Meldungen aus der Forschung

Audit-Experte Velte vom Wall Street Journal gefragt

11.04.2018 Pure Audit Firms in der Diskussion

Professor Dr. Patrick Velte

New York/Lüneburg. Spätestens seit dem US-Enron-Skandal wird aus internationaler Sicht kontrovers diskutiert, ob große Prüfungsgesellschaften wie die "Big Four" parallel noch Beratungsleistungen anbieten dürfen. In diesem Zusammenhang hatte der renommierte US-Reporter Michael Rapoport vor kurzem im Wall Street Journal den Beitrag "How did the Big Four Auditors Get $17 Billion in Revenue Growth? Not from Auditing" veröffentlicht, für den er auch internationale Experten aus Forschung und Prüfungspraxis befragte. Dr. Patrick Velte, Professor für Accounting & Auditing an der Leuphana Universität Lüneburg, gehörte dazu.

Der US-Reporter hatte einen Beitrag von Velte zur Anbieterkonzentration gelesen und ihn um seine Einschätzung zu den "Pure audit firms" gebeten. Dessen Fazit lautet: Die empirische Prüfungsforschung hat bislang keinen eindeutigen Nachweis erbracht, dass die Trennung von Prüfung und Beratung zu einer höheren Prüfungsqualität führt. Vielmehr halten sich häufig die Vor- und Nachteile die Waage. Während eine Konzentration auf das Prüfungsgeschäft die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers erhöht, können gleichzeitig wichtige Synergieeffekte zwischen Prüfung und Beratung wegfallen. Die bisherige EU-Strategie, unter gewissen Grenzen eine parallele Prüfungs- und Beratungstätigkeit in den Mitgliedstaaten zu tolerieren, sei deshalb sinnvoll, so Velte.

Hintergrund:

Durch den US-amerikanischen Sarbanes-Oxley Act (SOX) 2002 wurde eine parallele Prüfungs- und Beratungstätigkeit beim Mandanten regulatorisch eingeschränkt. Eine analoge Zielsetzung verfolgte auch die EU-Kommission nach der Finanzkrise 2008/09 in einem "Grünbuch" zur Abschlussprüfung. Hiernach sollten große Prüfungsgesellschaften, die Unternehmen des öffentlichen Interesses prüfen und eine gewisse Umsatzschwelle pro Jahr erzielen, ihr Beratungsgeschäft abstoßen und zu sog. "Pure audit firms" werden. Mit dem Abschluss der EU-Reform 2014 wurde diese Reformmaßnahme jedoch nicht umgesetzt. In jüngerer Zeit hat sich allerdings der Vorsitzende des UK Financial Reporting Council in der Financial Times erneut für die Schaffung von "Pure audit firms" stark gemacht.

Auch in Deutschland können Prüfungsgesellschaften, die Unternehmen des öffentlichen Interesses prüfen, innerhalb gewisser Grenzen bei einem Mandanten weiterhin parallel prüfen und beraten (z.B. Steuerberatung und Bewertungsdienstleistungen).


Link zum Artikel: www.wsj.com/articles/how-did-the-big-four-auditors-get-17-billion-in-revenue-growth-not-from-auditing-1523098800