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Anderen mit der eigenen Geschichte Mut machen –Jessica Grosser erhält Niedersächsischen Wissenschaftspreis

21.11.2018 Jessica Grosser studiert als Erste aus ihrer Familie. Sie erzählt anderen von ihrem Weg an die Leuphana und beschäftigt sich auch in ihrem Studium mit sozialer Ungleichheit im Bereich Bildung.

Realschule, Fachabitur, Jobben als freie Redakteurin und eine Ausbildung zur Erzieherin: Das sind die Stationen auf Jessica Grossers Weg zum Studium. Während ihrer Ausbildung merkt Grosser, dass ihr das Lesen von wissenschaftlichen Texten und die logische Verknüpfung von Dingen Spaß machen. Sie besucht einen Kurs zum wissenschaftlichen Arbeiten und trifft dort das erste Mal auf „ArbeiterKind“, eine Organisation, die Schüler*innen aus Familien ohne Hochschulerfahrung dazu ermutigt zu studieren. „Ich bekam eine Mentorin und durfte alle Fragen stellen, keine war blöd. „ArbeiterKind“ hat mich aufgefangen, ich wurde gehört und ernst genommen. Ich habe gedacht, das muss ich sofort zurückgeben.“ So besucht Grosser direkt nach Beginn ihres Studiums die Lüneburger Gruppe von „ArbeiterKind“ und engagiert sich dort bis heute in Mentorings und Veranstaltungen. „Viele Leute fühlen sich fehl am Platz an der Uni und es ist wichtig die eigene Geschichte zu erzählen und sich zu zeigen. Problematisch ist es, wenn Leute studieren wollen und niemand da ist, der ihnen hilft.“

Gleichzeitig engagiert Grosser sich auch innerhalb der Universität für eine Sensibilisierung zu sozialer Ungleichheit. Sie konzipiert eine Seminarsitzung zu diesem Thema: „Wir sensibilisieren die Studierenden für den Umgang mit Schüler*innen aus sogenannten bildungsfernen Schichten.“ Außerdem ist sie als Autorin tätig in Verschränkung von Literatur und Wissenschaft. Sie schreibt, liest und hält Vorträge.

"Ich möchte dem Thema eine Sichtbarkeit geben"

Ihren Bachelor hat sie in Berufsschullehramt in der Sozialpädagogik abgeschlossen, merkte aber schnell, dass sie sich im Lehramt nicht richtig fühlt. So fing sie anschließend den Master Bildungswissenschaft ihrem mit Schwerpunkt kulturell-ästhetische Bildung an. Dort beschäftigt sie sich momentan mit einem studentischen Projekt, das sich mit der Darstellung von Außenseiter*innen in Film und Fernsehen beschäftigt. „Ich möchte dem Thema eine Sichtbarkeit geben. Deswegen möchte ich auch meine Masterarbeit dazu schreiben.“, berichtet Grosser. 

Sicherheit bietet Grosser seit 2017 ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung. „Die Stiftung stärkt mir den Rücken und unterstützt mich auch ideell, so kann ich ein Netzwerk bilden.“ Die Leuphana-Stipendiat*innen der Hans-Böckler-Stiftung vertritt Grosser als deren Sprecherin. In der Zukunft möchte sie promovieren - auch an der Leuphana. 


Autorin: Fee Kunze