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Kooperation und Ressourcen: Wichtige Elemente bei der Inklusion. 3. Pädagogischer Seminartag

03.04.2018 Schulleitungen stehen der Inklusion positiver gegenüber als Klassenlehrkräfte und Sonderpädagogen – das Ergebnis einer Studie, die jetzt auf dem Pädagogischen Seminartag an der Leuphana vorgestellt wurde. Unter dem Titel „Gemeinsam lehren – gemeinsam lernen – gemeinsam gesund bleiben“ versammelten sich zum dritten Mal Auszubildende sowie Ausbilder_innen der drei Lüneburger Studienseminare GHRS, Gymnasium und Sonderpädagogik aus der Region an der Leuphana, um sich auszutauschen und zu diskutieren.

„Der Seminartag bietet die Möglichkeit zur integrativen Zusammenarbeit“, betonte Prof. Dr. Marc Kleinknecht, wissenschaftlicher Leiter des Kompetenzzentrums für regionale Lehrkräftefortbildung, das den Seminartag organisiert hat, in seiner Begrüßung, „das ist deutschlandweit besonders!“ 

Im anschließenden Hauptvortrag des Seminartages stellten Prof. Dr. Rolf Wernig und Prof. Dr. Katja Mackowiak von der Leibniz Universität Hannover die Ergebnisse ihrer Studie zum Stand der Inklusion, die in Form des Konzepts „Inklusive Schule“ im Schuljahr 2013/14 in niedersächsischen Grundschulen eingeführt wurde, vor.Insgesamt stehen alle Befragten Inklusion positiv gegenüber – Schulleitungen jedoch deutlich mehr als Klassenlehrkräfte und Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen. Es wurde außerdem deutlich, dass Inklusion aus Sicht der Lehrkräfte zwar von manchen als „vielfältige Bereicherung“ angesehen wird, aber auch eine Belastung sein kann: Es fehlt an räumlichen, materiellen und personellen Ressourcen, darüber hinaus gibt es trotz der gestiegenen Anforderungen, die mit der Inklusion einhergehen, keine höhere Vergütung. Eine Schulleitung stellte zudem fest, dass damit ein „Ressourcen-Etikettierungsdilemma“ einhergehe: Man müsse hoffen, dass bei entsprechenden Kindern der Förderbedarf so hoch wie möglich eingeschätzt wird, um auf jeden Fall Unterstützung zu bekommen. 

Bei den Befragten zeigte sich, trotz eines im Durchschnitt positiven Ergebnisses, eine große Bandbreite bezüglich der Einschätzung der Kooperation zwischen Lehrkräften und Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen: Während einige Klassenlehrkräfte eine „Erweiterung des Horizonts“ beschrieben, wurde die Kooperation von anderen als belastend angesehen. So äußerten sich einige der befragten Lehrkräfte dahingehend, dass sie Forderungen von Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen gegenüberstehen, die für sie nicht leistbar sind. Darüber hinaus beschrieben einige Klassenlehrkräfte, es sei das Gefühl entstanden, alleine für die Inklusion verantwortlich zu sein – „wenn ich die Sonderpädagogin brauche, ist sie nicht da“, war ein Satz, der in Interviews dazu fiel. Damit stehe man wieder dem Problem der mangelnden Ressourcenausstattung gegenüber, erklärten Wernig und Mackowiak: Das zitierte Problem sei vorhanden, weil Klassen in der Regel für nur zwei Stunden pro Woche die Unterstützung einer Sonderpädagogin oder eines Sonderpädagogen haben. Auf der anderen Seite sehen sich die Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen alles andere als unabhängig: „Ohne die Kooperation der Klassenlehrkräfte können wir nichts machen, und um die zu erhalten, müssen wir uns immer wieder an neue Klassen und Lehrkräfte anpassen“, war ein Kommentar in der Befragung. Die Kooperation ist darüber hinaus auch von der Schulleitung und deren Erfahrung mit Inklusion abhängig.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Wahrnehmung der Schüler_innen zur Inklusion ist insgesamt positiv; entgegen einiger Befürchtungen leiden sie nicht unter der Inklusion. 

„In Deutschland ist Inklusion in unserem hoch selektiven Schulsystem schwierig“, erklärte Rolf Wernig abschließend. „Es hilft wenig, wenn Sonderpädagogen sich für zwei Stunden pro Woche in eine Klasse setzen und dann dort helfen sollen. Man bräuchte stattdessen Teams von Lehrkräften und Sonderpädagogen, die den Unterricht gemeinsam vorbereiten.“

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Autorin: Morgaine Struve