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Studie: Wissenslücken in internationalen Biodiversitätsstudien

04.11.2019 Eine neue Studie identifiziert Wissenslücken in sieben kürzlich veröffentlichten Berichten des Weltbiodiversitätsrats IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services). Die IPBES-Berichte fassen das aktuelle Wissen über Mensch-Umweltbeziehungen zusammen, einschließlich der Rolle des Menschen beim Management von Ökosystemen zur Schaffung menschlichen Nutzens. An der Studie war Berta Martin-Lopez, Juniorprofessorin für Sustainability Science, beteiligt.

In der internationalen Nachhaltigkeitspolitik sind klare Ziele für den Schutz der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt festgelegt. Wie diese Ziele tatsächlich erreicht werden können, ist in der Praxis jedoch noch nicht klar, da der Verlust an biologischer Vielfalt weiterhin alarmierend ist. In einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Sustainability von einem internationalen Team von 32 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern veröffentlicht wurde, werden die wichtigsten Wissenslücken, die zur Bekämpfung der Ursachen des Verlustes der biologischen Vielfalt behoben werden müssen, identifiziert. Zur Lösung dieser sozial-ökologischen Krise ist eine relevantere, lösungsorientierte Forschung erforderlich.

Die Autorinnen und Autoren verglichen die in den sieben IPBES-Berichten festgestellten Wissenslücken mit den wichtigsten internationalen Zielen zur nachhaltigen Entwicklung, welche die Vereinten Nationen sowohl für die im Jahr 2010 im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt vereinbarten Ziele für den Schutz der Biodiversität als auch für die im Jahr 2015 vereinbarten Ziele für die nachhaltige Entwicklung festgelegt haben.

„Wir haben festgestellt, dass die globalen Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht werden können ohne verbessertes Wissen über Feedbacks zwischen sozialen und ökologischen Systemen sowie über wirksame Politiksteuerung und -gestaltung, damit Ökosystemleistungen gerecht erbracht werden und gefährdete Menschen schützen", sagt Matias Mastrangelo, Forscher an der Nationalen Universität von Mar del Plata in Argentinien, der die Studie leitete, „wir müssen Management- und politische Strategien für Ökosysteme und die biologische Vielfalt entwickeln, die effektiv, gerecht und umfassend sind und eine gute Lebensqualität fördern." Berta Martín-López vom Institut für Ethik und Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung fügt hinzu: „Nach jahrzehntelanger Forschung bleiben Informationen über drängende Herausforderungen im Umgang mit der Natur und ihre Beiträge zum Menschen als Wissenslücken bestehen. Diese beziehen sich insbesondere auf die wirksame Steuerung und gerechte Verteilung der natürlichen Vorteile für die Menschen".
Zusätzlich zu diesen verbleibenden Wissenslücken stellten die Autoren und Autorinnen fest, dass sich in dieser jüngsten Bewertung die Rolle des indigenen und lokalen Wissens für die Erhaltung des Nutzens der Natur für die Menschen als eine wichtige offene Frage herausgestellt hat.