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College-Studierende entwickeln im Komplementärstudium das Haus der Kulturen: interkulturell, intergenerational und integrativ

07.09.2016 In dem Seminar „One Step at a time“ des Komplementärstudiums im Leuphana Bachelor entwickelten Studierende der Leuphana im Rahmen des Projektes „Haus der Kulturen“ an einem Konzept für einen interkulturellen, intergenerationellen und integrativen Raum für Geflüchtete und Deutsche, der in der alten Musikschule in der Innenstadt Lüneburgs entstehen soll. Zentral sind dabei WGs, ein Café mit kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen sowie die Schaffung eines Ortes der Auseinandersetzung und Unterstützung rund um das Thema Migration und Integration.

In dem Seminar „One Step at a time“ des Komplementärstudiums im Leuphana Bachelor entwickelten Studierende der Leuphana im Rahmen des Projektes „Haus der Kulturen“ an einem Konzept für einen interkulturellen, intergenerationellen und integrativen Raum für Geflüchtete und Deutsche, der in der alten Musikschule in der Innenstadt Lüneburgs entstehen soll. Zentral sind dabei WGs, ein Café mit kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen sowie die Schaffung eines Ortes der Auseinandersetzung und Unterstützung rund um das Thema Migration und Integration. 

Wie kamen Sie auf die Idee, ein solches Seminar anzubieten?

Corinna Krome: Die Idee Projektes „Haus der Kulturen“, dessen Name noch vorläufig ist, kam schon vor drei Jahren auf. Seit diesem Zeitpunkt bringe ich diese Idee in Kooperation mit vielen Lüneburger Initiativen und engagierten Privatpersonen voran. Vor einem Jahr bekam ich Kontakt zu Nuria Miralles Andress und wir hatten die Idee, auch die Studierenden der Leuphana in den Partizipationsprozess einzubeziehen. Schon vor dem Seminar haben wir drei Workshops zu dem Projekt organisiert, zu denen jeweils 60 bis 80 Leute kamen. Dort entstanden die ersten Ideen zum Haus, mittlerweile haben wir einen festen Standort dafür: Ein Bereich der alten Musikschule in der Katzenstraße in der Innenstadt wurden aufgekauft, hier wird das Projekt realisiert werden. Mitte 2017 soll es eröffnet werden. Ziel des Seminars sollte es sein, neben einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Integration von Geflüchteten und anderen neuen Gruppen verschiedener sozialer und generationeller Gruppen praktisch im Projekt sowie konkret an einem Ansatz zum Zusammenleben zu arbeiten.

Die Studierenden konnten für die Arbeit im Seminar einer von sechs Gruppen beitreten: Struktur, Kommunikation, Veranstaltung, Beratung, Kooperation und Wohnung. Was waren die jeweiligen Aufgaben der Gruppen und welche Kooperationen gab es?

Corinna Krome: Die sechs Gruppen spiegeln die Hauptbereiche der Organisation des Hauses wieder. Es geht darum, ganz verschiedene Menschen auf vielfältige Weise unter einem Dach in Lüneburg zusammen zu bringen. Die Gruppe Wohnung beschäftigt sich mit der Planung und Umsetzung zweier WGs im Haus, in der Beratung soll beispielsweise Trauma-Beratung angeboten werden, Kooperation wird als Think Tank verstanden, der dazu führen soll, in Kooperation mit Uni, Schulen, Vereinen und einzelnen Lüneburger_innen zu treten. Wir waren zum Beispiel in Kontakt mit der Diakonie, der Lüneburger Willkommensinitiative und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Stadt Lüneburg. Die Gruppe Kommunikation organisiert die Öffentlichkeitsarbeit des Hauses und in der Strukturplanung geht es um eine globale Organisation des ganzen Hauses. Diese Gruppen sind abgeleitet aus bereits bestehenden Arbeitsgruppen von Ehrenamtlichen, die für das Projekt arbeiten und im Vorhinein grobe Ziele für die Studierenden festlegten. Jede Studierendengruppe hatten einen Berater, meist berufstätige, die auch in Richtung des Themas arbeiten oder sich dafür sehr interessieren. Diese gaben inhaltliche Unterstützung und halfen bei der Entwicklung der Forschungsfragen, die am Ende des Seminars bearbeitet werden sollten. Die Studierenden-Gruppen haben sich alle zwei Wochen für vier Stunden getroffen, zusammen mit dem Betreuer, soweit es ging. Dieser Aspekt wird im Hinblick auf die baldige Öffnung des Hauses im Zukunft einen höher Rolle spielen und Kern der Arbeit der studentischen Gruppe sein.

Das Seminar soll also wieder angeboten werden? Was wäre im nächsten Semester neu?

Corinna Krome: Genau, bis zur Realisierung des Projektes 2017 gibt es noch viel Zeit, Studierende in die Arbeit einzubeziehen. Für die nächsten Semester planen wir jedoch Blockseminare, damit die Studierenden umfassender von den Beratern vor Ort betreut werden können.

