Meldungen aus der Forschung

Sportwissenschaftliche Forschung: „Inklusion ist nicht nur soziales Lernen“

13.02.2019 Heterogene Lerngruppen sind längst Alltag in Klassenzimmern. Aber auch für das Fach Sport fehlen Unterrichtskonzepte. Der Trainingswissenschaftler Prof. Dr. Stephan Schiemann und die beiden Sportdidaktiker Prof. Dr. Jessica Süßenbach und Dr. Steffen Greve erforschen, wie Rollstuhlbasketball auch an Regelschulen gespielt werden kann.

Sechste Stunde Sport. Einige Kinder spielen Fußball, eine Schülerin sitzt im Rollstuhl. Sie kann nicht teilnehmen. So oder ähnlich kann es sich in inklusiven Klassen zutragen: „Die Lehrkräfte wissen oft nicht, wie sie Kinder mit Beeinträchtigungen in ihren Unterricht einbinden sollen“, erklärt Jessica Süßenbach vom Institut für Bewegung, Sport und Gesundheit. Das Forschungsprojekt „Rollstuhlbasketball vermitteln und Talente in der Schule spielend finden“ möchte neue Lehrkonzepte für den Schulsport entwickeln. „Uns geht es um einen Perspektivwechsel“, erklärt die Sportdidaktikerin. Zum einen wären rollstuhlfahrende Schülerinnen und Schüler im Vorteil, zum anderen könnten die anderen erleben, dass Rollstuhlbasketball eine „richtige“ Sportart ist: anstrengend, technisch herausfordernd - und ziemlich cool. Rollstuhlbasketball bietet neue Möglichkeiten für individuelle Bewegungserfahrungen und neue Formen der Unterrichtsgestaltung: Er kann auch von Fußgängern gespielt werden und in gemischten Teams. Dennoch kommt die Sportart an Regelschulen fast nicht vor. 

Dabei gehört Deutschland zu den führenden Rollstuhlbasketball-Nationen. Zuletzt hat die Damen-Nationalmannschaft Silber bei den Paralympics in Rio geholt, vier Jahre zuvor Gold in London. Auch das Herren-Team gehört zur Weltspitze. Damit das so bleibt, sucht der Deutsche Rollstuhl-Sportverband ständig Talente, wie Projektmitarbeiter Dr. Steffen Greve berichtet. Um diese zu finden, müssten aber mehr Kinder überhaupt mit der Sportart in Berührung kommen. In Kooperation mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband gehen die Forschenden nun in Schulen in der Region und entwickeln Konzepte für die Praxis, die eine einfache Implementierung in den Sportunterricht ermöglichen sollen. Zudem wird ein Evaluierungsprogramm erstellt, um bereits im Schulsport Talente zu finden. Jessica Süßenbach sieht gerade im Sportunterricht Potential für heterogene Lerngruppen: „Inklusion ist nicht nur soziales Lernen.“

Das Projekt wird mit rund 140 000 Euro vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert. 



Autorin: Marietta Hülsmann