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Feierliche Eröffnung der Opening Week 2018: „Sodoms of the Digital“

05.10.2018 Teil des einzigartigen Studienmodells der Leuphana ist die Startwoche: Alle 1500 Erstsemestrigen starten gemeinsam und setzen sich bereits zu Beginn ihres Studiums intensiv mit einem gesellschaftlich relevanten Thema auseinander. Impulsgeber für das diesjährige Thema „Digital Futures“ war der Medienphilosoph Prof. Dr. Erich Hörl.

Dicker, schwarzer Rauch steigt auf, die Luft flirrt ob der vielen kleinen Feuer, Müll und Elektroschrott soweit das Auge reicht. Mitten drin stehen Männer und Kinder. Sie verbrennen Kabel. Andere schlachten Bildschirme und Platinen aus. Als Lohn winkt ihnen etwas Kupfer und andere wertvolle Metalle. Der Müll stammt aus Europa, hauptsächlich aus Deutschland, die Deponie liegt in einem Stadtteil von Accra, Ghana, Westafrika. „Agbogbloshie is one of the world’s most toxic places”, erklärt Erich Hörl. Der Professor für Medienkultur und Medienphilosophie vom Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien war Keynote-Speaker bei der diesjährigen Eröffnung der Opening Week. Erstmals wird der Auftakt im Zentralgebäude gefeiert. Auf der großen Leinwand zeigt Hörl Bilder von der illegalen Deponie, die er dem aktuellen Dokumentarfilm WELCOME TO SODOM (Weigensamer, Krönes; Österreich 2018) entnommen hat. Einheimische, zum Teil aber auch von weit her Zugewanderte, die auf dieser Deponie leben, versuchen etwas Geld zu verdienen, zum nackten Überleben und für die mögliche Migration nach Europa. Und sie ruinieren ihre Gesundheit damit. Hörl nennt Agbogbloshie „the colonial flipside of digital culture”, seine Bewohner die Gespenster der digitalen Welt und mahnt: “There are other sodoms of the digital.” Zur Bearbeitung der Frage nach Digital Futures, so der Vortragende, müsse man zuallererst die verschiedenen Modi des Weltens von Welt unter Bedingungen von Digitalität zu beschreiben beginnen, in all ihren Facetten, von den welteröffnendsten bis hin zu den verstörendsten, weltverschließendsten. Orte wie Agbogbloshie ließen sich gar nicht mehr als „Umwelt” beschreiben, sondern nur noch als „Unwelt“, das Welten der Welt würde hier zur „Entweltlichung“ und sogar „Verunweltlichung“. Hörl stellte den Studierenden mit seinem Vortrag mit dem Titel „Die technoökologische Bedingung“ kulturwissenschaftliche Thesen zur Digitalität vor, die um verschiedene Weisen digitaler Weltwerdung kreisten.

Einen Perspektivwechsel erlebten die Erstsemestrigen auch beim Auftritt des "STEGREIF.orchesters". Die Musiker*innen bespielten das komplette Auditorium und vermischten Klassik mit Moderne. Wer alles sehen wollte, musste sich nach rechts und links wenden und manchmal sogar suchen, woher die Klänge kommen. Andere Blickwinkel einzunehmen, Visionen zu entwickeln – dafür steht die Opening Week der Leuphana. In über 25 Projektthemen loten die Erstsemestrigen Gegenwart und Zukunft der Digitalität aus. Gemeinsam entwerfen sie eine digitale Collage mit kritischen und visionären Beiträgen, die am Ende der Woche online gestellt wird. Während der Startwoche werden die Studierenden immer wieder fachlichen Austausch zum Thema „Digital Futures“ mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur haben. Professer Dr. Hans Ulrich Gumbrecht aus Stanford, die Netzaktivistin Kübra Gümüsay oder die Kommunikationssoziologin Prof. Dr. Elena Esposito stehen den Studierenden als Diskussionspartner zur Verfügung.

Sascha Spoun stellte in seiner Rede einen entscheidenden Unterschied zwischen Mensch und Maschine heraus: „A machine asks not why.“ Der Präsident forderte die Studierenden auf Fragen zu stellen. „We wish you to develop better questions for the future“, ergänzte Dr. Steffi Hobuß, Akademische Leiterin des Leuphana College. Sie wies darauf hin, dass der Studienstart, aber auch das Studium herausfordernd seien, doch gleichzeitig auch inspirierend und die Freude nicht zu kurz kommen solle. Am 12. Oktober endet die Opening Week mit dem Finale im Libeskind-Auditorium. Dann stellen die Studierenden dem niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Bernd Althusmann ihre Ergebnisse aus der einwöchigen Arbeit vor.



Autorin: Marietta Hülsmann