Dr. Nuria Miralles Andress: Je näher die Eröffnung rückt, desto spannender wird natürlich die Vorbereitung. Das Team Struktur konnte eine Charta zum Zusammenleben in dem Haus verfassen und eine Stake-Holder-Analyse machen. Das Team Veranstaltung dagegen entwarf einen beispielhaften Monatsplan für Veranstaltungen im Haus. Da ist es natürlich schwieriger, realistisch so weit im Voraus zu planen. Mit näher rückender Eröffnung kann die Planung konkreter werden. Es geht zum Beispiel darum, eine Bewerbungsmaske und einen Kriterienkatalog für Bewerber zu entwerfen. Dass dies überhaupt notwendig ist, entstand im Zuge der Arbeit des Teams Struktur.

Welche Leute sollen in das Haus einziehen können?

Corinna Krome: Bei der Auswahl haben wir uns noch nicht festgelegt. Wichtig ist erstmal nur, eine ausgewogen interkulturelle und intergenerationelle Gruppe zu schaffen, deren Mitglieder sich im Sinne der integrativen Projektidee engagieren. Wie das genau aussehen soll, müssen wir im nächsten Semester gemeinsam näher definieren.

Was war ihnen bei ihrem Lehrauftrag im Rahmen des Projektes am wichtigsten?

Corinna Krome: Es geht uns nicht darum, haufenweise neue Initiativen zu gründen, die am Ende nichts bringen. Lüneburg hat so viele tolle Initiativen und Vereine, die sich für Integration engagieren. Besser ist es, zu schauen, wo jeder dieser Gruppen seinen Teil am Projekt haben kann und wie man sich gegenseitig unterstützen und voranbringen kann.

Wie messen Sie in einem so praktischen Seminar den Lernerfolg?

Corinna Krome: Am 25. Juni gab es einen Workshop in der Oberschule am Wasserturm, der auch von den Studierenden selbst organisiert wurde. Dafür bereiteten die verschiedenen Arbeitsgruppen Poster- Präsentationen über ihre Themen vor. Zum Workshop kamen um die 50 Besucher und Besucherinnen und es wurden viele Fragen gestellt. Die Studierenden bekamen also direkt Feedback zu ihrer Arbeit.

Dr. Nuria Miralles Andress: Es war großartig zu sehen, wie die Studierenden vor den Postern standen und auch Laien, nicht nur uns, das Thema so überzeugt präsentierten, als sei es wirklich ihre Herzensangelegenheit, dass Leute darüber nachdenken und Integration vorantreiben.

Corinna Krome: Neben der Präsentation verfassten die Studierenden noch ein Essay, konnten dabei aber sehr frei entscheiden, welchen Schwerpunkt sie setzen wollen. Das gab den Studierenden die Möglichkeit, auch Wissen aus ihrem Major mit einzubeziehen. Wichtig war dabei nur, dass das Geschriebene eine Wertschöpfung war, die die Entwicklung des Hauses vorantreiben kann.

Sie haben eben schon die Motivation der Studierenden während der Präsentationen erwähnt.Wie haben Sie die Studierenden sonst bei der Arbeit zu ihren Themen erlebt?

Dr. Nuria Miralles Andress: Ich war begeistert von der Ernsthaftigkeit der Studierenden bei ihrer Arbeit, ihrer Bindung zu dem Projekt. Sie wussten, dass sie mit ihrer Arbeit diese große Idee weiter entwickeln können und nicht nur Credit Points dabei sammeln. Das führte dazu, dass sie sich sehr stark mit dem Thema auseinandersetzen und sich viel Mühe gaben. Vielleicht mehr, als wenn man keine große Veränderung in der Gesellschaft durch seine Studienleistung erbringt. Auf jeden Fall hat das die Studierenden sehr angetrieben, ich freute mich sehr über das große Engagement.

Welche Freiheiten bietet das Komplementärstudium in der Ausgestaltung der Lehre?

Dr. Nuria Miralles Andress: Die interdisziplinäre Integration so vieler Fachbereiche lässt uns extrem frei arbeiten, was zu ganz vielseitigen Ergebnissen führt. Auch im Essay waren die Studierenden frei in ihrer Ausgestaltung. Das Komplementärstudium ermöglicht es jedem, seinen Schwerpunkt im Thema nach seinem Interesse zu sezen und die Perspektive der anderen Studierenden und deren Studiendisziplinen mit den eigenen Gedanken zu erweitern.

Wollen einige der Studierenden weiter im Projekt arbeiten?

Corinna Krome: Zehn der 25 Studierenden haben tatsächlich Lust, weiter zu machen. Das freut uns natürlich sehr. Sie würden dann Mitglieder der ehrenamtlichen Teams, die schon vor dem Seminar bestanden und dort weiter am Projekt planen und arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!


Kontakt

Dr. Nuria Miralles Andress
Universitätsallee 1, C5.128
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2660
Fax +49.4131.677-2666
miralles@leuphana.de


Autorin und Interviews: Julia Graßhoff (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.