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BWL-Doctoral-Track-Kandidat Jannik Gerwanski im Portrait: „Der hat Biss“

02.10.2017 Im ersten Mastersemester war dem BWLer Jannik Gerwanski klar: Er würde gern im Fachgebiet Accounting & Auditing promovieren. Durch das Doctoral-Track-Programm der Leuphana konnte der 25-Jährige bereits im Master damit beginnen.

Jannik Gerwanski hat ein sehr gutes Zeitmanagement. Schon in seiner Abschlussarbeit hat er zu seinem Promotionsthema „Integrated Reporting Assurance“ geforscht. Als Student im Doctoral-Track-Programm muss er gut organisiert sein. Schon im ersten Masterjahr war er bereits zusätzlich als Doktorand eingeschrieben und besuchte Kurse des Promotionsstudiums. Auch seine englischsprachige Master-Arbeit im Journal-Style bereitete dem Studenten kaum Probleme. Auf dieser Basis wird Jannik Gerwanski nun seine erste Publikation für die kumulative Dissertation gemeinsam mit den beiden Gutachtern der Master-Arbeit verfassen. Im Oktober beginnt sein mehrjähriges Promotionsstipendium. „Durch den Doctoral Track hat er die Möglichkeit, die Promotionszeit bis zu einem Jahr abzukürzen“, erklärt Professor Dr. Patrick Velte. Der Inhaber der Professur für Accounting und Auditing begleitet Jannik Gerwanski als Doktorvater. Er ist überzeugt vom Potential seines Studenten für den nicht einfachen Weg der Promotion: „Der hat Biss.“

Er blieb hartnäckig

Gerwanski wird in den kommenden Jahren seine Fähigkeiten für gutes Zeitmanagement unter Beweis stellen müssen. Denn er wird nicht nur forschen, sondern auch weiterhin in der Praxis tätig sein. Der Doktorand arbeitet seit vielen Jahren bei einem bekannten Kreditinstitut in Hamburg. Parallel zu seinem BWL-Bachelorstudium in Hamburg hat er seine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert. Für den Master ist Jannik Gerwanski bewusst nach Lüneburg gewechselt: „Die Leuphana hat ein sehr gutes Studienkonzept im Master mit Major, Management-Studies und Komplementär.“ Aber auch die seltene Möglichkeit, ein Doctoral-Track-Programm im Master zu belegen, hat ihn angezogen. Professor Dr. Velte erinnert sich an seine erste Begegnung mit Herrn Gerwanski: „Bereits in der ersten Woche seines Studiums in Lüneburg kam er auf mich zu und sagte: ,Ich möchte bei Ihnen promovieren‘.“ Velte war zunächst skeptisch, denn die Studierenden können sich in einem so frühen Stadium des Masterstudiums selten realistischen Vorstellungen vom Umfang eines Promotionsprojekts machen. Doch der Kandidat blieb hartnäckig und überzeugte durch sehr gute Noten, eine aktive Mitarbeit in Seminaren und eine ausgezeichnete Master-Arbeit. 

Während der Master-Arbeit spürte Gerwanski die Dreifach-Belastung aus Studium, Vorbereitung für die Promotion und beruflicher Tätigkeit. Er entschied sich für ein innovatives Forschungsthema und eine empirisch-quantitative Methodik. In seiner experimentellen Studie untersuchte Herr Gerwanski die Kapitalmarktwirkungen geprüfter integrierter Berichte („Integrated Reporting Assurance“) mit Hilfe von rund 160 Masterstudenten sowie 90 Vorstandsmitgliedern großer Konzerne. Diese neuartige Form der regelmäßigen Unternehmenspublizität wird bei großen börsennotierten Konzernen weltweit immer bedeutender. Aufgrund der steigenden Stakeholder-Erwartungen reichen die gesetzlich vorgeschriebenen Finanzberichte nicht länger aus, sondern müssen um nicht-finanzielle Berichte, z.B. CSR Reports, ergänzt werden. Da Finanz- und Nachhaltigkeitsbericht häufig inhaltlich nicht aufeinander abgestimmt sind, besteht die Gefahr eines „Greenwashing“ und des „Information Overload“. Durch die gezielte Bündelung der wesentlichen finanziellen und nicht-finanziellen Aspekte in einem Integrated Report können sich Investoren besser und schneller informieren.

Viele freie Wochenenden gingen drauf

Dennoch ist das Integrated Reporting sehr aufwändig und mit einer eingeschränkten Objektivität verbunden. „Ungeprüft kann eine Firma viel in einen integrierten Bericht schreiben“, erklärt Professor Dr. Velte. Um die Qualität der Angaben zu erhöhen, lassen viele Unternehmen ihre Berichte deshalb freiwillig durch unabhängige Instanzen, z.B. Wirtschaftsprüfer, inhaltlich überprüfen. Die Prüfung ist zwar kostspielig, kann aber auch neue Aktionäre anziehen und der Firma neues Kapital verschaffen. Dass diese Annahme tatsächlich zutrifft, bestätigte Gerwanski mit seinem Experiment. Hierzu bekamen die Masterstudierenden und Vorstände, die sich in die Rolle von nicht professionellen Investoren versetzen sollten, Auszüge aus einem integrierten Bericht vorgelegt und, je nach Gruppe, eine Prüfungsbescheinigung. Viele freie Wochenenden gingen dabei drauf. „Es war sehr anstrengend, hat aber auch viel Spaß gemacht“, erinnert sich Gerwanski. 

So hart sein Weg auf den ersten Blick erscheinen mag, so gern geht er ihn: Der junge Mann klagt kaum über Zeitmangel, schwärmt von zukünftigen ersten wissenschaftlichen Journal-Publikationen und findet die nötige Zeit, um mit seinen Freunden Basketball und Volleyball beim Leuphana Hochschulsport zu spielen. Für ihn ist vieles eine Frage der Motivation – und der guten Betreuung. Professor Dr. Velte fordert viel, fördert aber umso mehr. Und er hält große Stücke auf seinen Doctoral-Track-Kandidaten: „Bisher lief alles bestens.“ 

Der Betriebswirt Velte betreut seit Jahren Promotionsprojekte mit Praxisanteil, die auf eine spätere Karriere in der Prüfungs- und Beratungspraxis abzielen: „Es ist eine Doppelbelastung, aber am Ende winken sehr gute Aufstiegschancen.“ Dennoch reicht Motivation fürs Promovieren allein nicht. „Eine starke inhaltliche Begeisterung für aktuelle, innovative Forschungsthemen und fachliche Kompetenz müssen vorhanden sein“, sagt er. Gerwanski hat sie: „So eine Chance auf eine intensive Beschäftigung mit einem fachlichen Thema über mehrere Jahre kommt nie wieder“, urteilt der Doktorand. 


Kontakt

Prof. Dr. Patrick Velte
Universitätsallee 1, C6.309
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2117
Fax +49.4131.677-2122
patrick.velte@leuphana.de


Autorin: Marietta Hülsmann, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.