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Deubner-Dissertationspreis für Anna Christina Schütz

21.03.2019 Lüneburg/Göttingen. Für ihre an der Leuphana Universität Lüneburg entstandene Dissertation „Das Scheitern des Charakters am Selbstbewusstsein des Bildes“ erhält Anna Christina Schütz jetzt als eine von zwei Preisträgerinnen den Deubner-Preis 2019 des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker. Die mit 3.000 Euro dotierte, alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung wird am 27. März auf dem 35. Kunsthistorikertag in Göttingen verliehen. Mit dem Preis werden herausragende Dissertationen gewürdigt, die die innovativen Ergebnisse kunstgeschichtlicher Forschung sprachlich niveauvoll und dabei auch jenseits der Fachgrenzen verständlich präsentieren.

Erhält den diesjährigen Deubner-Preis: Anna Christina Schütz

Im Zentrum der Arbeit von Anna Christina Schütz stehen die Radierungen, die Daniel Nikolaus Chodowiecki zu Johann Wolfgang Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ (1774) entworfen und zum Teil eigenhändig ausgeführt hat. Chodowiecki arbeitete im Auftrag verschiedener Verleger und schuf Bilder für unterschiedliche Ausgaben des Romans. Diese ‚Kupfer‘ hatten Anteil an der Publikationsgeschichte eines der für die Literaturgeschichte bedeutsamsten Romane des 18. Jahrhunderts. Sie haben die Rezeption des literarischen Textes gelenkt und seine Wirkung auf das Publikum beeinflusst.

Schütz zeigt in ihrer Arbeit, dass der in der kunsthistorischen und germanistischen Forschung gebräuchliche Begriff der ‚Illustration‘ den Bildern Chodowiecki nicht gerecht wird, denn er weist die Kupfer als Beiwerk aus, das die Bücher verzieren und ihren Absatz steigern soll. Die Autorin weist demgegenüber nach, dass sich die Wirkung der Bilder nicht darin erschöpft, Ereignisse aus dem literarischen Text bloß abzubilden: Chodowieckis Werther-Kupfer zeichnen sich vor allem im Zusammenspiel mit dem literarischen Text im Medium des Buches durch einen bildlichen Eigensinn und ein in hohem Maße selbstreflexives Potential aus.

Die Preisträgerin verfasste ihre Arbeit von 2013 bis 2017 als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes am Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft der Leuphana Universität Lüneburg bei Professor Dr. Beate Söntgen. Anna Christina Schütz (Jg. 1987) ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart. Von 2006 bis 2012 studierte sie an der Ruhr-Universität Bochum Kunstgeschichte und Germanistik. Sie arbeitete als freie Mitarbeiterin der Klassik Stiftung Weimar und als Lehrbeauftragte der Leuphana.