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Opening Week 2018: „Our democracy is in danger“

09.10.2018 Was kommt nach der digitalen Revolution? Diese Frage stand am dritten Tag der Startwoche zur Diskussion. Impulse gaben unter anderem der CEO der Wochenzeitung DIE ZEIT Dr. Rainer Esser und Alexander Kudlich, Vorstandsmitglied bei Rocket Internet.

Wir leben in einem Rechtsstaat, es gibt ein plurales Parteiensystem und es herrscht Frieden. Dennoch nimmt der Populismus zu. „Our democracy is in danger“, konstatierte Rainer Esser im vollbesetzten Libeskind-Auditorium. Durch die Digitalisierung werde das Leben komplexer. Viele Menschen hätten Angst, nicht mithalten zu können mit dem exponentiellen Wachstum. „In this gap there are people who have short and simple answers to very difficult questions”, erklärte der Jurist und Publizist. Durch die Digitalisierung hätten diese Menschen mit dem Internet eine Plattform und könnten ihre Ideen leichter verbreiten: „And those to whom they communicate live often in bubbles.”

Dies sei oft auch die Folge bestimmter Algorithmen. „Amazon knows which underpants you wear“, sagte Rainer Esser. Auch Facebook sammle so viele Informationen wie möglich von ihren Benutzer*innen, dafür bekämen die User eine Plattform um sich auszutauschen. „But also to spread hatred, to spread lies, to spread propaganda“, sagte Esser. Er nahm den fiktiven User Horst als Beispiel: Horst liest im Netz rechtsgerichtete Blogs und bewegt sich bei Facebook in entsprechenden Foren. Amazon schlägt ihm die neueste Verschwörungsliteratur vor und liefert sie via Klick nach Hause. Horst verlässt sein Zimmer nicht, Horst hört keine anderen Meinungen, Horst bleibt in seiner Blase. „Democracy needs platforms were you can communicate outside your filter bubble with people you have a completely different opinions” sagte Esser. In der anschließenden Diskussion mit den Erstsemestrigen ermutigte er sie, im Netz für andere Meinungen einzutreten: „Stand up against racism, stand up against anti-deocraticts – because it’s so valuable what we have.“

Ein wirtschaftlichen Impuls zur Digitalität gab Alexander Kudlich, Vorstandsmitglied bei Rocket Internet. Das Unternehmen hält Beteiligungen an unterschiedlichen Internet-Startups. Aushängeschild ist Zalando. Kudlich erklärte die Firmenphilosophie in drei Teilen: „Every area of life will be digitized.“ Niemand hätte je gedacht, dass man Schuhe online verkaufen könne, erinnerte sich Kudlich. Auch Online-Möbelhandel hätten fast alle für unmöglich gehalten. Nun ging es immer weiter: Diamanten, Lebensmittel, Autos. Allerdings sei erfolgreicher Online-Verkauf nicht einfach, dennoch: „There is (at least one) business model for the offline to online shift in each area of life“, sagte Kudlich. Stimmt die Idee, wird sie nach der Firmenphilosophie von Rocket Internet weltweit erfolgreich sein: „What works in country A will also work in country B, C, D.“

Die Erstsemestrigen nahmen diese Impulse mit in ihre Arbeitsgruppen. Am Nachmittag startete Projektarbeit der Studierenden. Bis Donnerstagsabend werden die Erstsemestrigen Zeit haben eine digitale Collage mit einer kritischen Einschätzung zu entwickeln. Am Freitag präsentieren sie die Ergebnisse Dr. Bernd Althusmann, dem niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung.


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Autorin: Marietta Hülsmann