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Studierende im Portrait: Ronja Hesse - „Universitäten waren immer politischer Raum“

12.11.2018 Die 24-Jährige engagiert sich an der Leuphana im Student*innenparlament, dem Senat und ist jetzt im Bundesvorstand des „freien zusammenschluss von student*innenschaften“. Warum sie findet, dass sich der Einsatz lohnt.

Als Ronja Hesse 16 Jahre alt war, zog sie in eine WG. Es war eine prägende Zeit für die Teenagerin. Viele ihrer Mitbewohner*innen engagierten sich politisch. Bald war für die Schülerin klar, dass sie auch ihren Stadtteil mitgestalten möchte. „Ich habe damals in Duisburg gelebt und mich dort noch recht unbedarft für Klima- und Energie-Themen engagiert“, erinnert sie sich. Außerdem half sie Geflüchteten, vor allem Sinti und Roma, Deutsch zu lernen. Der Stadtteil, in dem sie lebte, war stark migrantisch geprägt: „Viele konnten nicht am Bildungssystem teilhaben. Ich wollte etwas tun.“ Ronja Hesse ist es wichtig, Missstände, die ihr auffallen, offen zu legen und zur Sprache zu bringen. Deshalb hat sie sich gleich ab dem ersten Semester an der Leuphana politisch engagiert. Zunächst war sie Vertreterin, dann ordentliches Stupa-Mitglied für die Liste QuattroFAK im StuPa. Nun ist sie im dritten Jahr zudem eine von drei studentischen Vertreter_innen im Senat. Der Senat ist das gewählte Hochschulgremium für die akademische Selbstverwaltung. Hier sind alle vier Mitgliedsgruppen der Universität vertreten, also Professorinnen und Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Beschäftigte in den Bereichen Technik und Verwaltung und die Studierenden. Der Senat beschließt unter anderem Prüfungsordnungen für fakultätsübergreifende Studiengänge und die Entwicklungsplanung der Universität. Obwohl Ronja Hesse dort nicht alle ihre gewünschten Ziele umsetzen kann, schätzt sie den Diskurs: „Demokratie bedeutet Kompromisse zu schließen. Es ist bereits ein wichtiger Schritt, wenn Probleme thematisiert werden.“

„Die politische Rechte hat es an der Leuphana nicht leicht“

Ronja Hesse setzt sich dafür ein, die Mehrheitsverhältnisse im Senat zu verändern. Die studentischen Vertreter*innen haben im Senat vieles angeregt und durchgesetzt – unter anderem eine Stellungnahme gegen die AfD, als diese eine Veranstaltung am Campus machen wollte. „Diese Partei ist wissenschafts- und menschenfeindlich“, sagt Ronja Hesse. Trotz des Neutralitätsgebots sind Universitäten für die Studentin politische Räume: „Hochschulen sind Teil der Gesellschaft. Im Grunde kann man gar nicht unpolitisch sein, das zu behaupten bestätigt nur den Status Quo, der eben auch politisch ist.“ Sie ist froh, dass es an der Leuphana keine Campus Alternative gibt, mit der AfD-Mitglieder in die Hochschulparlamente einziehen könnten. „Die politische Rechte hat es an der Universität Lüneburg, wie an vielen Hochschulen zum Glück nicht leicht.“

Wegen des Studium Individuale ist sie vom Ruhrgebiet nach Lüneburg gezogen. Ihre Schwerpunkte sind inzwischen Kulturwissenschaften und Philosophie. Politisch ist Bildung für sie ein zentrales Thema. „Das ist eine der Stellschrauben mit denen man unmittelbar sehr viel verändern kann“, erklärt Ronja Hesse. Sie selbst schließt bald ihr Bachelorstudium ab. Im Moment pendelt sie zwischen Lüneburg und Berlin hin und her. Sie ist eine der vier Vorsitzenden des „freien zusammenschlusses der student*innenschaften“. Der fzs ist der Dachverband der ASten und ähnlichen Studierendenvertretungen mit rund 80 Mitgliedern. „Viele Studierende aus Lüneburg sind sehr aktiv dort“, erklärt Ronja Hesse. Sie wurde gefragt, ob sie für den Vorsitz kandidieren möchte. Es ist ein Vollzeit-Ehrenamt: Ronja Hesse gibt unter anderem Workshops zu sozialer Ausgrenzung und betreibt Lobbyarbeit. Zum Amt gehört auch Pressearbeit, zuletzt gab sie für den Deutschlandfunk ein Interview zu studentischer Wohnungsnot. Die Studentin reist viel, besucht Universitäten, spricht mit den Gremien und mit Politiker*innen. Was sie nach ihrem Bachelor-Abschluss machen möchte, will Ronja Hesse noch offen lassen. Dass sie sich weiter politisch engagieren wird, steht aber außer Frage.

 

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Autorin: Marietta Hülsmann