Meldungen aus der Forschung

Ausbildung für Lebensmittelindustrie soll nachhaltiger werden

28.05.2018 Lüneburg. Die Arbeitseinheit Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Leuphana Universität Lüneburg erhält vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 300.000 Euro für die Entwicklung eines Konzepts zur Förderung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Ausbildung von Lebensmitteltechnikern. Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projekts „Nachhaltige Resonanzräume in der Lebensmittelindustrie“ (NaReLe) wollen Prof. Dr. Andreas Fischer und sein Mitarbeiter Harald Hantke Wege finden, um mit Blick auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung systemisches, vernetztes Denken und dessen Anwendung in die Ausbildung für die Lebensmittelwirtschaft zu integrieren.

Die Lebensmittelbranche stellt mit rund fünf Millionen Beschäftigten den viertgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands dar. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Debatten um die ökologischen und sozialen Grenzen des Wachstums sieht sich auch diese Branche mit der Anforderung konfrontiert, nachhaltiger zu wirtschaften. „Gedanken der nachhaltigen Entwicklung finden aber bislang im Ausbildungsalltag der Branche kaum Beachtung“, schildert Professor Fischer die Ausgangssituation für sein Projekt. Er sieht jedoch eine Vielzahl von Ansatzpunkten, um nachhaltiges Denken und Handeln stärker in der Ausbildung zu verankern.

Auf der Basis frei erhältlich Lehr- und Lernmaterialien wollen die Wissenschaftler entsprechende Lernaufgaben entwickeln, die Ausbildender und Auszubildende in die Lage versetzen, die zum Teil widersprüchlichen Anforderungen der betrieblichen Umwelt sinnvoll in ihre Entscheidungsprozesse zu integrieren. Im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung verlangt dies von den Lernenden, mit Problemen umgehen zu können, die bei der Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Anforderungen im Berufsalltag entstehen.

Das Modellprojekt erstreckt sich über mehrere Phasen: Den Grundstein für die Konzeption der Lernaufgaben bilden Branchen-, Arbeitsprozess- und Arbeitsplatzanalysen. Die so entstandenen Einsichten in das nachhaltige Handeln in der Lebensmittelbranche werden für die Erstellung betrieblicher Basislernaufgaben genutzt, die dann in Partnerbetrieben angewendet und ausgewertet werden. Die erfolgreich erprobten Lernaufgaben werden in einem frei zugänglichen Handbuch zusammengetragen, das den Betrieben Hinweise und Impulse zur Förderung nachhaltig ausgerichteter beruflicher Kompetenzen in ihrer betrieblichen Ausbildung liefert. Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen sollen, so wünschen es sich die Wissenschaftler, auch Eingang in die einschlägigen Ausbildungsordnungen finden.

Für das Projekt arbeiten Fischer und Hantke mit der Sustainable Food Academy Berlin zusammen. Praxispartner sind unter anderem die Bohlsener Mühle, Harry Brot und die Uelzena eG.