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Komplementärstudium der Graduate School: Grenzen überschreiten, Gemeinsamkeiten finden

21.08.2018 Data Science kommen vom Mars, Finance & Accounting von der Venus. So ist es auf einem der prämierten Poster aus dem Komplementärmodul „Reflecting Research Methods“ zu lesen. Dort lassen sich Master-Studierende auf für sie fachfremde, unbekannte wissenschaftliche Methoden ein.

Auf dem Plakat hat jede Disziplin ihren eigenen Planeten. Auch Sustainability Science und Cultural Studies scheinen in anderen Welten abzulaufen. Die einen beschäftigen sich beispielsweise mit Chemie oder Ökosystemen und arbeiten methodisch oft quantitativ. Die anderen gehen etwa mit Gender Studies oder Medien um und verwenden meist qualitative Methoden. Und doch gibt es weit mehr Zusammenhänge, als auf den ersten Blick zu sehen sind. Das Poster zeigt auch sie: Auf der Erde finden alle Disziplinen zusammen, denn jede basiert auf Theorien und Modellen. An der Leuphana sind sie zudem in besonderer Weise interdisziplinär verbunden. Mit dieser Arbeit gewannen die Studierenden Esther Alexandra Bickel, Margarita Diveikis, Anna Geldermann, Lilia Jungblut, Leonie Laatzen und Ian Shulman den Poster-Wettbewerb des Moduls (weitere Preistragende siehe Kasten). Sowohl Studierende als auch Lehrende waren Teil der Jury.

Im Spiegel des Fremden

Im Modul „Reflecting Research Methods“ geht es um das Einlassen auf fachfremde, unbekannte wissenschaftliche Methoden. Gemeinsam mit Kommiliton*innen unterschiedlicher Major werden diese angewandt und im Hinblick auf forschungsethische Fragen und fachübergreifende Verwendungszusammenhänge reflektiert. Darüber hinaus wird über Möglichkeiten und Grenzen vertrauter Methoden und Fachkulturen im Spiegel fremder nachgedacht. Dies schließt auch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Konzepten fachübergreifenden Forschens ein. „Diese intensive Beschäftigung mit der eigenen Disziplin und dem Fachfremden schult nicht nur für das kollaborative Forschen. Die Fähigkeit einen solchen Diskurs zu führen können, ist für alle beruflichen Richtungen relevant“, sagt Ulli Vilsmaier, Professorin für Transdisziplinäre Methoden, die gemeinsam mit Felix May modulverantwortlich ist. Dazu gehöre auch die nicht immer einfache Reflexion über das eigene Studium: „Dies in dieser geschützten Form tun zu können, ist ein wesentliches und wertvolles Merkmal des Leuphana Studienmodells.“

Rund 400 Studierende lernen in dieser hochgradig multidisziplinären Umgebung an der Graduate School. „Ich habe gemerkt, wie wichtig dieses Modul ist. Bei uns ist die Reflexion Teil des Studiums. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Anna Geldermann, Studentin der Kulturwissenschaften. Auch Esther Alexandra Bickel, Studentin der Nachhaltigkeitswissenschaft, findet das Modul sehr sinnvoll: „Vor allem, weil wir uns in interdisziplinären Teams zusammengefunden haben, was ich vorher nie gemacht habe. Professionell sehe ich als Vorteil, dass ich positive Erfahrungen in einem interdisziplinären Team gesammelt habe und dadurch weiß ich, dass es möglich ist in einer positiven Stimmung mit Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzuarbeiten.“ 

Disziplinärer Ansatz manchmal zu eng gefasst

Durch die Analyse der Wissensproduktion des eigenen Faches, aber auch von scheinbar unzusammenhängenden Bereichen sollen neue Ansätze und Perspektiven der Wissensgenerierung gewonnen werden. Auch wenn sie aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen, haben beispielsweise Ökologen und Data Scientist sehr viel gemeinsam: große Datensätze, die sie statistisch auswerten. In der Psychologie und Chemie werden Experimente durchgeführt. Rechtswissenschaftler*innen und Kultursoziolog*innen arbeiten stark textbasiert. „Für mich war es erstaunlich, dass beispielsweise Kulturwissenschaftler*innen auch quantitative Methoden verwenden“, sagt Mahamoud Mohammed, Student der Politikwissenschaft. Interdisziplinarität kann helfen, gerade komplexe wissenschaftliche Themen zu bearbeiten, bei denen ein disziplinärer Ansatz zu eng gefasst wäre. Beispiele finden sich unter anderem in der Nachhaltigkeit. Das Artensterben ist nicht nur ein Problem, das an Ökolog*innen adressiert werden kann. Es stellen sich genauso wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen.

Wir gratulieren auch den weiteren Preistragenden: Mirijam Auen, Mahmoud Mohammed, Lara Gaedicke, Jana Fischer, Antonia Albani, Tobias Mönck, Viktor Kessler, Mansoor Said, Niels Hamel, Manuel Heigl, Anne Sailler, Victoria Meyer, Thorben Fechner, Maximili Friedrich, Antonia Schmidtan


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Prof. Dr. Ulli Vilsmaier
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Autorin: Marietta Hülsmann