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Studierende im Portrait – Eva Kern: Ein blauer Engel für Software

09.04.2018 Wie Computerprogramme umweltfreundlicher werden können, erklärt Eva Kern in ihrer Doktorarbeit, die sie in wenigen Wochen abgibt. Ihr ehrenamtliches Engagement in Hochschulgremien und für Geflüchtete war wichtiger Begleiter während ihres Promotionsstudiums.

„Früher hatte ich mal ein handelsübliches Handy, aber mittlerweile besitze ich ein faires Mobiltelefon. Das kann man weitgehend selbst reparieren und es wird nach dem Software-Update nicht gleich unbrauchbar, weil die Technik veraltet ist. Dieses nachhaltige Prinzip ist auch Teil meiner Forschung. Etwas pointierter gesagt: Wir arbeiten an einer Art Blauem Engel für zum Beispiel Internet- und Textverarbeitungsprogramme. Ich promoviere in einem Kooperationsprojekt der Leuphana mit dem Umweltbundesamt, der Universität Zürich, dem Öko-Institut und dem Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier. Smartphones enthalten beispielsweise Seltene Erden, die unter teils zweifelhaften Bedingungen unter anderem im Kongo abgebaut werden. Wenn die Technik dann wegen der Programmierung schnell nicht mehr nutzbar ist, sollte uns das zu denken geben. Außerdem haben wir den Stromverbrauch von verschiedenen Programmen gemessen und gemerkt: Da gibt es Unterschiede. Auf dem einen Browser läuft der Videokanal beispielsweise energiesparender als auf dem anderen. Dafür verbrauchen dann die Suchanfragen mehr. Einfache Antworten gibt es nicht, aber Stellschrauben.

 Nachhaltigkeit war für mich immer ein wichtiges Thema. An der Leuphana habe ich gelernt, dass es noch mehr Perspektiven als den Umweltschutz gibt – den sozialen Bereich beispielsweise. Ich komme ursprünglich aus Rheinland-Pfalz. Dort bin ich auf ein Mädchengymnasium gegangen. Programmieren war Schulfach, der Umgang mit Computern war für mich deshalb selbstverständlich. Also studierte ich auf dem Campus in Birkenfeld Medieninformatik. Dort habe ich meine Masterarbeit bereits zu einem Green-IT-Thema geschrieben und war Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Umweltinformatik-Projekt. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, kommt man um die Leuphana nicht herum. Eine Kommilitonin aus Birkenfeld hatte bereits für ihren Master zur Leuphana gewechselt. Ich habe es mir hier angeschaut, dann fiel meine Entscheidung fürs Promotionsstudium. Weil ich ganz neu in Lüneburg war, habe ich mich gleich um einen WG-Platz bemüht. Ich wollte rasch Leute kennen lernen. Ein Mitbewohner engagierte sich in der Willkommensinitiative für Geflüchtete. Sie suchten für die Aktion „Kulturgarten“, wo gemeinsam mit Geflüchteten gegärtnert wird, jemanden, der die Webseite programmiert. Da habe ich mich gleich gemeldet. Der interkulturelle Austausch ist für mich sehr spannend. Später haben wir dann ein WG-Zimmer an einen Palästinenser vermietet. Nicht, weil wir unbedingt einen Geflüchteten als Mitbewohner haben wollten. Wir fanden Ahmed einfach super nett. Gleichzeitig konnten wir uns ein eigenes Bild von Geflüchteten machen und hatten nicht nur die Sichtweisen der Medien vor Augen. Ich schaue gern hinter die Kulissen.

Deshalb engagiere ich mich auch bei der Promovierendenvertretung im Fakultätsrat und Senat sowie in unserer Fachgruppenvertretung. Zum einen versteht man die Hochschulpolitik besser und lernt Verhandlungstechniken, zum anderen freue ich mich, Doktorandinnen und Doktoranden ein bisschen beim Einstieg helfen zu können. Egal über was man promoviert, die Berge und Täler sind immer die gleichen. Es macht mir Spaß, etwas weiterzugeben und sich mit den anderen bei unseren Stammtischen auszutauschen. Gerade, weil ich selbst Glück hatte: Ich finanziere meine Doktorarbeit mit einem Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung. So konnte mich ganz auf meine Forschung konzentrieren. Mit meinem ehrenamtlichen Engagement möchte ich dafür etwas zurückgeben. Aber ich lerne auch sehr viel dabei – Organisation, Zeitmanagement und auch Geduld. 

Das Haus der Kulturen „mosaique“ in der Innenstadt habe ich ebenfalls ehrenamtlich mitgeplant. Manchmal auch in Lernpausen in der Bibliothek gemeinsam mit Corinna, die das Projekt ins Leben gerufen hat. Was ich da so schön finde, sind die verschiedenen Kulturen und Generation, die aufeinander treffen und sich in gegenseitigem Respekt gegenüber stehen. International und interkulturell. Lüneburg ist genau die richtige Studienstadt für mich. Nicht zu groß, aber viel Platz fürs Engagement. Allein beim mosaique sind 130 Ehrenamtliche aktiv und als Teil der Steuerungsgruppe bin ich auch beim Zukunftsprojekt „Lüneburg 2030“ dabei. 

Wie es beruflich nach meiner Doktorarbeit weitergehen wird, weiß ich noch nicht genau. In den kommenden Monaten bis zur Verteidigung werde ich mich umsehen. Die Arbeit in einer NGO würde mir Spaß machen, ein großes Unternehmen kann ich mir dagegen nicht vorstellen. Weiter in der Wissenschaft zu arbeiten, ist für mich auch eine Option. Spannend sind für mich Schnittstellen: zwei Denkweisen miteinander verbinden und zwischen Menschen vermitteln.“

Der nächste Infotag zur Promotion ist am 12. April 2018. 


Autorin: Marietta Hülsmann