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„Forschen Sie mit Leidenschaft!“ – Interview mit Dr. Sarah Feron

13.12.2018 Komplexe Nachhaltigkeitsprobleme ganzheitlich und transdisziplinär angehen – das ist der Ansatz, den Sarah Feron während ihrer Promotion an der Leuphana verfolgte und der sie zu ihrer jetzigen Stelle in Stanford führte.

Sie haben am „Institut für Nachhaltigkeitssteuerung“ hier an der Leuphana promoviert und beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit. Können Sie einen roten Faden von Ihrer Masterarbeit über Ihre Promotion bis jetzt in Ihre Forschung erkennen?

Auch wenn ich während der letzten Jahre an einer Reihe von Themen gearbeitet habe, liegt mein Hauptfokus auf dem Klimawandel, seinen Auswirkungen auf verschiedene Systeme und mögliche Wege, ihn abzumildern oder sich an die Veränderungen anzupassen. Geografisch hat sich meine Forschung bisher auf die südliche Halbkugel, insbesondere Südamerika, konzentriert. Unglücklicherweise ist die Südhalbkugel in der Wissenschaftsgemeinde immer noch stark unterrepräsentiert, obwohl die Folgen des Klimawandels erwartungsgemäß am Stärksten in tropischen Regionen zu spüren sein werden – deren Beitrag zum Klimawandel übrigens generell sehr gering ist.

Was hat Ihre Promotion an der Leuphana ausgezeichnet? Wie haben Sie die professorale Betreuung und das Angebot der Graduate School empfunden?

Die Fakultät Nachhaltig der Leuphana hat genau das dargestellt, worauf ich mit meiner Forschung abzielte: komplexe Nachhaltigkeitsprobleme auf eine holistische und inter- und transdisziplinäre Weise anzugehen. Die Universität als Ganzes, insbesondere die Fakultät Nachhaltigkeit, hat das Konzept Nachhaltigkeit durchgängig auf eine Weise institutionalisiert, die immer noch ziemlich einzigartig ist in Deutschland – und sogar weltweit. Das war eine große Inspiration für meine Forschung. Das gleiche gilt für meinen ehemaligen Betreuer, Prof. Harald Heinrichs, der ein großartiger Begleiter während und sogar nach meiner Promotion an der Leuphana war. Die Unterstützung war sowohl von einem beruflichen als auch administrativen Standpunkt aus bemerkenswert. Das gilt auch für die Graduate School.

Was zeichnet Ihre Forschung aus? Haben Sie einen speziellen Ansatz?

Ich hatte das Glück, sowohl in Sozial- als auch Naturwissenschaften forschen zu können. Neben meiner Dissertation habe ich an zahlreichen Feldkampagnen in der Antarktis und Nord-Chile teilgenommen. Dadurch konnte ich Messungen durchführen – und die Physik des Klimawandels besser verstehen. Ich habe einerseits institutionelle Barrieren gegenüber nachhaltigen Lösungen von einer sozio-politischen Perspektive betrachtet und andererseits Satelliten- und Klimamodell-Daten erfasst. Diese unterschiedlichen Ansätze ermöglichten mir, sehr verschiedene Dimensionen desselben Problems anzugehen; wahrscheinlich eine der wichtigsten Stärken meiner Forschung. 

Nachdem Sie Ihren Doktor an der Leuphana gemacht haben, werden Sie nun in Stanford tätig sein. Wie ist es zu dieser Stelle gekommen?

Ich habe mich an Professoren mit ähnlichen Forschungsinteressen gewandt, die ein interdisziplinäres Forschungsteam aufgebaut oder Interesse an transdisziplinärer Arbeit gezeigt haben. In meinem Fall habe ich Prof. Rob Jackson direkt per E-Mail kontaktiert und mein Forschungsvorhaben geschildert, an dem ich als Postdoc arbeiten wollte.

Haben Sie Empfehlungen für Absolventen mit ähnlichen Ambitionen?

Ich glaube, dass es wichtig ist mit Leidenschaft zu forschen. Um gesehen und gehört zu werden und die eigene Glaubwürdigkeit zu stärken, sollte man versuchen seine Arbeit in international anerkannten Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Darüber hinaus ist es lediglich eine Frage der richtigen Person: man sollte jemanden zu finden, der die eigenen Forschungsinteressen teilt. Sie sollten es einfach auf einen Versuch ankommen lassen, und hartnäckig sein.

Wie ist das Leben in Stanford? Unterscheidet es sich von Ihrer Forschungstätigkeit in Deutschland?

Ich bin in Stanfords “Earth System Science Institute“ tätig, ebenfalls ein spannendes und transdisziplinär agierendes Institut. Es vereint grundlegende Wissenschaften des Erdsystems mit der Betrachtung von praktischen Anwendungen und Auswirkungen auf die Menschheit und andere Spezies. Hier in den USA ist Forschung stark quantitativ ausgerichtet, im Unterschied zu Deutschland. Dort ist qualitative Forschung ebenso anerkannt.Stanford bietet seinen Studierenden viel: das fängt bei den wöchentlichen Vorträgen von herausragenden Wissenschaftlern, Politikern oder Vertretern von führenden Unternehmen an. Auf einem persönlichen Level hat mich die Anzahl an sozialen Aktivitäten und der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und des gesamten Instituts erstaunt. Das Wohlbefinden der Leute ist Teil des Konzepts. Das trägt dazu bei, dass Stanford ein inspirierender Arbeitsplatz ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nachdem sie ihren Abschluss 2007 an der Wirtschaftsuniversität Wien erworben hat und sechs Jahre lang in Spanien arbeitete, promovierte Dr. Sarah Feron am „Institut für Nachhaltigkeitssteuerung“ an der Leuphana Universität. Feron thematisierte die Faktoren, die „off-grid” Photovoltaik-Anlagen (Solarzellenanlagen, die nicht an das nationale Netz angeschlossen sind) nachhaltig machen. Sie betrachtete abgelegene Gebiete in drei Anden-Ländern: Chile, Ecuador und Peru. Momentan untersucht sie am „Earth System Science Institute” in Stanford die Auswirkungen des Klimawandels auf den Energiegewinn durch Photovoltaik-Anlagen in Südamerika, insbesondere der Atacama Wüste.



Das Interview führte Lea von Guttenberg.