Meldungen aus der Forschung

Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Matthias Wenzel: „Meetings sind oft nachwirkungsfrei“

04.11.2019 Der 32-Jährige hat die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation übernommen. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit organisationalen und strategischen Praktiken in Unternehmen. Nicht alle „von oben“ verordneten Maßnahmen seien sinnvoll.

Matthias Wenzel interessiert sich insbesondere für das innere Gefüge von Betrieben. „Organisation in Unternehmen ist nicht nur formal bedeutend, sondern impliziert auch Machtstrukturen und andere informale Dynamiken“, erklärt Wenzel. Strategie-Meetings etwa seien meist hierarchisch strukturiert und würden häufig nur die Weiterentwicklung der organisationalen Strategie vorgaukeln: „Oft gibt es keinen Output, der die besprochenen Themen im Kern weiterbringt.“ Gerade in großen Unternehmen sei dies häufig der Fall.

Start-ups funktionierten hingegen anders: „Dort sind die Strukturen zunächst wenig eingefahren“, berichtet Wenzel. Von diesem „entrepreneurial spirit“ möchten auch große, alteingesessene Unternehmen profitieren. Wenzel forscht in einem so genannten Start-up-Accelerator. Dort entwickeln Gründer*innen etwa Apps basierend auf digitalen Geschäftsmodellen. Finanziert wird die Einrichtung von großen Aktiengesellschaften. Im Gegenzug profitieren die Geldgeber*innen vom Pioniergeist. Sie schauen sich die Entwicklungen der Gründer*innen an und kaufen diese gegebenenfalls auf, um selbst wieder innovativer werden zu können. „Oft werden die Arbeitsweisen der Start-ups mit großem Erstaunen betrachtet“, berichtet Wenzel. Allerdings können sich auch bei jungen Unternehmen recht zügig festere Strukturen einschleifen.

Wenzel sieht seine Forschung als stark sozialwissenschaftlich geprägt. Sein wichtigster methodischer Ansatz liegt im Bereich videobasierter Forschung. „Basierend auf den Aufnahmen führe ich beispielsweise Analysen der Körpersprache durch.“ Damit können etwa „versteckte Botschaften“ in der Kommunikation untersucht werden. Beratend ist Wenzel nicht tätig, allerdings werden die Ergebnisse an die untersuchten Betriebe zur Reflexion zurückgespiegelt. „Unternehmer*innen können so versteckte Muster erkennen, die sie möglicherweise aufbrechen möchten“, sagt Wenzel.
Der gebürtige Rügener studierte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) „International Business Administration“. Er promovierte und absolvierte dort auch seine Post-Doc-Zeit. An der Leuphana ist er neuer Leiter des Major-Studiengangs „International Business Administration and Entrepreneurship“. Zusammen mit dem Lehrservice erarbeitet er derzeit Konzepte zur Realisierung und Durchführung von „digitalen Klausuren“.


Autorin: Marietta Hülsmann