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„Stil ist kein Verbrechen“ – Leuphana-Alumna designt nachhaltige Möbel und Accessoires

14.11.2017 In ihrem ersten Leben waren sie Feuerwehrschläuche oder Arbeitsjacken: Aus ausrangierten Materialien lässt die ehemalige Studentin Lis Evers hochwertige Alltagsprodukte wie Stühle und Rucksäcke anfertigen. Impuls und Motivation für ihr Design-Start-Up „DIEVERS “ kamen aus der Leuphana, sagt sie.

Auf dem Schlauch stehen ist nicht so ihre Sache, auf ihm sitzen dagegen schon. Lis Evers macht aus alten Feuerwehrschläuchen Sitzflächen für Stühle, Hocker und Liegen, das Design stammt aus ihrer Zeichenfeder. „Diese Schläuche wurden für ihren eigentlichen Zweck nicht mehr gebraucht. Dabei ist das Material so hochwertig, dass es noch Jahrhunderte hält“, erklärt die 25-jährige und stellt ein weiteres daraus gefertigtes Produkt vor: einen Rucksack, aus weitester Distanz sofort sichtbar. „Der Rucksack-Boden ist Feuerwehrschlauch, der Hauptkorpus eine neonorange Warnjacke“, beschreibt sie. Beides also Materialien, die in anderer Form und Funktion wiederverwertet werden, doch den Begriff „upcyclen“ lehnt die gebürtige Berlinerin in diesem Zusammenhang ab. Ihr Ansatz sei ein anderer: „Meine Produkte sollen anregen, Ressourcen zu hinterfragen und sie neu zu denken“, betont sie. „Die Kunden sollen sich durch das Design angesprochen fühlen. Erst auf dem zweiten Blick erkennen sie den Nachhaltigkeitsaspekt und sind dann doppelt überzeugt“, wünscht sich Evers und erklärt damit ihren Markenslogan: „Stil ist kein Verbrechen.“

Seit sechs Monaten gibt es das Start-Up DIEVERS offiziell, angefangen hat alles in Lüneburg. Von 2012 bis Herbst 2016 studierte Lis Evers am Leuphana College Umweltwissenschaften im Major und BWL im Minor. Während dieser Zeit entwickelte sie die Geschäftsidee: „Es ging los mit dem Praxisseminar Social Entrepreneurship, da habe ich Blut geleckt.“ Die Vision, Dinge verändern zu können, sei in diesem Rahmen real geworden. Ihre Leidenschaft ‚Design‘ kombiniert mit den idealistischen Ansprüchen der Nachhaltigkeit mündeten schließlich in ihr kleines Unternehmen. Unterstützung habe sie dabei nicht nur durch das vermittelte Fachwissen, sondern auch durch einen sehr persönlichen Einsatz erfahren. „Prof. Dr. Jantje Halberstadt vom Centre for Sustainability Management hat das Praxisseminar geleitet und mir weit darüber hinaus unter die Arme gegriffen“, erzählt Evers. „Meinen Schritt in die Selbständigkeit begleitete sie mit hilfreichen Ratschlägen und wenn ich Materialien abholen musste, hat sie mir sogar ihr Auto geliehen.“ Ganz allein ist die Designerin nach ihrem Abschied von der Universität auch heute nicht, zwei Kolleginnen unterstützen inzwischen das Start-Up.

Der Umgang mit Holz und das Handwerk ansich wurden der 25-Jährigen in die Wiege gelegt. „Ich bin im Schatten einer großen Sägemühle aufgewachsen“, beschreibt Lis Evers. „Ein abenteuerlicher Spielplatz, auf dem wahrscheinlich die Liebe zum Material Holz ihren Anfang nahm.“ In der Werkstatt ihres Großvaters und Vaters verbrachte sie viel Zeit und sammelte so ihre ersten handwerklichen Erfahrungen. Als Unternehmerin nutzt sie heute diese Fähigkeiten für den Entwurf von Möbeln, Rucksäcken und Utensilos, produziert wird in Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Hamburg, Kiel und Amelinghausen. „Ich stecke unternehmerisch noch in der Anfangsphase und bisher finanziert sich das Start-Up über Wettbewerbe und Crowdfunding“, erklärt die Designerin. Verkauft werden ihre Produkte ausschließlich in Berlin, geplant sind weitere Standorte. Parallel dazu baut sie den Online-Handel auf - voraussichtlich im Dezember werden die Produkte im eigenen Internet-Shop zu kaufen sein.

Für die fernere Zukunft steckt Lis Evers die Ziele noch höher. „Die Materialien, die ich nutze, sind zwar recycelt, weggeschmissen werden sie aber trotzdem irgendwann“, gibt die Wahl-Hamburgerin zu Bedenken. Deswegen möchte sie in nicht allzu weiter Ferne Produkte nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip verkaufen. Das bedeutet: Ihre Artikel bestehen dann aus Materialen, die kontinuierlich im Kreislauf gehalten werden – was auch Kompostieren beinhaltet. „Es gibt umwerfend tolle Stoffe, die aus Ananasblättern oder Baumpilzen gefertigt werden. Da will ich hin“, schwärmt sie. Wie groß ihr Ehrgeiz und Optimismus dabei sind, macht sie lachend am Ende des Gesprächs deutlich: „Wir sind besser als die großen bekannten, konventionellen Spieler in der Mode- und Möbelwelt - und der bessere gewinnt!“


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Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.