Meldungen aus der Forschung

Lüneburger Heide: Artenvielfalt nimmt deutlich ab

09.10.2019 Leuphana-Forscher untersuchten in einer Langzeit-Studie ein Waldgebiet in der Lüneburger Heide. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Prof. Dr. Thorsten Aßmann

Lüneburg. Laufkäfer sind wesentlich für funktionierende Ökosysteme in unseren Breiten: Diese Insekten ernähren sich unter anderem von Schädlingen wie Eichenprozessionsspinner oder Kartoffelkäfer. Fast 25 Jahre lang überprüften der Tierökologe Prof. Dr. Thorsten Aßmann und sein Team von der Leuphana Universität Lüneburg alle zwei Wochen den Artenbestand in einem alten, nachhaltig bewirtschafteten Waldgebiet in der Lüneburger Heide, dem Hofgehölz Möhr. Dabei stellten die Forscher einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt bei diesen Käfern fest.

Der Wissenschaftler ist besorgt: „Die Artenvielfalt ist hier im Untersuchungszeitraum um fast ein Drittel zurückgegangen und in der Tendenz weiter abnehmend. Gerade in einem Naturschutzgebiet hätten wir damit nicht gerechnet.“ Als Gründe diskutieren die Forscher unter anderem den Klimawandel. Temperaturen steigen, es wird trockener. „Für Larven, die sich im Sommer entwickeln, ist das sehr problematisch. Gerade Tiere dieser Arten haben wir immer seltener gefunden“, berichtet Aßmann. Negative Auswirkungen können auch Pestizide haben, die auf nahen land- und forstwirtschaftlichen Flächen verwendet werden: „Häufig werden auch Nicht-Zielorganismen geschädigt“, erklärt der Experte. Aßmann warnt vor einer weiteren Abnahme der Diversität: „Artenvielfalt ist eine Versicherung für die Zukunft. Eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft etwa wird ohne Insekten wie Laufkäfer nicht möglich sein.“

Im Gegensatz zu vorherigen Langzeitstudien haben die Forscher nicht nur die Biomasse der Tiere erfasst, sondern auch die Arten bestimmt. Ein aufwändiges, aber auch wichtiges Verfahren: „Nur wenn wir wissen, welche Arten verschwinden, können wir sinnvolle Naturschutzmaßnahmen planen“, erklärt Aßmann. Laufkäfer sind in dieser Hinsicht besonders interessant, da sie als Indikatoren für veränderte Umweltbedingungen gelten. Viele Tiere können nicht fliegen und sind deshalb oft ausbreitungsschwach. Verschwinden sie aus Lebensräumen, ist das für Wissenschaftler oft ein Warnzeichen.

Aßmann plädiert für weitere Langzeitstudien: „Deutschland hinkt hier zurück. Wir wollten mit unserer Arbeit auch zeigen, wie wichtig solche Untersuchungen sind.“

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit der Alfred-Töpfer-Akademie für Naturschutz (NNA), Schneverdingen.