Meldungen aus der Forschung

Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Dave Abson – „How do I step on the earth?“

18.12.2018 Der Juniorprofessor für Nachhaltigkeitsökonomie war Ingenieur bis er merkte: Seinem Arbeitgeber ging es in erster Linie um Geld. Er kündigte, reiste sechs Jahre lang und studierte Nachhaltigkeitswissenschaften.

Dave Abson stand an einem langen, fein polierten Tisch aus Edelholz als ihm klar wurde, dass er sein Leben ändern muss. Damals war der Nachhaltigkeitsökonom noch Design-Ingenieur. Gerade präsentierte er sein neues Produkt: einen digitalen Reifendruckmesser. Doch kaum einer habe sich für die technische Qualität interessiert, die ihm so viel Freude bereitete. “They only cared how much money they could make”, berichtet Abson. So hatte er sich seine Arbeit nicht vorgestellt. Er wollte etwas Nützliches schaffen, nicht etwas rein Gewinnbringendes. Der Brite zog die Konsequenzen, kündigte und reiste sechs Jahre lang. In Indien traf er einen Sadhu. Der asketische Wandermönch besaß nur die Kleidung, die er am Körper trug und eine Topf. Er sagte zu Abson: „The most important thing in life is to be conscious about how you step on the earth.”  

Inspiriert von den Worten des Sadhu und entschlossen, die Auswirkungen des reichen, westlichen Lebensstils auf die Umwelt besser zu verstehen, führte ihn sein Weg zurück an die Universität: Er studierte erneut und legte an der University of Leeds seinen Master in „Sustainable Developement“ ab. In seiner interdisziplinären Doktorarbeit beschäftigte er sich mit dem positiven Einfluss heterogener Landwirtschaft auf Vögel: Solche Systeme boten Tieren nicht nur mehr ökologische Nischen; sie waren auch widerstandsfähiger gegen Störungen als Monokulturen. 

Nur der wirtschaftliche Wert zählte

Inspiration findet er durch wechselnde Perspektiven, beispielsweise indem er darüber nachdenkt, wie ein Vogel und ein Landwirt eine Landschaft „sehen“. Perspektivwechsel sind auch Inhalt seiner aktuellen Forschung im Rahmen des Großprojekts „Leverage Points“ an der Leuphana. Er setzt sich mit Denkmodellen von Wissenschaftler*innen auseinander: “The way you describe your system shapes the kind of opportunities to intervene in that system”, erklärt Abson. Beispielsweise gibt es den Begriff der Ökosystemdienstleistung. Nicht selten werden konkrete Geldwerte etwa für Bestäubung durch Bienen oder den Abbau von Exkrementen durch Dungkäfer berechnet. Dieser Trend zur monetären Bewertung wurde zunächst nicht von Ökonom*innen, sondern von Ökolog*innen als zusätzliches Argument zur Förderung des Naturschutzes gebracht. Allerdings tritt mittlerweile häufig allein der Geldwert in den Vordergrund: Während seiner Doktorarbeit war der heute 44-Jährige Teil des UK National Ecosystem Assessment, einer Erhebung zum Zustand der Natur in Großbritannien. Am Ende des Projekts erschien ein offizieller Bericht mit 30 Kapiteln, zwei davon thematisierten den wirtschaftlichen Wert der Ökosysteme. Fast nur ihr Inhalt wurde von Presse und Politik diskutiert, sagt Abson: „That’s a problem.“

Die Leuphana sei deshalb der richtige Ort für seine Forschung: „Here, they not only describe problems they seek solutions.“ Besonders prägend war für ihn in diesem Zusammenhang der Artikel „Leverage Points“ der amerikanischen Wissenschaftlerin und Systemdenkerin Donella Meadows. Sie diskutierte, an welchen Punkten in einem System angesetzt werden soll, um eine tatsächliche Transformation zu erwirken. Doch das allein reiche nicht, um einen transformativen Wandel herbeizuführen. Wir müssten auch die grundlegenden Paradigmen und Ziele der Systeme, in die wir eingreifen wollen, in Frage stellen, erklärt Abson: “It’s not an easy thing to change the intentions of a system. But we have to start thinking about it.” 


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Autorin: Marietta Hülsmann