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Professor Dr. Henning Friege im Portrait: „Der Campus wird zum Reallabor“

27.11.2017 Professor Dr. Henning Friege wurde für die Lehrveranstaltung „Nachhaltiges Abfallmanagement“ von der Leuphana mit dem Lehrpreis ausgezeichnet. Im Seminar lernen die Studierenden nicht nur chemische und wirtschaftliche Hintergründe der Müll-Entsorgung, sondern wenden sie auch praktisch an. Seine Biografie macht Professor Friege in diesem Bereich zu einem besonders guten Lehrenden.

Wenn Henning Friege seinen Studierenden die Hintergründe der Abfallwirtschaft erklärt, kann er aus einem reichen Wissensschatz schöpfen: Der Chemiker hat über 300 Publikationen verfasst, über 50 davon peer-reviewed und er ist Autor mehrerer Bücher. Friege promovierte sehr jung an der Universität Münster und habilitierte sich später an der TU Dresden. Dort und an der Leuphana lehrt er weiterhin regelmäßig. Doch Friege schöpft zudem aus einer zweiten Quelle, denn der Wissenschaftler arbeitet seit vielen Jahren auch außerhalb der Universität: In den 80er Jahren war er in verschiedenen Umweltverwaltungen der Länder beschäftigt, hat beispielsweise an der Rhein-Sanierung mitgearbeitet oder Chemieanlagen zugelassen. Zudem führte er einen Entsorgungskonzern, war in der Politikberatung unter anderem in zwei Enquête-Kommissionen des Deutschen Bundestags tätig und führte Qualitätsmanagement-Normen ein. Heute leitet er die Nachhaltigkeitsberatung N³. Die Vorbereitungen für die Gründung des International Sustainable Chemistry Collaborative Centre - ISC3, an dem jetzt auch die Leuphana eine Rolle als „Research Hub“ spielt, leitete N³.

„Ich habe viel Praxiserfahrung und weiß, wie die Dinge gewachsen sind. Das kann ich den Studierenden vermitteln“, sagt Friege. Das Seminar „Nachhaltiges Abfallmanagement“ läuft über zwei Semester und behandelt die Grundlagen des Abfallwirtschaft- und Ressourcenmanagements. Dabei charakterisieren die Studierenden die Abfälle, trennen sie und lernen auch, wie Transporte funktionieren. Das Besondere: Es handelt sich nicht um fiktive Projekte. Die praktische Umsetzung läuft unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Lüneburger Müllentsorger GFA. Im ersten Teil des Seminars lernen die Studierenden theoretische Grundlagen beispielsweise, zu den betreffenden chemischen Themen und erfahren, wie man ein Projekt plant. Ein Punkt ist Friege dabei besonders wichtig: „Ich möchte den kritischen Geist der Studierenden schulen.“

Lüneburger Elektromüll im Labor ausgewertet

Aber auch die Publizierbarkeit der erhobenen Daten spielt für ihn eine Rolle: „Wir haben die Ergebnisse aus diesen Kursen meist veröffentlichen können.“ In der internationalen Fachzeitschrift „Recycling“ erschienen beispielsweise Seminar-Ergebnisse unter dem Titel „An examination of batteries remaining in used electric and electronic devices: insights gained from a transdisciplinary project”. Die Studierenden sind Frieges Co-Autoren. Inhaltlich ging es um den Verbleib von Akkus in Elektrogeräten. Die Studierenden haben Elektroabfälle aus Lüneburg gemahlen und Proben im Labor ausgewertet. Das Ergebnis: 20 Prozent des Elektromülls bestanden aus Batterien, 75 Prozent dieses Anteils waren Lithium-Ionen- beziehungsweise Nickel-Cadmium-Akkus. Beide Batterien haben einen hohen Rohstoffbedarf, sind aber auch bei der Entsorgung schwierig. Diese Problematik spitzt sich weiter zu: „Die Menge von Altbatterien in Elektrogeräten ist in den vergangenen Jahren um das Fünffache gestiegen“, berichtet Friege. 

Im aktuellen Seminar werden Abfälle aus dem Unialltag aufbereitet. „Der Campus wird zum Reallabor“, erklärt Friege. Die Studierenden werten im Labor aus, um welche Abfälle es sich handelt. Am Ende des zweisemestrigen Seminars im kommenden Jahr sollen Empfehlungen für ein verbessertes Abfallmanagement stehen. „Die Zusammensetzung von Universitätsabfällen unterliegt stetigen Änderungen, da immer wieder neue Studierende auf den Campus kommen“, erklärt Friege. Partnerin des Seminars ist die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Leuphana, Irmhild Brüggen.

Zudem werden in diesem Jahr Proben vom Weihnachtsmarkt-Müll genommen. Dabei geht es dem Wissenschaftler nicht allein um die Zusammensetzung des Mülls. „Die Studierenden sollen verstehen, wie die Abfallwirtschaft aufgebaut ist. Es hat in diesem Bereich wenig Sinn, fiktive Projekte durchzuführen“, urteilt der Chemiker. Zumal der Konsum den Inhalt einer Mülltonne immer wieder verändere: „Allein die Anzahl an Verpackungen für fertige Mahlzeiten, das beginnt mit dem Pizzakarton, hat durch den Erfolg der Lieferdienste massiv zu genommen“, erklärt Friege. 

Dem 66-Jährigen bereitet seine Arbeit so viel Freude, dass er gern noch wenigstens zehn Jahren weiterarbeiten möchte. Zumal die Lehre für ihn mehr als ein Beruf ist: „Ich lerne permanent etwas Neues.“ Denn die Studierenden stellten immer wieder andere Fragen. Ihnen die richtige Antwort zu geben, dafür nimmt sich Friege gern Zeit.

Das Seminar Video (Länge: 1:06 Min)

Weitere Informationen
Kontakt

Dr. rer. nat. habil. Henning Friege
Universitätsallee 1, C11
21335 Lüneburg


Marietta Hülsmann. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.