Meldungen aus der Forschung

Der Zukunft begegnen: Multikonferenz Wirtschaftsinformatik an der Leuphana

08.03.2018 „Digitalisierung gehört zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen“, sagte der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler bei der Eröffnung im Zentralgebäude. Vier Tage lang diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der wichtigsten und größten Wirtschaftsinformatik-Konferenz im deutschsprachigen Raum.

„Ihre Disziplin gehört zu den ersten Ansprechpartnern beim Thema Digitalisierung“, sagte Schirmherr Thümler den rund 800 Wirtschaftsinformatiker_innen im Libeskind-Auditorium. Zum ersten Mal war die Leuphana Universität Lüneburg Ausrichterin der bedeutenden Konferenz diesmal unter dem Motto „Data Driven X – Turning Data into Value“. Die Tagung gliederte sich in 29 Teilkonferenzen mit etwa 400 wissenschaftlichen Beiträgen zu Themen wie Datensicherheit, Datenmanagement oder Social Media Analytics. 

Die Frage, wie umfangreiche Datensammlungen sinnvoll genutzt werden können, so dass am Ende gute, betriebswirtschaftliche Entscheidungen herauskommen, beschäftigt Unternehmer_innen, Wissenschafter_innen und Dienstleistende zunehmend und stand auch im Mittelpunkt der Multikonferenz Wirtschaftsinformatik. „Die Digitalisierung wird nahezu alle Wirtschaftsbereiche erfassen. Dennoch hört man immer wieder von zögerlicher Umsetzung“, sagte Thümler. Sein Ministerium entgegnet diesem Zustand mit einer Digitalierungsoffensive für Wissenschaft, Forschung und Transfer. „Wir schaffen neue Digitalisierungsprofessuren und machen unsere Hochschulen damit für junge Menschen und die internationale Wissenschaft attraktiver. Wir verankern Digitalisierung als Schwerpunktthema der Forschungsförderung in den Förderprogrammen des Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung. Und wir etablieren ein Kompetenzzentrum Digitalisierung als Netzwerk aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, in dem anwendungsorientierte Lösungen erarbeitet werden“, erklärte Thümler. 

„Daten liefern keine Wahrheiten“

An der Leuphana geht man den Weg in Digitalisierung seit langem. Nur ein Beispiel ist der 2015 etablierte und sehr erfolgreiche Studiengang „Data Science“: „Auf einen Platz kommen zehn Bewerber und die Hälfte der Studierenden kommt aus dem Ausland“, berichtete Conference Chair Professor Dr. Burkhardt Funk und Sprecher des Instituts für Wirtschaftsinformatik. Die Digital School ist nur ein weiteres Beispiel mit dem die Leuphana der Zukunftsaufgabe Digitalisierung gerecht wird. 

Data Science, also das Extrahieren von Wissen aus Daten, war zudem Inhalt des Vortrags des Daten-Spezialisten Daniel Kriesel. Der Wissenschaftler hat Metadaten von „Spiegel Online“ gesammelt und ausgewertet wie beispielweise das zunehmende Sperren der Kommentarfunktion bei Artikeln zu Asylthemen etwa seit Sommer 2016. „Ob der Hass im Netz themenübergreifend so viel größer geworden ist oder Spiegel Online mehr Angst vor fiesen Kommentaren hat, kann ich aus diesen Daten allein nicht ablesen“, sagt Kriesel. Er unterstrich, dass die Digitalisierung nicht ohne Menschen auskomme. „Daten liefern keine Wahrheiten. Sie müssen interpretiert werden“, erklärte der Informatik-Experte. 

Wissenschaftsminister Thümler unterstrich in seiner Rede: „Digitalisierung braucht einen kritisch-lebendigen Austausch zwischen Forschenden, Studierenden und Anwendern. Die Multikonferenz Wirtschaftsinformatik bietet ein ideales Forum dazu.“

Die Multikonferenz Wirtschaftsinformatik findet seit 1993 alle zwei Jahre im Wechsel in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Die diesjährige Gastgeberin Leuphana wird unterstützt von renommierten Sponsoren wie dem IT-Beratungsunternehmen Senacor Technologies und dem Versicherungsunternehmen AXA. 



Autorin: Marietta Hülsmann