Meldungen aus der Forschung

Projekt zur Wasserkraft: Analyse von Staudämmen zeigt positive Entwicklung beim Zeitmanagement

11.03.2019 Viele Entwicklungs- und Transformationsländer setzen nach wie vor auf Staudämme, um dem wachsenden Elektrizitätsbedarf möglichst nachhaltig zu begegnen. Dies ist nicht unproblematisch: Aufgrund hoher Kosten und nicht eingehaltener Zeitpläne beim Bau wird die Effektivität solch komplexer Infrastrukturprojekte durchaus in Frage gestellt. Zusammen mit Judith Plummer-Braekman, Forscherin an der Universität Cambridge, und Julian Kirchherr, Forscher an der Universität Utrecht, untersuchte Tim Disselhoff von der Leuphana, ob und inwiefern seit der Jahrtausendwende Verbesserungen beim Bau solcher Projekte mit Blick auf Kosten- und Zeitüberschreitungen zu beobachten sind.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden Daten zu mehr als 190 Staudämmen gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse wurden nun im renommierten International Journal of Water Resources Development veröffentlicht. Während die durchschnittlichen Werte sowohl bei Kosten- als auch Zeitüberschreitungen seit dem Jahr 2000 deutlich gesunken sind, weisen nur letztere auch statistische Signifikanz auf. Zumindest mit Blick auf das Zeitmanagement scheinen die Ergebnisse der World Commission on Dams (WCD) aus dem Jahr 2000 somit positive Wirkungen zu zeigen. Die WCD hatte sich unter anderem mit Problemen bei der Planung und Durchführung Staudämmen befasst. Die Arbeit der drei Autor*innen zeigt jedoch auch, dass es für weitergehende Analysen mehr öffentlich zugängliche Daten braucht, um die Hintergründe dieser Entwicklungen noch besser zu verstehen und zu Verbesserungen für die Praxis beizutragen. „Unser Ziel war es, herauszufinden, ob seit der Veröffentlichung des WCD Reports im Jahr 2000 Verbesserungen bei der Planung und Implementierung von großen Staudammprojekten nachweisbar sind. Durch das Zusammentragen sowie Auswerten von bereits publizierten und neuen Daten konnten wir zeigen, dass vor allem beim Zeitmanagement signifikante Verbesserungen zu erkennen sind“, so Disselhoff, „wir freuen uns, mit unserer Arbeit eine Grundlage für weitere Forschung in diesem Bereich geschaffen zu haben, um diese Effekte beispielsweise auch auf Länderebene genauer untersuchen zu können.“

Die vollständige Arbeit mit den Ergebnissen sind hier einzusehen.

Über die Autoren

Dr. Judith Plummer-Braeckman ist Senior Research Associate am Institute for Sustainable Leadership der University of Cambridge. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit großen Infrastrukturprojekten in Entwicklungsländern. Vor Ihrer Zeit in Cambridge arbeitete sie unter anderem für die Weltbank. Aktuell forscht sie im FutureDAMS Projekt zu einer nachhaltigeren Entwicklung von Wasserkraftprojekten.
 
Dr. Julian Kirchherr hat seine Doktorarbeit an der University of Oxford zu sozio-ökonomischen Auswirkungen von Staudämmen in Südostasien geschrieben, bevor er als Assistant Professor an die Universität Utrecht wechselte. Er gilt als einer der führenden Staudammforscher weltweit. Seine Arbeiten zu Staudämmen sind in angesehenen Fachzeitschriften wie Global Environmental Change, Energy Policy und World Development erschienen und außerdem in Medien wie BBC, Bloomberg sowie dem Wall Street Journal besprochen worden.
 
Tim Disselhoff steht kurz vor dem Abschluss seines Master-Studiums in Public Economics, Law and Politics an der Leuphana Universität Lüneburg. Nachdem er schon während seines Bachelorstudiums eine studentische Initiative zur Unterstützung von Geflüchteten in Münster mitgegründet hat ist er mittlerweile sowohl in der Fachgruppenvertretung als auch in mehreren Gremien der Leuphana Universität aktiv und hat unter anderem die Leuphana Opening Week in den Jahren 2017 und 2018 organisiert. Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte, vor allem in Zusammenarbeit mit der University of Oxford, hat er bereits während seines Studiums zum Thema Staudämme geforscht und publiziert. In diesem Rahmen war er auch als Gutachter für die Fachzeitschrift Energy Policy tätig.