Meldungen aus der Forschung

Forschungsprojekt „MIDAKuK“: Kreativität trifft Digitalisierung

15.04.2019 Wie spielen Profimusiker*innen auf digitalen Musikmachdingen, die sie sich völlig allein erschließen müssen? Die Studie analysiert die bildungstheoretische und musikpädagogische Bedeutung digital-materieller Musikmachdinge.

Die Pianistin beherrscht ihr Klavier, der Violinist seine Geige. Dennoch sind die Musikmachdinge im BMBF-geförderten Verbundprojekt „MIDAKuK - Musikalisches Interface-Design“ eine Herausforderung für Profi-Musiker*innen. Michael Ahlers, Professor für Musikdidaktik mit dem Schwerpunkt Popularmusik, stellt 26 Berufsmusiker*innen und Instrumentalpädagog*innen jeweils ein Set aus Musikmachding, Computer und Verstärkung, dann wird nach einem halben Jahr rotiert. Die Musikmachdinge sind portable, digitale Innovationen von Technik-Start-ups. Sie tragen Namen tragen wie „Roli Lightpad“ oder „Teenage Engineering K.O.!“. Die Benutzung ist nicht immer intuitiv, dennoch bekommen die Proband*innen keine Betriebsanleitung. Sie sollen sich den Musikmachdingen selbst nähern. Der Ausdruck ist absichtlich weit gewählt, da die Bedeutung der Controller und Instrumente offen bleiben soll. Was geben die Dinge sowohl in der Haptik als auch in der Elektronik vor? Werden die Töne durch Wischen oder Drücken erzeugt? Welches tonale Spektrum hat das Musikmachding überhaupt? Welche*r Nutzer*in wird von den Dingen selbst erwartet oder erzeugt? Sind auf einem Klavier Halb- und Ganztöne spielbar, können einige Geräte Viertel- oder Achteltöne erzeugen. „Damit bewegen wir uns nicht nur in unserem gewohnten tonalen Raum. Die Musikmachdinge sind kulturell übergreifend einsetzbar“, erklärt Ahlers. Einige der Studien-Teilnehmer*innen kommen aus Syrien und nutzen die Viertelton-Optionen quasi-intuitiv.

Kreative Potentiale erschließen

„Durch die Digitalisierung finden Musiker*innen neue Bedingungen vor. Uns interessiert, wie sie sich den Musikmachdingen nähern und welches kreative Potential sie erschließen, wenn sie das Gerät zum ersten Mal in der Hand halten“, erklärt Ahlers. Dabei filmen sich die Musiker*innen. Die Forschenden analysieren die Auto-Videografien. Sie betrachten den kreativen Prozess, erkennen aber auch Probleme der Musikmachdinge. „Am Ende des Projekts spiegeln wir die Erkenntnisse auch an die Start-ups zurück“, sagt Ahlers. Gerade in Berlin und London gibt es eine sehr aktive Szene, die offen für Forschung ist. Digitale Musikmachdinge werden aber auch bereits von bekannten Stars verwendet. Die amerikanische Sängerin Ariana Grande benutzt beispielsweise einen „Mimu“-Handschuh, um live auf der Bühne mit sich selbst mehrstimmig im Chor zu singen. 

Die Partner-Universität FAU Erlangen legt den Fokus auf die spezifischen Bedeutungen musikalischer Interface-Designs für ästhetische, kreative und künstlerische Praktiken gegenwärtiger Jugendkulturen. In diesem Projektteil testen Schülerinnen und Schüler die Musikmachdinge. Die Forschenden möchten den kreativen Umgang der Jugendlichen und der Musikprofis miteinander vergleichen. 

Das Verbundprojekt wird mit 360 000 Euro pro Teilprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.



Autorin: Marietta Hülsmann