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Leuphana Konferenzwoche 2018: „Jeder Mensch ist gleich wertvoll“

05.03.2018 Auch am dritten Tag der Konferenzwoche bot die Leuphana ihren Erstsemster-Studierenden interessante Gesprächspartner zum Thema „Zurück in die Freiheit“. Einer war LeuphanaAlumnus und Getränkehersteller Uwe Lübbermann, der zeigte, wie erfolgreich einvernehmliche Entscheidungen sein können. Auf dem Gallery Walk im Hörsaalgang wurde Freiheit aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Drei WG-Zimmer, drei unterschiedliche Menschen und die Freiheit zu entscheiden, wer in welches Zimmer ziehen soll – und zwar im gemeinsamen Einvernehmen. Das war die Aufgabe im Seminar „Arbeiten im Konsens“ von Uwe Lübbermann. Er ist Gründer der Getränkemarke „Premium Cola“. Seit 16 Jahren wird dort alles im Konsens entschieden – und das gelingt mit großem Erfolg, wie Lübbermann den Studierenden erzählte. „Wir hatten in all der Zeit noch keinen Rechtsstreit und unsere Entscheidungen fallen fast immer innerhalb weniger Wochen“, berichtet der Gründer. Entscheiden dürfen alle, die mit der Marke verbunden sind: Die Kunden genauso wie die 1700 Partner. „Jede Person ist gleich wertvoll“, sagt Lübbermann. 

Während der Konferenzwoche zeigte Lübbermann Studierenden, dass Konsensdemokratie nicht nur in der Arbeitswelt funktioniert, sondern genauso ein erfolgreiches Werkzeug zur Konfliktlösung im Alltag sein kann. Eines der WG-Zimmer, über die in der Übung entschieden werden sollen, ist sehr klein, eins kalt und ein anderes ohne Internet-Anschluss. Digital-Media-Erstsemester Joshua McGregor macht in seiner Arbeitsgruppe den ersten Vorschlag: „Ich zahle lieber weniger Miete und wohne dafür klein.“ Kommilitone Niclas Hedemann regt an vor, durch zusätzliche Technik WLAN in alle Zimmer zu legen. Zehn Minuten sind für die Aufgabe vorgesehen. Doch schon vor Ablauf der Zeit sind sich die Drei einig und alle Zimmer vergeben. In der Diskussion haben sie die Sichtweisen der anderen kennen gelernt und jeder Standpunkt wurde ernst genommen. „Autoritäre Entscheidungen zerstören oft das Klima in der Gruppe“, sagt die Studentin Valerie Bartusch. 

In der Konsensdemokratie sei dabei nicht entscheidend, dass alles allen gefällt. „Sondern dass niemandem etwas krass missfällt“, erklärt Lübbermann. Nach dieser Übung ist ihm eine Frage an die Studierenden besonders wichtig: „Wer glaubt, dass er die gefallene Entscheidung auch allein gefunden hätte?“ Er lädt die Studierenden ein, sich bei Entscheidungen mehr Freiheit zu nehmen. 

Auch auf dem Gallery Walk, dem Herzstück der Konferenzwoche, stand alles im Zeichen des Themas „Zurück in die Freiheit“. Dort stellten die 1500 Studierenden aus dem Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ ihre Ergebnisse aus den Projektseminaren vor. „Wir haben uns mit dem Konzept ,Individuelles Arbeiten‘ der St.-Ursula-Schule beschäftigt“, erklärt Maren Brasch, Studentin des Grundschullehramts. Die Kinder bekommen dabei einen auf sie zugeschnittenen Arbeitsplan, nach dem sie mit Unterstützung, aber dennoch weitgehend frei arbeiten. Ein Kind mit Dyskalkulie wird beispielsweise leichtere Aufgaben bekommen als ein in diesem Bereich hochbegabtes Kind. Die Stärken werden dann aber an anderer Stelle mehr gefordert. „Bei diesen individuell gestellten Aufgaben besteht die Freiheit für das Kind darin, sich voll entfalten zu können“, erklärt Lehramtsstudentin Annika Bielesch.

In einem anderen Seminar haben sich Studierende mit dem Lüneburger Stadtwald auseinander gesetzt. „Mir war gar nicht klar, dass ich die Freiheit habe, auch an Entscheidungen mitzuwirken, die den Wald betreffen“, sagt die Studentin der Umweltwissenschaft Nadine Renz. „Der Wald gehört uns allen und nicht nur der Politik“, ergänzt sie. Für den Kuwi-Studenten Niklas Pernat erhebt diese Entscheidungsfreiheit aber auch einen anderen Anspruch: „Für mich heißt es, dass ich mich einbringen kann und sollte.“

Wie dies mit fairer Elektronik gelingen kann, diskutierten Studierende im Workshop des Vereins „FairLötet“. Es ging beispielsweise darum faire Elektronik durch entsprechende Werbung überhaupt erst populär zu machen. Für die Teilnehmerin und Kuwi-Studentin Elisabeth Klingenberg ist die Konferenzwoche ein Aufrüttler in Sachen Nachhaltigkeit. „Hier wird viel angestoßen. Es motiviert selbst noch konsequenter in meinem nachhaltigen Verhalten zu sein.“

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Autorin: Marietta Hülsmann