Meldungen zum Studium

Liebenswürdig, lässig, Lüneburg

08.10.2018 Die Geo kürte Lüneburg erst kürzlich zu einer der zehn lässigsten Unistädte Europas, der wahre Charakter der kleinen Hansestadt blieb allerdings hinter dem offensichtlichen (verstanden, hier gibt es romantische Gassen) verborgen. Warum Lüneburg diesen Titel trotzdem verdient hat.

Zugegeben, wer an Studierendenstädte in Niedersachen denkt, der*die hat vermutlich als erstes Göttingen, Hannover oder Osnabrück im Kopf. Doch ein Blick in die Zahlen zeigt: in Lüneburg ist jede*r achte Bewohner*in Student*in. Ein Wert, der sich sehen lassen kann. Schlendert man durch die zugegebenermaßen hübschen Straßen, trifft man an fast jeder Ecke ein bekanntes Gesicht – der*die Gruppenpartner*in aus der Startwoche, der*die Mitbewohner*in von. Mit denen dann in einem Café in der Altstadt eingekehrt, lässt sich glatt vergessen, dass man seinen Iced Soja Latte nicht in Altona oder Kreuzberg bestellt hat. Doch so weit muss man gar nicht fahren. Unzählige Kneipen und Cafés, die denen in den Metropolen in nichts nachstehen, reihen sich neben Boutiquen und Restaurants ein. Alteingesessene und Studierende leben hier neben- und miteinander. Das Stadtbild ist vielleicht nicht per se jung, aber es ist vielfältig.

Zehn Fahrradminuten vom Stadtkern entfernt liegt der Campus, Dreh- und Angelpunkt des studentischen Lebens. Besonders im Sommer wandeln sich die gut 38 000m² zum Lebensmittelpunkt. Am Grillplatz, auf dem Volleyballfeld oder der Mensawiese lässt sich schnell vergessen, dass man in der nahen (und doch so fernen) Bibliothek noch einiges zu erledigen hat. Ganzjährlich beherbergt der Campus außerdem die aktuell 52 studentischen Initiativen, durch die für Viele Engagement fester Bestandteil der Freizeit geworden ist. Gemeinsam trägt man Verantwortung, probiert sich aus, ist mutig. Dass man mit dieser Art von Experimentierfreude auch über den Mikrokosmos Uni hinaus etwas erreichen kann, beweisen Initiativen wie Plietsch oder das Lunatic. Die einen schafften den Sprung in den ansässigen Supermarkt, in dem sich seit letztem Jahr unverpackte Lebensmittel finden lassen. Die anderen veranstalten, jährlich ein buntes Kunst-, Kultur- und Musikfestival, das inzwischen nicht nur Leuphant*innen mit seiner entspannten Atmosphäre auf den Campus lockt.

Hat man jemandem aus einer anderen Unistadt zu Gast, so wird auch gerne mal auf die Provinz hinabgeschaut und über das schier überwältigende Angebot von ganzen 3,5 Clubs oder die überschaubaren Fahrpläne des innerstädtischen Busverkehrs geschmunzelt (nicht alles hier ist vielfältig). Doch manchmal ist Genügsamkeit eine Tugend, Lüneburgs Studierende lassen sich von solchen Widrigkeiten nicht beirren. Wo die Auswahl an offizielleren Abendaktivitäten klein ist, wird das eigene Zimmer zum Dancefloor, die Küche zur Szenebar. Wo um 21 Uhr der letzte Bus fährt, macht man heimwärts nächtliche Spaziergänge durch den Kurpark oder reitet auf dem Gepäckträger in den Sonnenuntergang. Wo man vormittags von Touristengruppen auf „Rote Rosen“-Stadttour geweckt wird, da bieten sich einem an Drehtagen ungeahnte Karrieremöglichkeiten: Als Kompars*in die WG-Kasse aufbessern ist schon Gold wert, von Oma im Fernsehen gesehen werden sogar unbezahlbar.

Lüneburg gehört vielleicht nicht zu den Großen, hat keine U-Bahn und kein Szeneviertel. Aber das ist okay. Wer hier studiert, der*die steht zu unserem suburbanen Flair. Und was ist schon lässiger als Selbstvertrauen?



Autorin: Louisa Weidemann