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10 Jahre Graduate School: „Uns gehen die Ideen nicht aus!“

10.09.2018 Viele Ideen sind schon umgesetzt, ebenso viele sollen noch kommen. Die Leuphana Graduate School vereint Master und Promotion fachübergreifend unter einem Dach. Dr. Anja Soltau, Leiterin der Graduate School und von Anfang an dabei, blickt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums auf Höhepunkte zurück und in die Zukunft.

Wenn Sie auf die letzten 10 Jahre zurückblicken: Was hat Sie überrascht in der Entwicklung der Graduate School?

Ich glaube, niemand hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir in so kurzer Zeit gemeinsam mit den Fakultäten so viel auf die Beine stellen würden. Die Zahl der Masterstudienprogramme hat sich in dieser Zeit verdoppelt, die Zahl der Promotionskollegs verdreifacht. Diese Zunahme und dass die Programme so gut angenommen werden, damit ist im heutigen „Wettkampf“ um gute Studierende nicht durchgängig zu rechnen gewesen. Natürlich sind auch wir nicht davor gefeit, an einigen Stellen weniger Auslastung zu haben, als wünschenswert wäre – dies wird aber immer direkt in Reformen umgesetzt, was sicherlich auch eine Besonderheit der Arbeit an der Leuphana darstellt. Es gibt selten Stillstand, die Programme werden stetig weiter entwickelt.

Zum Beispiel?

Mittlerweile haben wir vier Drittmittelgeförderte Promotionskollegs. Das zeigt uns, dass wir auch als guter Standort für solche Investitionen gesehen werden. Darüber hinaus haben wir mehrere internationale Masterprogramme, mit denen die Studierenden einen Double oder Joint Degree erhalten, wie zum Beispiel Global Sustainability Science mit der Arizona State University und International Economic Law mit der University of Glasgow. In 2019 soll zudem ein trinationaler Joint Degree mit den Universitäten Maastricht und Valencia an den Start gehen. Solche „Flagschiffe“ strahlen natürlich auf sehr viele uni-interne Prozesse aus und erweitern unser internationales Freunde- und Partnernetzwerk – beides ganz wesentliche Elemente, wenn man in der internationalen Rekrutierung erfolgreich sein möchte.

Haben Sie anlässlich des Jubiläumsjahrs besondere Veranstaltungen geplant?

Ja, im Oktober wird es als Auftakt im Rahmen des Master Kick-Off eine Podiumsdiskussion geben. Unter dem Titel „The Future of Graduate Education“ werden sich Vertreter*innen der Bildungs- und Hochschulforschung austauschen. Neben dieser wissenschaftlichen Perspektive auf das Thema planen wir aber auch, Vertreter*innen aus der Wirtschaft bzw. Kultur und anderen öffentlichen Einrichtungen einzuladen, um ganz konkret über Graduierte, ihre Ausbildung und den Arbeitsmarkt zu sprechen. Abschließend wünschen wir uns eine überregionale Konferenz zur Zukunft der Graduiertenausbildung, so dass am Ende des Jubiläumsjahres 18/19 ein großes Paket an Erkenntnissen herauskommt, das wir idealerweise auch in eine Publikation überführen. Und aus denen wir natürlich wiederum neue Projektideen für die Leuphana Graduate School generieren können.

Sie haben gerade den Master Kick-Off angesprochen. Was genau ist da dieses Jahr geplant?

Die neuen Studierenden werden sowohl in das Studienmodell der Leuphana als auch in ihre Studienprogramme eingeführt. Im Schnitt haben etwa 70 % der neuen Masterstudierenden ihren Bachelor nicht an der Leuphana gemacht, sind also mit dem eingangs beschriebenen Studienmodell nicht unbedingt vertraut. Ziel des Kick-off ist es daher unter anderem, sie zum Umdenken anzuregen, sie mit Interdisziplinarität und den weiteren Bildungszielen der liberal education vertraut zu machen. Es wird darum gehen, auf das eigene Fach zurück und auch „daran vorbei“ zu gucken. Wo stehe ich? Und wo will ich hin? Diese und weitere Fragen werden in mehreren moderierten Workshops, in einem World Café und in einer abschließenden Posterausstellung über zwei Tage gemeinsam mit uns adressiert.

Was unterscheidet den Master an der Leuphana eigentlich von Programmen anderer Universitäten?

Das Studium an der Leuphana insgesamt und somit auch an der Graduate School zeichnet sich insbesondere durch ihr Studienmodell und damit verbunden durch die Bildungsziele der liberal education aus. Liberal Education definiert sich nach unserem Verständnis sowohl durch fachliche Tiefe als auch durch ein breites Allgemeinwissen. Ganz zentral ist zudem die damit verbundene Fähigkeit, Abstand zum Gelernten nehmen zu können und somit ein umfassendes Reflektionsvermögen und ein tiefgehendes Werteverständnis aufzubauen. Darum beschäftigen sich Studierende an der Leuphana Graduate School neben ihren Fachinhalten auch mit interdisziplinären Themen und Methoden - unter anderem über unser Komplementärstudium. Darüber hinaus spielt die Internationalisierung eine wichtige Rolle. Durch ein stetig steigendes Angebot an englischsprachigen Studiengängen mit dem Ziel, in ungefähr fünf Jahren zu 90% englischsprachig im Portfolio zu sein, sprechen wir nicht nur internationale Studierende an, sondern bereiten auch hiesige Studierende auf den internationalen Arbeitsmarkt und die Arbeit in international tätigen Einrichtungen vor. Es ist eine Grundtendenz an Universitäten, dass die Masterausbildung Vorreiter in der Hochschulinternationalisierung ist; in diesem Sinne erleben wir auch die Graduate School als Motor der Internationalisierung an der Leuphana.

Ein Blick in die Zukunft: Welche Wünsche haben Sie für die nächsten Jahre?


Schön wäre es, wenn wir Master und Promotion noch enger verzahnen könnten, wenn also beispielsweise Studierende nach dem Bachelor direkt mit der Promotion beginnen und den Master quasi „auf dem Weg“ machen könnten. Ein solches integriertes Master-Promotionsprogramm befindet sich gerade bei uns in der Planungsphase, und wir hoffen, dass möglichst viele Studiengänge und Promotionskollegs die Idee mittragen werden. Außerdem würde ich mir wünschen, dass es – angelehnt an Universitäten in den USA – ein „Graduate House“ gibt, also einen klaren gemeinsamen Anlaufpunkt in Form eines Gebäudes oder eines Aufenthalts- und Arbeitsbereichs innerhalb eines Gebäudes für Studierende und Promovierende der Graduate School, vielleicht sogar mit Leseraum und eigener Cafeteria. Das würde auch den Gemeinschaftssinn und den „graduate spirit“ fördern. Sie sehen: Uns gehen die Ideen nicht aus!

Vielen Dank für das Gespräch!


Kontakt: Koordination 10 Jahre Graduate School

Julia Harlapp
E-Mail


Das Interview führte Morgaine Struve.