Meldungen aus der Forschung

Gemeinsame Forschung in Europa. Anke Zerm im Europäischen Parlament

21.02.2018 Horizon 2020 ist mit einem Volumen von ca. 80 Mrd. Euro das weltweit finanzstärkste Forschungsförderprogramm und für die europäischen Universitäten eine wichtige Finanzierungsquelle für ihre internationale Forschungszusammenarbeit. Zurzeit ist es in der Halbzeit angekommen, es laufen bereits die Vorbereitungen für das Folgeprojekt, welches in 2021 an den Start gehen wird.

Anke Zerm, Leiterin des Leuphana Forschungsservice, nahm auf Einladung der European University Association (EUA) im November am Policy Event „Excellence in research, innovation and education: the universities´ recommendations for an efficient and ambitious FP9“ im Europäischen Parlament teil. Die EUA vertritt als Dachverband die europäischen Hochschulen in Brüssel.

In der Veranstaltung unter der Leitung von Professor Martine Rahier, EUA-Vize-Präsidentin, und Dr. Christian Ehler (Mitglied des Europäischen Parlaments) berichteten neben Anke Zerm noch Professor Marcin Pałys, Rektor der Universität Warschau, und Professor Lokesh Joshi von der irischen Universität Galway von den Erfahrungen ihrer Hochschulen mit dem noch laufendem Programm. Anke Zerm wies insbesondere auf die starke Überzeichnung des Programms hin, die auf zu geringe Budgets bei gleichzeitig enorm gestiegenen Antragszahlen zurückzuführen ist. So werden bei vielen Calls nur ein oder zwei Projekte später gefördert. Daraus resultieren sehr niedrige Erfolgsraten – selbst für hochkarätige Anträge. „So verliert Europa ein großes Innovationspotenzial im Forschungsbereich“, warnt Zerm. Pałys betonte die weiterhin bestehenden geographischen Ungleichgewichte und Joshi hob die Wirkung europäischer Forschung für die Gesellschaft hervor. Alle Redner_innen sahen die Notwendigkeit, Forschungs-, Bildungs- und Strukturfondsprogramme zukünftig stärker zu verzahnen, um eine nachhaltige Verankerung in Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern.

Auf verschiedenen Ebenen werden in den kommenden Monaten weitere intensive Diskussionen um Ausgestaltung und finanzielle Ausstattung des Folgeprogramms folgen. Ende des Jahres verständigten sich das Europäische Parlament und der EU-Ministerrat zwar auf eine weitere Stärkung von Horizon 2020, doch bleibt die Finanzierung dieses für die europäische Forschung so wichtigen Programms und seines Nachfolgers weiterhin eingebettet in die Beratungen zum Brexit und zur Neuausrichtung des EU-Finanzrahmens. 

Zerm pointiert: „Die gemeinsame Forschung in Europa ist ein kultureller Schatz. In keiner Region der Welt arbeiten Wissenschaftler_innen aus so vielen verschiedenen Ländern, Kulturen, Systemen, Einrichtungen in gemeinsamen Projekten intensiv zusammen. Die Synergieeffekte, auch durch die gemeinsame Nutzung großer Forschungsanlagen, sind gewaltig. Und doch ist auch die Forschung, leider, von den gegenwärtigen Herausforderungen Europas nicht ausgenommen. Der Brexit überschattet den Weg, den die europäischen Universitäten eigentlich gemeinsam gehen wollen. Gleichzeitig gibt es aber auch Grund zur Hoffnung. Die Sorge um eine ungewisse Zukunft der europäischen Zusammenarbeit veranlasst Wissenschaftler_innen und Hochschulen überall in Europa sich wieder stärker für Bildung und Forschung zu engagieren. Dass es dabei um mehr geht als nur um Anteile am EU-Haushalt, hat das Policy Event eindrucksvoll gezeigt.“


Gastgeber der Brüsseler Veranstaltung war der Europa-Parlamentarier Dr. Christian Ehler, der im zuständigen Ausschuss des Europäischen Parlamentes Experte für Forschungsfragen und wichtiger Kontakt für das kommende Forschungsprogramm ist. 

Im Forschungsservice der Leuphana werden die Anträge der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleitet. Durch den täglichen Austausch mit den Forschenden vor Ort, aber auch mit den beteiligten Forschungseinrichtungen im In- und Ausland verfügt Anke Zerm durch ihre langjährige Tätigkeit über einen breiten Erfahrungsschatz und ein lebendiges nationales und internationales Netzwerk.

Redaktion: Martin Gierczak. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.