Meldungen zum Studium

Finale der Opening Week 2018 – Studierende übergeben Ergebnisse an Minister Bernd Althusmann

15.10.2018 Die Startwoche 2018 zu „Digital Futures“ kam nach einer Woche voller Input, Diskussionen, Workshops und viel, viel Einsatz am Freitag, den 12. Oktober, zu einem Finale, bei dem die Studierenden dem niedersächsischen Minister für Digitalisierung ihre Ergebnisse präsentierten.

Vizepräsident Christian Brei bestärkte die Studierenden: „You might have discovered that you’ll achieve results, even in your first week.“ Was sie aus der Startwoche unter anderem über das Studium lernen können, ist, dass es fordert. Aber auch, dass man dafür etwas schafft, etwas präsentieren kann und weiter kommt. Diesen Spirit teilte auch Robin Schweiger, der als vorletzter Gastredner der Opening Week von seinem Online-Portal „Hooked Magazin“ erzählte. Das „Hooked Magazin“ unterscheidet sich von konventionellen Videospieljournalismus dadurch, dass die Besprechung von Videospielen darin explizit unter sozialen und politischen Gesichtspunkten geschieht: Treten in dem Spiel nicht-weiße Figuren auf? Sind Frauen nur Opfer und Trophäen? Gibt es Trigger-Warnungen? Schweiger berichtete offen von den Schwierigkeiten, sein Startup zu Beginn finanziell am Laufen zu halten, von neuen Finazierungsmodellen wie Patreon oder Steady – aber auch davon, dass ihm dies seine Begeisterung für das Thema nicht nehmen konnte. Moderator Prof. Müggenburg fragte, wann ein guter Zeitpunkt sei, ein Projekt zu konkretisieren, zum Beispiel durch eine Gründung. Darauf Schweiger: „Just do it. I’ve learnt how to cut videos in 2013. I started my company in 2014. Just look for a safe avenue at first. One where you do not have to put everything on the line. And when it takes off, work your project around it.”

Auswählte Videos der Projektgruppen wurden beim Finale vorgestellt.

Menschen und Infrastruktur

Der Hauptredner des Finales war Dr. Bernd Althusmann, Landesvorsitzender der CDU, niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung sowie stellverstretender Ministerpräsident. Althusmann stellte nüchtern fest, dass die Zukunft beunruhigend ist. „Die Wachstumsprognosen für Deutschland sind nach unten korrigiert worden.“ Der Brexit und die Entwicklungen in Europa lassen es schlecht für Europa aussehen. Italiens kürzlich öffentlich gewordenes Problem mit faulen Banken und der Verfall der Lira in der Türkei werfen einen Schatten auf das Finanzsystem. Deutschlands Exportüberschuss wird im Ausland skeptisch gesehen. Der de facto Vollbeschäftigung in Niedersachsen steht der Fachkräftemangel, insbesondere bei Ingenieur-, Pflege- und Handwerksberufen entgegen. „Die Auftragsbücher sind zwar voll, aber es ist im Mittelstand unklar, ob die Aufträge erfüllt werden können, weil schlicht die Menschen fehlen.“ Vor diesem Hintergrund ist die Digitalisierung besonders wichtig. Als Beispiel nannte Althusmann die Automobilindustrie. Früher war deren Kernfrage die nach dem effizientesten und effektivsten Antrieb, heute ist es Konnektivität. „Das Auto der Zukunft ist ein Smartphone auf vier Rädern.“ Die nötige Digitalisierung werde allerdings zum einen durch fehlenden Kabelausbau („Die jetzige digitale Infrastruktur in Deutschlands ist eines Industriestaats nicht würdig.“) und zum anderen durch ein verhinderndes Mindset ausgebremst. „Wir sind eine Antragsrepublik.“ In Österreich zum Beispiel wird ein Neugeborenes automatisch erfasst. Eltern müssen nichts tun, um einen Kindergeldbescheid bekommen. Länder wie Estland kennen den KFZ-Brief gar nicht, sondern erledigen dies komplett digital. „Wir hängen in Deutschland weit hinterher“, konfrontierte Althusmann das Plenum im Auditorium, „und es ist gut, sich auch im Rahmen einer Startwoche zu vergegenwärtigen, was gerade die Situation ist.“ Digitalisierung ist wichtig und unumgänglich, es muss aber auch noch viel getan werden. „Es geht um die digitale Zukunft. Aber vor allen Dingen geht es um Ihre Zukunft“, sagte er zu den neuen Studierenden.

Weiterkommen

Die anschließende Diskussion war deutlich hitziger als man es sonst von ähnlichen Events kennt, zeigte aber auch, dass die Studierenden etwas zu sagen haben und sich wirklich einbringen wollen.
Ein Student fragte, wie es sein könne, dass die Abdeckung durch das Mobilfunknetz in Niedersachsen weiterhin so löchrig sei. „Wir haben hier erheblichen Nachholbedarf“, antwortete Althusmann frank, „ Man hat früher zu sehr auf telefonische Versorgung der Haushalte geachtet und nicht genug auf Mobilität. Die Politik muss den Mobilfunkversorgern klare Auflagen erteilen.“ Ein anderer Student warf ein, dass immer mehr junge Menschen politikverdrossen seien. Der Minister entgegnete: „Ich erlebe die heutige Generation nicht als politikverdrossen. Man muss halt nicht immer einer Meinung sein.“ Zudem sei „Politikverdrossenheit“ ein ähnliches Schlagwort wie „disruptive Prozesse“: Es werde verwendet, um Diskussionen zu beenden und sei wenig hilfreich, um Lösungen zu finden. Ein anderer Student widersprach seinem Vorredner: „Ich sehe das nicht so mit der Politikverdrossenheit, aber es gibt halt zu wenig junge Menschen und zu viele Männer in Landtag und Bundestag.“ Althusmann bejahte das: Gerade jüngeren Frauen sollte es deutlich erleichtert werden, sich in Parteien zu einzubringen. „Ich kann Sie nur auffordern, sich in den demokratischen Parteien zu engagieren.“ Das erfordere aber nun mal Einsatz: „Man darf nicht immer nur meckern, man muss sich auch aktiv einbringen.“ Eine Studentin merkte an, dass in der Rede der Klimawandel nicht explizit vorkam. Althusmann verwies auf sein Engagement gegen die Stickstoffbelastung in Städten und pflichtete der Studentin ansonsten vorbehaltlos bei: „Der Klimawandel wird die ganze Welt herausfordern. Wir haben viel zu lange auf Kosten des einzigen Planeten, den wir haben, gelebt.“

Neben diesen und anderen Fragen hätte die Diskussion noch deutlich länger gehen können, trotz einer Woche anspruchsvoller akademischer Arbeit der neuen Studierenden und der vorgerückten Stunde. Als er sah, dass die Diskussion in Hinblick auf die weiteren Tagespunkte abgebrochen werden musste, bat der Minister nochmal um das Wort und sagte: „Selbst wenn Sie mit meinen Eingangsworten nicht einverstanden sind. Die Diskussion hat mir ausgesprochen Spaß gemacht.“ Genau solche Diskussionen machten demokratische Strukturen aus.


Alle Projekte der Startwoche sowie alle Videos sind in einer interaktiven und frei zugänglichen Collage als Netz verbunden.  

Der Leiter der Startwoche Sven Prien-Ribcke resümierte: „Die Startwoche ist die Ouvertüre des Studiums. Das Stegreif-Orchester hat den Rahmen eröffnet und die Studierenden machen die Melodie. Die Startwoche ist ein Festival der Fragen, das ins Leuphana Semester weitergetragen werden will.“