Meldungen zum Studium

Kompetenztage für Promovierende und PostDocs

14.05.2018 Nicht einmal ein Drittel der Lehrstühle in Deutschland wird von Frauen besetzt, meldet das Statistische Bundesamt. Gleiches gilt für den Frauenanteil in anderen Führungspositionen. Dies ist besonders frappant, da 48% der Studierenden und 44% der Promovierenden weiblich sind. Mit der Summerschool „How many roads…?“ unterstützen die Graduate School und die beiden Mentoringprogramme ProScience und ProViae Wissenschaftlerinnen dabei, ihre eigene Karriere und die Stärkung von Netzwerken in den Blick zu nehmen. Vom 9. bis 11. Juli 2018 gibt es zum dritten Mal Workshops und Salongespräche. Die Kommunikations- und Sozialwissenschaftlerin Katharina Trostorff hat in den Vorjahren hier schon wertvolle Eindrücke gesammelt.

Kurz vor ihrem Magistra-Abschluss besuchte Katharina Trostorff in Salzburg eine Tagung zu „Medien, Krieg und Geschlecht“. Bereits während ihres Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und der Betriebswirtschaftslehre an der FU Berlin lernte sie emanzipatorische Theorien kennen und engagierte sich politisch. Dennoch war die Tagung 2008 ein Schlüsselerlebnis für sie. „So wie diese klugen Referent_innen elaborierte Gesellschaftskritik übten, so wollte ich auch Wissenschaft betreiben“, erinnert sich Katharina Trostorff. So führte sie ihr Weg in die Forschung. Nach ihrer Abschlussarbeit zum Thema „Diversity in der Redaktion. Geschlecht und Ethnizität als Strukturkategorien in der Medienproduktion“ war sie mehrere Jahre Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Journalistik am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. Dort forschte sie unter anderem zur Darstellung und zur Wahrnehmung von Migrantinnen in den Medien. 

2012 kam Katharina Trostorff als Promotionsstipendiatin an die Leuphana Universität Lüneburg. Heute ist sie hier Referentin für Lehrentwicklung im Lehrservice der Universität sowie Lehrbeauftragte im Komplementärstudium und im Leuphana Semester. In ihrer Dissertation am Institut für Soziologie und Kulturorganisation beschäftigt sie sich mit der Frage, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse im und durch Journalismus re/produziert werden. Denn beispielsweise sei es ein Unterschied, ob man die politischen Ereignisse vor und nach der kurzzeitigen Grenzöffnung im Jahr 2015 als „Flüchtlingswelle“ oder als „Sommer der Migration“ bezeichne. Perspektivenwechsel und Reflexion der eigenen (Sprech-)Position sind Katharina Trostorff wichtig. In ihren Lehrveranstaltungen versucht sie, mit Studierenden Normalisierungen und gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen und bietet Seminare zur Geschlechterforschung, postkolonialer Theorie, sozialer Ungleichheit und Intersektionalität an. 

Die Begegnung mit anderen Forscherinnen bei den Kompetenztagen biete für sie die Gelegenheit, sich mit anderen Frauen austauschen zu können. „Frauen begegnen sowohl in der Wissenschaft als auch in der außeruniversitären Praxis oft anderen Problemen als Männer“, sagt Katharina Trostorff. Daher werden auch in diesem Jahr Veranstaltungen wie „Strategische Karriereplanung“, „Verhandlungskompetenz“ oder „Female Leadership“ angeboten. Ein weiterer Schwerpunkt der Summerschool umfasst Trainings zur Förderung personaler Kompetenzen. „Vieles, was man dort lernt, ist auch im Uni-Alltag hilfreich“, erklärt Katharina Trostorff. Nicht nur als Dozentin und Kollegin könne sie die Erkenntnisse aus Trainings zur „Selbstpräsentation“ und „Achtsamkeit im Berufsalltag“ nutzen, sondern auch für Vorträge und Bewerbungsverfahren. 

Wenn Katharina Trostorff ihre Dissertation abgeschlossen hat, stehen ihr viele Wege offen. Noch legt sie sich nicht auf einen fest und kann sich eine Karriere sowohl als Wissenschaftlerin als auch eine wissenschaftsnahe Tätigkeit sehr gut vorstellen. Flexibilität ist ihr großes Plus: Ursprünglich machte die gebürtige Erfurterin eine Lehre bei einer Bank und absolvierte anschließend ein Praktikum in New York. Diese Erfahrung hielt ein weiteres Schlüsselerlebnis für sie bereit: „Ich erfuhr, wie vielseitig und bunt die Welt sein kann und bekam große Lust, sie für mich zu entdecken.“ Mit dieser Neugier ist sie bei der Summer School „How many roads...?“ auch in diesem Jahr sicher wieder dabei.

Weitere Informationen und Anmeldung: Summerschool „How many roads…?“


Autorin: Marietta Hülsmann