Meldungen zum Studium

Professor Gumbrecht bei der Opening Week 2018: „The idea of control is naive“

10.10.2018 Professor Dr. Hans Ulrich Gumbrecht von der Stanford University gilt als einer der großen Intellektuellen unserer Zeit und war Impulsgeber am vierten Tag der Startwoche. Die Studierenden hatten die Gelegenheit, mit ihm über das Silicon Valley, künstliche Intelligenzen und den Weltgeist zu diskutieren.

Hans Ulrich Gumbrecht stellte sich den Erstsemestrigen als ,digital inhabitant‘ vor. Das Silicon Valley liegt in unmittelbarer Nähe zur Stanford University. Dort war er Inhaber des Lehrstuhls für Komparatistik. Ein ,digital native‘ sei er aber dennoch nicht. „I must be the only person in Silicon Valley that does not possess a cell phone, but without I can concentrate on preparing books, seminars and lectures better“, erklärt der deutsch-amerikanische Romanist. Gumbrecht publizierte hunderte Fachartikel und Bücher, die in 20 Sprachen übersetzt wurden. Gerade stellt er auf der Buchmesse in Frankfurt sein neues Buch vor: „Weltgeist im Silicon Valley – Leben und Denken im Zukunftsmodus“. 

“The Weltgeist is residing in Silicon Valley“

Der Literaturwissenschaftler bezieht sich im Titel auf Hegel. „He asked, where the Weltgeist was dwelling.” Würde der Philosoph diese Frage heute noch einmal stellen, „he might perhaps say the Weltgeist is residing in Silicon Valley“, sagte Gumbrecht. Auch wenn er selbst nicht programmieren könne, so sei die Atmosphäre sehr inspirierend für ihn. Obwohl das Silicon Valley eigentlich ein Paradoxon sei: Gerade die Digitalisierung mache Standorte unwichtig, programmieren könne man von überall her. „But people feel for a strange reason that they are more productive in silicon valley”, beschrieb Gumbrecht. Der Ort sei so attraktiv für Programmierer, dass man beispielsweise nahe des Google-Campus 6000 Dollar für eine Ein-Zimmer-Wohnung bezahlen müsse. 

In seinem Buch beschäftigt sich Gumbrecht zudem mit Kontrollierbarkeit von Technik: „The idea of control, of being in charge of all technologies is naive.” Er erinnerte sich an die Zeit als das Fernsehen in Privathaushalten Einzug hielt. Rasch sei die Diskussion aufgekommen, ob Kinder mehr als eine Stunde am Tag schauen dürften: „Everybody was acting like once you have invented technology you can switch it off. To think that we can totally control it, doesn’t take seriously enough the reality that culture technology is a continuation of evolution.” Die Erstsemestrigen interessierte in der Diskussion insbesondere Gumbrechts Positionen zu künstlichen Intelligenzen: Der Wissenschaftler berichtete von Ingenieuren, die Programme nur noch mit Daten fütterten, ohne sie zu instruieren, was sie damit machen sollen. „The insides of these self-developing algorithms are a black box. And that is maybe the beginning of artificial intelligence that is moving out of human control”, sagte Gumbrecht. 

Unter drei Hashtags wird während der Startwoche gefragt, was im Rahmen von „Digital Futures“ Anonymität (#me) bedeutet, wie wir gemeinsam handeln (#us) und warum wir uns Roboter zu Gefährten machen (#it). An verschiedenen Orten gibt es Impulse und Diskussionen mit den neuen Studierenden. Die Leuphana-Doktorandin Paula Bialski sprach beispielsweise über Biohacking, eine Bewegung, Do-it-yourself- Biotechnologie macht. Beim Ausbruch der Schweinegrippe 2009 forderten Open-Science-Biologen beispielsweise die Veröffentlichung des Virus-Genoms, damit nicht nur Wissenschaftler*innen, sondern auch versierte Laien an dessen Decodierung arbeiten können. Damit sollte die Krankheit effizienter bekämpft werden.


Autorin: Marietta Hülsmann