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Einen Unterschied machen – Student Lasse Lommel über die Entwicklung von „Komm.Mit“

18.06.2018 Wie kann man Geflüchteten die Integration erleichtern? Damit hat sich der 26-jährige Lasse Lommel im Seminar „Digital Cultures. Freie Bildungsressourcen in der Flüchtlingsarbeit“ beschäftigt. Im Interview erzählt er von der Entwicklung des Konzepts für ein Ticketsystem, das die Kontaktaufnahme und den Austausch zwischen Geflüchteten und Bürger*innen erleichtern soll.

Komm.Mit – was genau ist das und wie funktioniert das?

Komm.Mit ist eine App-Erweiterung, durch welche die Integration von Geflüchteten erleichtert werden soll. Wir haben ein Konzept für diese App-Erweiterung entwickelt, weil für uns schnell feststand, dass man Geflüchtete am einfachsten über eine App erreichen kann. Das Problem dabei: Neue Apps werden anfangs nur sehr spärlich benutzt; wenn man das ändern möchte, kommen in der Regel zusätzliche Kosten für Marketing auf. Daher haben wir uns dafür entschieden, keine eigene App zu entwickeln, sondern eine bereits bestehende App um unsere Idee zu erweitern. Die App „Integreat“ bietet bereits in mehreren Sprachen Alltagsinformationen für Geflüchtete, und für diese App haben wir das Konzept für Komm.Mit entwickelt. 

Wie seid ihr im Seminar bei der Entwicklung von Komm.Mit vorgegangen?

Wir haben Kontakt zur amikeco-Willkommensinitiative aufgenommen, die seit 2009 in der Arbeit für Geflüchtete aktiv ist. Im Austausch ist klar geworden, dass es für die Willkommensinitiative teilweise problematisch ist, zu erfahren, wobei Geflüchtete akut Unterstützung benötigen. Eine Kommilitonin kannte zwei Geflüchtete und hat diese interviewt, um genau das zu klären. Dabei ist deutlich geworden, dass beispielsweise der Besuch beim Arzt oder der Ausländerbehörde, das Schreiben einer Bewerbung oder auch die Rückgabe einer Online-Bestellung Schwierigkeiten mit sich bringen können – sowohl wegen sprachlichen Problemen als auch durch bürokratische Hürden. Für diese konkreten Probleme wollten wir Lösungsmöglichkeiten entwickeln – indem wir beispielsweise durch die Nutzung einer App und eines Ticketsystems die Hürde für die potentiellen Helfer*innen, aber auch für die Hilfesuchenden verringern. 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Ticketsystem zu entwickeln und wie funktioniert das?

Große Unternehmen verwenden solche Ticketsysteme im Kundenservice zum Teil. Das heißt, jemand schreibt eine Anfrage (ein sogenanntes „Ticket“), auf dem er oder sie das Problem beschreibt, und jemand mit der entsprechenden Expertise nimmt sich dessen an. Damit können Probleme unkompliziert geäußert und genauso leicht wieder gelöst werden. Daran angelehnt haben wir die Funktionsweise für Komm.Mit entwickelt, unter anderem, weil der Aufwand damit in einem vertretbaren Rahmen ist: Software für solche Ticketsysteme gibt es als Open-Source-Programm. Das heißt, dass sie kostenlos verfügbar und für die eigenen Zwecke beliebig abwandelbar ist. Mit Hilfe eines solchen Ticketsystems hätten Geflüchtete die Möglichkeit, bei akuten Problemen – wie beispielweise sprachlichen Verständnisschwierigkeiten beim Zurücksenden einer Online-Bestellung – ein entsprechendes Ticket, in dem das Problem beschrieben wird, in der App zu veröffentlichen. Andere Nutzer*innen sehen das Ticket und können direkt Hilfe anbieten. Das Ganze funktioniert aber auch anders herum: Wenn jemand zum Beispiel weiß, dass morgen die wöchentliche Laufrunde ansteht, könnte diese Person durch Komm.Mit ein Ticket mit den Informationen Uhrzeit und Treffpunkt schreiben, sodass Geflüchtete die Möglichkeit haben, sich anzuschließen. Durch dieses System wollen wir den Geflüchteten die Kontaktaufnahme zu den Bürger*innen der Stadt erleichtern und damit die Integration erleichtern. Wir können uns aber auch vorstellen, dass das Ticketsystem auch von anderen Bevölkerungsgruppen genutzt wird – zum Beispiel von älteren Bürger*innen, die Hilfe beim Einkaufen benötigen. 

Was war deine Motivation, an dem Seminar teilzunehmen? 

Das Seminar wurde im Rahmen des Master-Komplementärstudiums im Modul „Engaging with Knowledge and Sciences“ angeboten. Mich hat das Thema direkt angesprochen, ich fand die Möglichkeit gut, sich für einen so förderungswürdigen Zweck einzusetzen. Im Seminar wurde das fachliche Lernen mit dem Lösen gesellschaftlicher Probleme verbunden, sodass es eine Verbindung von wissenschaftlicher mit praktischer Arbeit gab. Dadurch, dass das Seminar im Komplementärstudium angeboten wurde, kamen die Seminarteilnehmenden aus verschiedenen Studiengängen, und das war ein großer Vorteil: jede*r konnte verschiedene Kenntnisse einbringen. Wir haben uns regelmäßig über unsere Fortschritte und Probleme ausgetauscht und konnten uns gegenseitig unterstützen und helfen. Seminarleiterin Jane Brückner hat uns anfangs Input gegeben und den Kontakt zur amikeco-Willkommensinitiative hergestellt, uns aber sonst frei und in Eigenregie arbeiten lassen. 

Wie geht es jetzt, nachdem das Seminar beendet ist, mit Komm.Mit weiter?

Wir haben uns gegen Ende des Semesters bei einer Ausschreibung beworben, den Preis jedoch leider nicht erhalten. Das ist schade, weil ich finde, dass Komm.Mit an einer wichtigen Stelle ansetzen würde, und wir mit der finanziellen und ideellen Unterstützung unser Konzept in die Realität hätten umsetzen können. Ohne diese Hilfe und mit der Beendigung des Seminars sind wir an einem schwierigen Punkt. Die Materialen, die wir bis zu diesem Zeitpunkt zusammen haben, liegen momentan auf der Website der Digital School – ich möchte jede*n ermutigen, sich bei Interesse die Materialien anzuschauen und das Projekt weiterzuführen! Denn bei diesem Projekt hatte ich das Gefühl, dass das, was ich da gemacht habe, potentiell einen Unterschied macht und ich etwas angestoßen habe, das etwas bewegen kann. 

Vielen Dank für das Gespräch!


Kontakt

Dr. Jane Brückner
Universitätsallee 1, C40.328
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1612
jane.brueckner@leuphana.de


Das Interview führte Morgaine Struve.