Meldungen aus der Forschung

Internationale Afrika-Konferenz an der Leuphana

14.01.2019 Vom 24. Januar 2019 bis 26. Januar 2019 organisieren die Leuphana und das GIGA German Institute of Global and Area Studies die Konferenz „Africa and Europe Moving Forward: Evidence-based Solutions for African Development". Dazu kommen afrikanische und europäische Forscher*innen sowie Expert*innen aus der Zivilgesellschaft, Wissenschaft, dem Privatsektor und der Politik zusammen, um das Thema aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive mit einem Fokus auf evidenz-basierte Lösungen zu beleuchten.

Das Organisationsteam der Konferenz: Julia Brauner, Daniela Maag, Prof. Dr. Michael Gielnik, Janine Kaiser (v.l.n.r.)

Wie sollte die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa unter den Bedingungen und für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aussehen? Prof. Gielnik und sein Team setzen auf evidenzbasierte Lösungen. „Uns ist es wichtig, dass wir nicht Laienentscheidungen treffen oder Entscheidungen aus dem Bauch heraus, sondern auf Grundlage einer soliden wissenschaftlichen Datenbasis“, erklärt er. Dies ist ein Ansatz, der nun auch vermehrt der Entwicklungszusammenarbeit strategisch eingesetzt wird.

Ein Beispiel für evidenz-basierte Forschung ist eine frühere Studie von Prof. Frese und seiner damalige Doktorandin Mona Mensmann, die sie gemeinsam mit der Weltbank durchgeführt und im Forschungsmagazin Science veröffentlicht haben. Die Weltbank bot in Togo ein klassisches Business-Training für Kleinunternehmer*innen an, mit beispielsweise Elementen von Rechnungswesen und Finanzierung. Die Forscher*innen führten parallel an einer zweiten Gruppe ein Eigeninitiative-Training durch. In diesem wurden Inhalte wie Motivation, Eigeninitiative, Durchhaltekraft behandelt. Nach Abschluss des Trainings wurde geprüft, welche Gruppe wirtschaftlich erfolgreicher ist. „Und es zeigte sich, dass das Eigeninitiative-Training die bessere Intervention ist“, wie Gielnik erläutert. Dass sich das psychologische Training monetär mehr auszahlt als die Vermittlung betriebswirtschaftlichen Wissens widerspricht sowohl der Intuition als auch der konventionellen akademischen Lehre, aber es ist augenscheinlich wahr. Diese Evidenz sollte entsprechend vermehrt in der Entscheidung über effektive Interventionsmaßnahmen zur Förderung von Kleinunternehmer*innen Anwendung finden.

Zusammenarbeit zweier Partner-Kontinente


Daneben hat die Konferenz noch eine weitere Stoßrichtung: Den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu befördern und sogenannte „Knowing-Doing-Gaps“ zu schließen. Dabei befassen sich die Teilnehmer*innen der Konferenz nicht bloß mit Unternehmertum, sondern mit dem größeren Thema „Economy“. „Was sind Maßnahmen, die in der Zusammenarbeit implementiert werden können? Welche wirtschaftliche Faktoren kann man nutzen, um den Job-Market zu stärken?“, beschreibt Gielnik dies.
Die auf Ganzheitlichkeit hin ausgelegte Konferenz betrachtet das Thema nicht nur aus der ökonomisch-finanziellen Perspektive. Beispielsweise wurde in den letzten Jahren die Vergabe von Mikrokrediten als wichtiges Instrument in den Mittelpunkt gerückt. „Allerdings wissen wir mittlerweile aus der Forschung, dass Microcredits alleine nicht funktionieren. Neben finanziellen Maßnahmen werden parallel psychologische Maßnahmen im Sinne von Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten benötigt.“
Hintergrund der Konferenz ist die momentane Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika. Dass beide Seiten an neuen Herangehensweisen zur Zusammenarbeit arbeiten, zeigen Handlungspläne wie die Agenda2063, der Compact mit Afrika oder der sogenannte Marshallplan mit Afrika.

Janine Kaiser, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Gielnik, stellt fest: „Gerade im Kontext der jetzigen Pläne und Agenden für Afrika, zum Beispiel dem Marshall-Plan, wird häufig nur passiv von Afrika geredet: ‚Das-und-das muss Afrika jetzt tun‘. Wir möchten das bei der Konferenz ganz anders angehen, nämlich: Was können wir, was können die beiden großen Unionen, die afrikanische und die europäische, voneinander lernen? Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass in Ruanda eine Technik benutzt wird, Bluttransfusionen mithilfe von Drohnen zu transportieren, das gibt es hier noch gar nicht. Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass wir von der afrikanischen Herangehensweise profitieren können. Deswegen wollen wir ein Expert*innennetzwerk aufbauen, mit Forschenden aus den verschiedenen Bereichen, eben Psychologie, aber auch Politik und Wirtschaft: Was gibt es da an Wissen, das wir aus diesen Bereichen in Europa und Afrika zusammenbringen können?“
Mit den beteiligten Partneruniversitäten in den Ländern Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda, Nigeria, Südafrika arbeiten die Organisator*innen der Konferenz in ihren Projekten auf Augenhöhe zusammen. „Wir versuchen nicht, Wissen dorthin zu transferieren“, sagt Kaiser, „sondern überlegen mit unseren Partnern zusammen: Welche Ideen habt ihr, welche haben wir und wie kann man diese zusammenbringen?“

Zu den Referent*innen der Konferenz gehören die Honorarprofessorin der Stellenbosch University in Südafrika, Dr. Zenda Ofir und der leitende Ökonom der Weltbank, Dr. Markus P. Goldstein. Alt-Bundespräsident und ehemaliger Direktor des IWF, Dr. Horst Köhler, wird einen öffentlichen Vortrag halten.



Autor: Martin Gierczak