eine veränderte Bedeutung gegeben. 

Beispielhaft erinnerte er an die Weltausstellung 1851 in London. Der Architekt Joseph Paxton entwarf den so genannten „Crystal Palace“ im viktorianischen Stil. Im repräsentativen Gebäude wurden britische und internationale Produkte ausgestellt. So sollte der hohe Standard der britischen Technik gezeigt werden. „Es war ein Hybrid zwischen Museum und Handelsmesse“, erklärte Hahn. Aus Industriegütern wurden Objekte, die ein kulturelles Gedächtnis prägen sollten.

Die Konstruktion des Objektes stand auch in anderen Vorträgen im Fokus. „Oft wird dasselbe Objekt für verschiedene Narrative benutzt“, erklärte die niederländische Kuratorin Mirjam Shatanawi in ihrem Vortrag. Es erzählen also nicht die Objekte, sondern die Objekte werden mit einer Bedeutung belegt. Diese kann sich je nach Ausstellung oder Museum verändern. 

Mit dem Programm „PriMus“ nutzen bisher sechs Promovierende die besondere Chance, Theorie mit der Praxis zu verbinden. PriMus bietet nicht nur vielfältige Forschungsmöglichkeiten in Museen, sondern beinhaltet auch die Planung einer Ausstellung und berufliche Praxisanteile. „Arbeitsplätze an Museen sind hart umkämpft. Unser Ausbildungsmodell kann für Kandidatinnen und Kandidaten ein Vorteil sein“, erklärt PriMus-Programmleiterin Dr. Nina Samuel. 



Marietta Hülsmann. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.