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Uni-Qualitätsentwicklung: Wie sich Konkurrenten gegenseitig unterstützen

01.07.2016 Berlin/Lüneburg. Eine Tagung des Netzwerks Quality Audit führte jetzt in Berlin mehr als 120 Vertreter von Hochschulen und Organisationen des Hochschulsektors zusammen. Zentrales Thema der Veranstaltung war die Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre mit Hilfe von Netzwerken. Neben der Leuphana Universität Lüneburg, der TU Kaiserlautern, der Universität Potsdam und der Universität des Saarlandes gehören dem Netzwerk die Universitäten Bamberg, Greifswald, Kassel und Osnabrück als assoziierte Partner an.

Im Eröffnungsvortrag betrachtete Prof. Dr. Dr. h.c. Antonio Loprieno (ehemaliger Rektor der Universität Basel, Vorsitzender des österreichischen Wissenschaftsrats) das Thema vor dem Hintergrund des seit den 1990er Jahren zu beobachtenden Wandels des Selbstverständnisses der europäischen Universitäten: Aus Wertegemeinschaften haben sich Institutionen entwickelt, die in einem Wettbewerb miteinander konkurrieren. Als Alternative zu den daraus entstandenen „unternehmerischen“ Universitäten sprach sich Loprieno für die „kritische“ Universität aus. Sie solle eine eigene Stellung in einer sich vielfältig gestaltenden Universitätslandschaft anstreben, Qualitätsentwicklung als identitätsstiftend begreifen und ihr Forschungs- und Lehrangebot ständig überprüfen. (link zur Präsentation)

Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun (Präsident der Leuphana Universität Lüneburg) zog in seinem Vortrag eine Parallele zwischen einem guten Studium und dem organisationalen Lernprozess von Universitäten. So wie ein Studium nicht nur von der Notwendigkeit („Was muss gelernt werden?“), sondern von den Möglichkeiten („Was kann gelernt werden?“) her gedacht werden sollte, fordert er auch Hochschulen dazu auf, sich nicht mit den Mindeststandards der Programm- und Systemakkreditierung zufrieden zu geben, sondern einen selbst-gesteuerten und ambitionierten Lernprozess anzustreben. Netzwerke wie Quality Audit sollten seiner Meinung nach nicht nur für die Überprüfung des Notwendigen, sondern vor allem zum Ausloten des Möglichen genutzt werden. (link zum Vortrag)

In Form eines Interviews erläuterten Prof. Dr. Joachim Härtling (Vizepräsident der Universität Osnabrück) und Prof. Dr. Markus Reihlen (Vizepräsident der Leuphana Universität Lüneburg) die Idee des Netzwerks Quality Audit sowie die konkrete Zusammenarbeit. Mit Blick auf den Fortgang des Projekts kündigten sie an, dass in der kommenden Förderperiode die bereits entwickelten Lernformate „Beratung“, „Benchlearning“ und „Audit“ im Rahmen von „Lernzyklen“ umgesetzt und weiterentwickelt werden sollen.

In Workshops wurden verschiedene Aspekte der Zusammenarbeit in Hochschulnetzwerken vertieft. Die Teilnehmer/innen diskutierten die Chancen, Bedingungen und Wirkungen der Netzwerkarbeit, die Funktionen unterschiedlicher Netzwerkansätze sowie die Rolle von critical friends. In einer abschließenden Podiumsdiskussion erörterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie Hochschulnetzwerke den Aufbau von Strukturen, Prozessen und Anreizsystemen zur Verbesserung von Studium und Lehre befördern können.

Hintergrund:
Aus einem Netzwerk mittelgroßer Universitäten heraus hatten sich die Leuphana Universität Lüneburg, die Technische Universität Kaiserslautern, die Universität Potsdam und die Universität des Saarlande 2011 erfolgreich am Bundeswettbewerb „Für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre“ beteiligt. Das Verbundprojekt „Quality Audit“ unter Federführung der Universität Potsdam erhielt daraufhin eine Förderzusage über bis zu 1,1 Millionen Euro. Ziel der Initiative ist die Weiterentwicklung von Qualitätsmanagementsystemen für Lehre und Studium an Universitäten durch das Modell eines netzwerkorientierten Quality-Audit-Verfahrens. Die erste Förderperiode endet im September 2016. Der Anschlussantrag für die zweite Förderperiode wurde bereits genehmigt. Bis Ende 2020 werden die im vom Verbundprojekt entwickelten Auditverfahren gemeinsam weiterentwickelt. Geplant ist der Wechsel der Geschäftsstelle des Projekts an die Leuphana Universität Lüneburg ab Oktober 2016.