Meldungen aus der Forschung

Sprecherziehung kann auch in Stresssituationen helfen

14.01.2019 Lüneburg. Eine an der Leuphana Universität Lüneburg durchgeführte Untersuchung zeigt, dass grundlegende Übungen aus der Sprecherziehung eine stressreduzierende Wirkung haben können. Die von Dagmar Puchalla, Fachkoordinatorin für Sprecherziehung an der Leuphana, gemeinsam mit dem Stress- und Emotionsforscher Marcus Eckert und der Sprechwissenschaftlerin Almut Roeßler realisierte Studie mit 71 Teilnehmenden ergab, dass ein solches Training den Stressmarker Hautleitfähigkeit in belastenden Situationen günstig beeinflusst.

Eine vorhergehende Untersuchung von Puchalla hatte ergeben, dass auffallend viele Lehramtsstudierende nur ungern vor Menschen sprechen. Puchalla und ihre KollegInnen stellten daraufhin gezielt 10-minütige Übungen zu Muskelentspannung und bewusster Atemführung zusammen, die bei stressbedingten Situationen das Nervensystem beruhigen können und in relativ kurzer Zeit ihre Wirkung zeigen sollten.

Die Versuchspersonen berichteten nach dem Training nicht nur von einer positiven Veränderung ihres subjektiven Empfindens. Die Wirksamkeit der Sprecherziehung konnte zusätzlich mithilfe von Messungen der Hautleitfähigkeit objektiv nachgewiesen werden: In der Experimentalgruppe wurde bei ausnahmslos allen Probanden eine Reduzierung der Hautleitwerte gemessen, während die Werte in der Kontrollgruppe nahezu stabil blieben.

Die Studienergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Sprecherziehung insbesondere bei der Ausbildung von Lehrkräften: „Die Fähigkeit, auf das eigene Nervensystem Einfluss nehmen zu können, ist angesichts stresserzeugender Situationen im Berufsfeld Schule unabdingbar“, sagt Puchalla. Es sei deshalb wichtig, angehenden Lehrkräften zu vermitteln, wie man sich in schwierigen Situationen selbst helfen kann, um Probleme im späteren Beruf zu vermeiden.