Meldungen aus der Forschung

Studie über das Scheitern von Unternehmen erschienen

25.06.2018 Lüneburg. Wirtschaftswissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg haben neue Prozess-Muster entdeckt, die schon frühzeitig über das bevorstehende Scheitern von Unternehmen Aufschluss geben. Die Forschergruppe um Professor Markus Reihlen am Institut für Management und Organisation hat dafür im Rahmen einer groß angelegten Analyse bisheriger Fallstudien 43 internationale Unternehmensinsolvenzen ausgewertet. Die Studie zeigt, dass für das Scheitern von Unternehmen zwei zentrale Faktoren verantwortlich sind: Konflikt und Rigidität. Die Forscher gehen davon aus, dass Manager mithilfe ihres Ansatzes Gründe des Scheiterns besser verstehen und so Anzeichen für den Weg ihres Unternehmens in den Bankrott künftig früher erkennen können.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass 80 Prozent aller vor 1980 gegründeten Firmen nicht mehr existieren. Allein in Deutschland werden die durch Unternehmensinsolvenzen hervorgerufenen Schäden auf jährlich fast 27 Milliarden Euro geschätzt. Fast 200.000 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Die Gründe für dieses Scheitern hat man bisher entweder in mangelnder Anpassungsfähigkeit von Unternehmen oder in deren übertriebenem Aktionismus gesehen. So hat zum Beispiel die Firma Kodak den Übergang der analogen zur digitalen Fotografie verschlafen, während etwa die Telefongesellschaft WorldCom durch zu starke Expansion in neue Märkte mit einem Börsenskandal gescheitert ist.

Die Lüneburger Forscher haben in ihrer Studie zunächst vier stets wiederkehrende Erklärungsmuster gefunden: den Marktführer, der Tradition und Moderne nicht verbinden kann, das Vorzeigeunternehmen, das in die Illegalität abdriftet, den Imperialisten, der sein Unternehmen durch Überheblichkeit selbst ruiniert, und schließlich den Branchengiganten, der sich durch politische Grabenkämpfe aufreibt. Alle vier Prozessmuster, so die Forscher, können durch Abfolgen von nur zwei Mechanismen erklärt werden: Konflikt und Rigidität. Konzernführungen wären also gut beraten, ein System zu installieren, das zu einer Sensibilisierung für diese Mechanismen führt und es ermöglicht, frühzeitig gegenzusteuern.

Studien zeigen, dass es teilweise schon 10 Jahre bevor Groß-Unternehmen scheitern, erste Anzeichen für ihren Untergang gibt. Für Unternehmenslenker ist es allerdings schwierig, solche Signale in der Fülle der Informationen während des Tagesgeschäftes zu erkennen. „Mit den von uns entwickelten Prozessmodellen und ihren charakteristischen Mechanismen geben wir Managern jetzt einen Analyserahmen an die Hand, um Fehlentwicklungen früher zu erkennen“, ist Dr. Christoph Seckler überzeugt.

Erschienen ist die Studie „A process perspective on organizational failure – A qualitative meta-analysis“ im renommierten Journal of Management Studies.
doi.org/10.1111/joms.12341

Autoren: Stefanie Habersang, Jill Küberling-Jost, Markus Reihlen und Christoph Seckler

Die Autoren haben in gleichen Teilen beigetragen und sind in alphabetischer Reihenfolge genannt. Der korrespondierende Autor ist Dr. Christoph Seckler.