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Studierende im Portrait: Ella Domaschkin – Mit Erasmus nach Estland

19.02.2018 KuWi-Studentin Ella (25) ist noch voller Eindrücke: Vor wenigen Tagen ist sie aus Tartu zurückgekehrt, ein Semester hat sie dort studiert. Der Wunsch, ins Ausland zu gehen, tauchte bei ihr eher zögerlich auf, jetzt kann sie nur raten: unbedingt machen!

„Am gewöhnungsbedürftigsten war mit Sicherheit die neue Wohnsituation: Gemeinsam mit anderen Kurzzeitstudierenden habe ich in Tartu in einem mittelschönen Studentenheim gewohnt, mir das Zimmer mit einer Kommilitonin geteilt. Erst musste ich ganz schön schlucken, aber die Leute und die gesamte Atmosphäre waren wahnsinnig nett. Was das Leben in dieser Gemeinschaft anbelangt, habe ich rückblickend das Gefühl, auf einer 5-monatigen Klassenfahrt gewesen zu sein. Eine tolle Zeit in Estland!

Nach meiner Schulzeit in Ostfriesland wollte ich ganz schnell studieren. Ins Ausland zu gehen, war damals überhaupt keine Option. Ich bin in Kasachstan geboren und dort immer mal wieder für längere Zeit zu Besuch. Vielleicht hat mich deshalb die Ferne zunächst nicht gereizt. Das änderte sich auch während des Bachelors erst einmal nicht. Irgendwann kam dann aber doch der Wunsch auf – viele Kommiliton_innen studierten inzwischen vorübergehend im Ausland, kamen mit neuen und spannenden Erfahrungen zurück – das machte mich neugierig. Also begann ich zu planen: Wo soll es hingehen, wie lange und vor allem: Wie bezahle ich den Aufenthalt? Allein das Geld aufzubringen, wäre nicht gegangen. Mein Studium finanziere ich über Bafög, außerdem gebe ich Nachhilfe und bin Studentische Hilfskraft an der Graduate School. Den Estland-Aufenthalt konnte ich schließlich dank Erasmus+ auf die Beine stellen. Durch das Bildungsprogramm der EU wurde der überwiegende Kostenanteil abgedeckt. Das war eine große Erleichterung.

Seit wenigen Tagen bin ich nun wieder zurück in Lüneburg, was sich ebenfalls gut anfühlt. An der Leuphana Graduate School studiere ich im 6. Semester den Master Culture, Arts and Media mit dem Hauptfach Digitale Medien und dem Nebenfach Arts Organisation. Vieles ist sehr theoretisch angelegt, was ich mag. In Tartu habe ich mich mit Semiotik befasst, einer Theorie, die sich mit Zeichensystemen befasst. Ich überlege noch, ob ich das Thema in meine Masterarbeit aufnehmen werde. Im Bachelor konnte ich mit dem Abstrakten noch nicht so viel anfangen. Das Verstehen ist mir in einigen Bereichen schwerer gefallen, als ich es mir gewünscht hätte. Ich habe mir aber immer – auch bei Misserfolgen – gesagt: Weiter und besser machen. In diesem Punkt bin ich wirklich ehrgeizig. Ich wollte als eine der ersten aus unserer Familie unbedingt studieren – und nun will ich es auch gut machen. In anderen Dingen wie Sport oder Gesellschaftsspiele bin ich wesentlich gelassener.

Was ich nun auch wieder aufnehmen werde ist mein Engagement bei der Internationalen Studierenden Initiative – ISI. Wir organisieren für die ausländischen Studierenden an der Leuphana tolle Events wie Ausflüge, Grillabende oder Stammtische – kurz: Wir sorgen dafür, dass die Austauschstudierenden hier an der Uni Kontakte finden. Durch mein Studium in Estland weiß ich ganz persönlich, wie es sich anfühlt, fremd zu sein. Es ist wirklich schwierig, eine Verbindung zu den Menschen vor Ort aufzubauen. Ich hoffe aber, dass unsere Initiative für die Gäste, die vorübergehend hier in Lüneburg leben, zumindest eine gute Unterstützung ist.

Beruflich würde ich gerne weiter an einer Hochschule bleiben. Ich kann mir gut vorstellen, zu promovieren und anschließend in die Lehre zu gehen. Die Leuphana wäre ein spannender Arbeitsort, ich bin allerdings aufgeschlossen: Eine andere Uni auch außerhalb Deutschland würde mich ebenfalls reizen – Auslanderfahrungen habe ich ja inzwischen.“



Urte Modlich. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.