Meldungen aus der Forschung

Neu an der Leuphana - Prof. Dr. Christoph Wegener: Pessimismus schützt

21.10.2019 Blasen können für eine Volkswirtschaft gefährlich sein. Sie entstehen durch Spekulationen auf einen Preis, der den Wert überschreitet. Der Juniorprofessor hat ein Risikomaß entwickelt, auf dessen Basis die schädliche Entwicklung gepuffert werden könnte.

Finanzkrise 2008: Viele Amerikaner besaßen Häuser; auch Menschen, die es sich eigentlich nicht leisten konnten. Das niedrige Zinsniveau ermöglichte es. Banken wollten Geschäfte machen und verliehen Geld auch ohne große Sicherheiten. Durch die laxe Kreditvergabe stiegen Nachfrage und Immobilienpreise – bis die Blase platzte. Als die amerikanische Notenbank die Zinsen anhob, konnten viele Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr begleichen, ihre Häuser fielen an die Bank. Plötzlich gab es ein Überangebot an Immobilien auf dem Markt und der Häuserpreis sank. Buchgewinne monetarisierten sich nicht, Banken gingen pleite.

„Derartige Blasen sind hochriskant für alle Marktteilnehmer – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Annahmen moderner Risikomaße in einer Blase verletzt werden und diese somit ihre Aussagekraft verlieren“, fasst Christoph Wegener zusammen. Der Ökonom hat die Juniorprofessur für Methoden der Wirtschaftswissenschaften übernommen und forscht zu Blasen. „Uns geht es darum Risiken von Finanzmarktblasen adäquat abbildbar zu machen“, erklärt der Ökonom. Das Problem: Risikoprämien, welche Investoren für das mögliche Platzen einer Blase kompensieren, führen zu explosiven Preisen. Dies wirkt sich auf klassische Risikomaße wie den Value-at-Risk oder den Expected Shortfall aus. Wegener hat dagegen ein Risikomaß – den Value-at-Implosion – entwickelt, welches das Platzen der Blase einpreist und insofern ein pessimistisches Szenario unterstellt. 

„Ziel ist es eine kritische Wahrscheinlichkeit herzuleiten, welche den Investor*innen als Referenz dient. Liegt die Einschätzung dafür, dass die Blase in der kommenden Periode weiterexistiert über eben dieser kritischen Wahrscheinlichkeit, bedient man sich herkömmlicher Risikomaße. Liegt die Einschätzung unterhalb des Vergleichswerts, so nimmt man den pessimistischen Value-at-Implosion“, erklärt Wegener. Noch ist das Konzept aber Theorie.

Wegener ist Ökonometriker; er verbindet Ökonomie mit Statistik und testet Theorien anhand realer Daten. Dieser Ansatz beschäftigte ihn bereits während der Arbeit an seiner Dissertation an der Universität Hannover und während seiner Tätigkeit an einer Business School in Paris. Einen besonderen Schwerpunkt setzt Wegener bei der Zeitreihen-Analyse. Dabei werden Daten aus der Vergangenheit analysiert, um bestenfalls Prognosen abgeben zu können. Neben Anwendungen zu explosiven Zeitreihenmodellen – so bezeichnet man den Strang der Literatur, welcher sich empirisch mit Blasen befasst – forscht Wegener mithilfe der Zeitreihen-Analyse zur Effizienz der CO2-Bepreisung. Mithilfe ökonometrischer Verfahren werden hier die Erwartungen der Marktteilnehmer*innen geschätzt und mit fossilen Energiequellen in Beziehung gesetzt. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Integration und Effizienz des europäischen CO2-Zertifikatehandels ziehen.
 
Diese und andere Analysen werden Teil seiner Forschung und Lehre neben den Vorlesungen in Mathematik und Statistik für Wirtschaftswissenschaftler*innen am Methodenzentrum sein.


Autorin: Marietta Hülsmann