Meldungen zum Studium

Leuphana-Studentin hat geholfen, die FARC zu entwaffnen

27.04.2018 Ana Lozano studiert an der Leuphana Professional School seit 2016 den berufsbegleitenden Master Governance and Human Rights. Im Interview erzählt die 35-Jährige, wie sie geholfen hat, die kolumbianische paramilitärische Einheit FARC am Ende des 50-jährigen Bürgerkriegs zu entwaffnen.

Warum hast du dich für das Studium „Governance and Human Rights“ entschieden?

Ich habe mich für den Studiengang entschieden, weil es zwei Themen kombiniert, die für mich sehr wichtig sind. Einerseits ermöglicht Good Governance, transparentere, egalitärere und partizipatorische Gesellschaften zu aufzubauen, die besser gegen Armut und Korruption kämpfen können. Und das ist besonders heutzutage wichtig, da Freiheit in vielen Ländern schwindet. Andererseits wollte ich mehr über Menschenrechte wissen und mehr Möglichkeiten erlernen, um diese zu bewerben und zu beschützen. 

Du hast dabei geholfen, die FARC zu entwaffnen. Wie kam es dazu und wie ist das abgelaufen?

Ich war Teil des gemeinsamen Monitoring and Verification Mechanism, zusammengesetzt aus Repräsentanten der Regierung und der FARC, unter der Koordination internationaler militärischer und ziviler Beobachter der UN Mission in Kolumbien. Der Entwaffnungsprozess hat schrittweise stattgefunden, da die ehemaligen Kämpfer von Januar bis zum 15. August 2017 in die Feldlager gekommen sind, als die letzten Container mit Waffen nach Bogotá gebracht wurden, wo diese in drei Denkmale integriert werden, die dann in Bogotá, Havana und New York errichtet werden sollen. Die UN Mission hat sich um den gesamten Prozess gekümmert, von der Registrierung der Waffen bis hin zur Bewachung der Container rund um die Uhr. Wir haben außerdem alle ehemaligen Kämpfer, die ihre Waffen abgeliefert haben, zertifiziert, sodass sie ihre Akkreditieren als Zivilbürger erhalten konnten. Trotz einiger Verzögerungen war der Prozess sehr erfolgreich und die FARC zeigte großen Einsatz. Es war sehr spannend zu sehen, wie sich die älteste Guerilla Lateinamerikas nach mehr als 50 Jahren des Konflikts entschied, auf Frieden zu setzen und ihren Weg zu sozialer und politischer Wiedereingliederung zu beginnen. 

Wie kann die das Studium an der Leuphana helfen, den Friedensprozess in Kolumbien weiter zu unterstützen?

Mein Masterstudium hilft mir sehr bei meiner täglichen Arbeit bei der UN Verification Mission, besonders, wenn es um das Überwachen von Menschenrechten und politische Fürsprache geht, was die Dinge sind, die ich gerade entwickele. Obwohl es schwierig ist, das Studium und die Arbeit unter einen Hut zu bringen, glaube ich, dass das, was ich an der Leuphana gelernt habe, mir hilft, die internationalen Mechanismen zur Verteidigung und zum Schutz von Menschenrechten besser zu verstehen, genauso wie die Bedeutung von Good Governance für die Entwicklung von demokratischeren und egalitäreren Staaten. 

Wie hat sich die Situation mit der Entwaffnung der FARC in Kolumbien verändert?

Dank des Friedens- und Entwaffnungsprozesses der FARC sind tausende Leben in Kolumbien gerettet worden. Trotzdem ist es noch ein langer Weg, bis das Land einen stabilen und anhaltenden Frieden erlangt. Neben der FARC gibt es andere illegale bewaffnete Gruppen in Kolumbien, die weiterhin Gewalt gegen die Bevölkerung ausüben. Außerdem leidet der Prozess der Wiedereingliederung der FARC in das zivile, ökonomische und politische Leben unter Verzögerungen und das Ergebnis der anstehenden Wahlen verursacht viel Unsicherheit unter den ehemaligen Kämpfern. Aber vor allem glaube ich, dass Kolumbien keinen anhaltenden Frieden haben kann, bis die Opfer des Konflikts angemessen entschädigt worden sind, und die Regierung die Entwicklung der Regionen, die am meisten von dem Konflikt betroffen sind, unterstützt. 

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Bis zum Ende meiner Aufgabe werde ich bei der Politischen Mission in Kolumbien arbeiten. Danach würde ich gerne weiterhin am Frieden und dem Menschenrechtsschutz arbeiten, ob in Kolumbien oder in einem anderen Land. 

Vielen Dank für das Interview! 



Autorin: Marietta Hülsmann