Meldungen aus der Forschung

Arzneimittel in der Umwelt: Leuphana-Forscher an Studie für EU-Kommission beteiligt

24.06.2019 Erstmals definiert Europa Maßnahmen zum Umgang mit medizinischen Wirkstoffen in der Umwelt. Der nachhaltige Chemiker Prof. Dr. Klaus Kümmerer war beratend tätig.

Rund 80 Prozent aller Abwässer weltweit werden nicht in Kläranlagen gereinigt. Aber auch gereinigte Abwässer sind nicht unbedingt sauber. Allein 3000 unterschiedliche Arzneimittelwirkstoffe sind zugelassen in der Humanmedizin. Fast alle gelangen nach ihrer Einnahme durch menschliche Ausscheidungen ins Abwasser: „Nur wenige Stoffe werden vollständig zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut. Andere Stoffe werden aber zu anderen Molekülen umgebaut, sogenannte Transformationsprodukte, über deren Toxizität wir nicht viel wissen oder die sogar giftiger sind als die Ausgangssubstanzen“, erklärt Kümmerer. Bisher beschäftigte sich in erster Linie die Wissenschaft mit diesem dramatischen Umweltproblem. Mit der Studie zu „Arzneimitteln in der Umwelt“ bezieht die Europäische Kommission nun Position. „Endlich ist das Thema auf höchster politischer Ebene angekommen“, sagt Kümmerer.

Die Studie wurde von einem Team internationaler Wissenschafter*innen erstellt, zu dem auch Kümmerer gehörte. Thematisiert werden Herstellung, Verbleib und Entsorgung sowohl von humanmedizinischen als auch veterinärmedizinischen Medikamenten. Die Studienergebnisse sind unter anderem Grundlage eines strategischen Konzepts zum Umgang mit Arzneimittel in der Umwelt, das die Europäische Kommission jetzt vorstellte. In dem Papier werden unter anderem Maßnahmen genannt zur Förderung einer nachhaltigen Nutzung von Medikamenten, Abfallvermeidung und verbesserter Klärung von Abwässern. Zudem soll das umweltfreundliche Design von Medikamenten gefördert werden.


Autorin: Marietta Hülsmann