Meldungen aus der Forschung

Wie werden Studierende zu Change Agents? Forschungsprojekt zu Nachhaltigkeitslehre an Hochschulen

12.02.2018 In Kooperation mit der Arizona State University in den USA setzen sich Forschende der Leuphana mit der Frage auseinander, wie Hochschulbildung als Motor der Nachhaltigkeitstransformation funktionieren kann. In dem Projekt „Educating Future Change Agents“ (EFCA) wird untersucht, wie die Entwicklung spezifischer Schlüsselkompetenzen auf Seiten der Studierenden am besten unterstützt werden kann.

Damit auch künftige Generationen eine Lebensgrundlage haben, ist eine nachhaltige Entwicklung notwendig. Hochschulen spielen dabei eine besondere Rolle, da sie Entscheidungsträger_innen für unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft ausbilden. Daher bietet sich hier die Möglichkeit, künftige Change Agents zu fördern  - also Menschen, die gewillt und fähig sind, den gesellschaftlichen Wandel an Schulen, in Unternehmen oder der Politik voranzutreiben. An diesen Punkt knüpft das internationale Forschungsprojekt „Educating Future Change Agents“ an, mit dem sich die Leuphana und die Arizona State University befassen.

„Im Bereich Nachhaltigkeit sind beide Universitäten führend, sie gelten in diesem Kontext als Zugpferde“, erklärt Doktorand Jan-Ole Brandt. „Gemeinsam widmen wir uns der Frage, wie Kompetenzentwicklung am besten gefördert werden kann.“ In den vergangenen Jahren hat das Thema Nachhaltigkeit zu neuen Lehr- und Lernansätzen inspiriert, eindeutige empirische Studien über ihre Wirksamkeit fehlen jedoch. „Es gibt noch keine Evidenz dafür, dass die Lehr- und Lernmethoden tatsächlich dazu führen, dass wir am Ende gut ausgebildete Change Agents haben“, ergänzt Doktorandin Marie Weiß. „Deswegen versuchen wir in diesem Projekt auch ein Instrument zu entwickeln, dass Nachhaltigkeits-Schlüsselkompetenzen erfassen kann.“

Das Konzept der Schlüsselkompetenzen umfasst Elemente des systemischen, ethischen, strategischen und antizipatorischen Denkens sowie einer interpersonalen Kompetenz, die in einer übergreifenden Problemlösungskompetenz zusammenwirken. Jan-Ole Brandt erläutert dies am Beispiel des Lehrerberufs. „Lehrkräften kommt eine Doppelrolle zu. Einerseits fungieren sie mit ihren eigenen Denk- und Verhaltensweisen als Vorbilder und benötigen selbst entsprechende Fähigkeiten. Andererseits sind sie gefordert, die Kompetenzen bei ihren Schüler_innen zu fördern und so als Multiplikatoren zu agieren.“ Dazu gehören unter anderem die Kompetenz systemischen Denkens, also  beispielsweise die Fähigkeit, interdisziplinär zu lehren und potenzielle Verknüpfungen zwischen einzelnen Unterrichtsfächern zu erkennen. Oder die interpersonale Kompetenz, die effektive Zusammenarbeit mit anderen Lehrer_innen ermöglicht.
 
Anhand von Interviews wollen die Forschenden herausfinden, inwieweit das Studium unterschiedlicher Fächer diese Fähigkeiten hervorbringt beziehungsweise fördert. „Wir wollen erfahren, wie Studierende jene Kompetenzen entwickeln können, die Entrepreneurs, Lehrer_innen sowie politische Entscheidungsträger_innen als besonders relevant empfinden.“ Die Untersuchungen der Kompetenzentwicklung geschehen immer mit Hinblick auf die verschiedenen Lehr- und Lernformate. Projektforschende Marie Weiß: „Wir evaluieren, welche innovativen Konzepte bei der Ausbildung zum Change Agent unterstützen und auch, wie sie ihren Weg an die Universitäten finden. Wo sind bei der Implementierung von Nachhaltigkeitscurricula Treiber, wo Barrieren?“ Bei dem EFCA-Forschungsprojekt gibt es einen systematischen Ansatz, bei dem es um komplette Studienfächer und –programme sowie um einzelne Kurse geht. „Daraus können Rückschlüsse gezogen werden, die auch für andere Hochschulen spannend sind!“

Spannend ist auch die Verbindung zur Arizona State University in den USA, beschreibt Jan-Ole Brandt: „Die ASU bietet ein tolles Umfeld für Forschende, bei meinem letzten Aufenthalt vor Ort hat man mir alle Möglichkeiten gegeben, effektiv zu arbeiten.“ Digitale Technik ermöglicht selbst  die Kooperation über Tausende Kilometer hinweg. Dennoch ist seine Erfahrung: „Die direkte Begegnung ist unersetzbar und wichtige Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.“



Urte Modlich. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.