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DAAD-Preis für ausländische Studierende: Elizaveta Korneeva – Die Entschlossene

26.11.2018 Die BWL-Studentin hilft geflüchteten Frauen und Kindern, sich in Deutschland zurecht zu finden – unter anderem mit einer App. Die 27-Jährige weiß, wie sich Fremdsein anfühlt.

An dem Wort „Deckungsbeitrag“ wäre Elizaveta Korneeva fast verzweifelt. Die Russin hatte gerade ein Jahr lang Deutsch gelernt, da begann sie schon ihr BWL-Studium an der Leuphana: „Heute sind diese Fachbegriffe für mich selbstverständlich. Damals war es eine riesige Herausforderung.“ Sie war bereits erfolgreiche PR-Expertin in Russland und hatte ein ausgezeichnetes Journalistik-Diplom in der Tasche. Dennoch wurden die Uhren in Deutschland auf null gestellt. Elizaveta Korneeva erinnert sich noch gut an das Gefühl: „Ich war fremd, konnte die Sprache kaum und kannte die kulturellen Gepflogenheiten nicht.“ Sie suchte sich alles selbst: einjähriger Deutsch-Intensivkurs in München, Job als Promoterin, eine passende Universität zum Studieren. Sie kam in Kontakt mit Leuphana-Studierenden. „Mir gefiel das offene Denken und die Freiheit an der Universität dank Minor, Komplementärstudium und Leuphana Semester.“

Im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ fiel 2015 der Startschuss für ihre Initiative – obwohl der Kurs „Refugees welcome“ bereits voll war. Doch Elizaveta Korneeva blieb hartnäckig, fragte immer wieder nach, bis sie einen Platz bekam. „Ich wollte genau diesen Kurs absolvieren. Ich kann die Lage der Geflüchteten verstehen und weiß, wie es sich anfühlt, fremd in einem Land zu sein.“ Insbesondere die Situation der Frauen lag und liegt ihr am Herzen: „Frauen stehen weniger im Fokus der Öffentlichkeit. Daher gab und gibt weniger spezifische Hilfs-Angebote für sie“, erklärt die Studentin.

Während des Semesters entwickelte sie mit fünf Kommiliton*innen Pläne: „Es war anfangs schwierig mit den Frauen in Kontakt zu kommen. Viele waren schüchtern oder hatten die Sorge, dass sie eine Verpflichtung eingehen würden, wenn sie Hilfe annehmen.“ Viele Probleme würden innerhalb der Familien gelöst. Heute hat sie eine gute Verbindung, betreut zwei Frauen in Harburg und eine in Lüneburg. Sie geht mit zu Ämtern und zum Einkaufen, hilft den Kindern bei den Schulaufgaben, ist Ansprechpartnerin für Probleme aller Art. Während des Seminars ging sie mit ihren Kommiliton*innen in das „Welcome Center“ in der Nähe des Bahnhofs, um sich dort mit den Frauen zu treffen: „Dabei ist mir klargeworden, dass es für die Frauen insbesondere schwer ist, in den direkten Kontakt mit Helfenden zu treten – hier gibt es eine Bandbreite von unterschiedlichen sozialen und kulturellen Aspekten. Die Hemmschwelle ist für die Frauen höher.“

Elizaveta Korneeva suchte nach einer Lösung für diese Problematik und hatte die Idee für eine internet-basierten Plattform, die auch über eine App nutzbar ist. Darüber sollen Frauen beziehungsweise alle Geflüchteten mit ähnlichen Problemen in Kontakt treten können. Auch hilfsbereiten Menschen haben so eine Anlaufstelle. Elizaveta Korneeva nahm daher Kontakt zu verschiedenen Firmen im IT-Bereich auf. Gemeinsam setzen sie nun das Herzensprojekt der Studentin nun.

Seit rund drei Jahren unterstützt sie geflüchtete Frauen. Mit großem Erfolg: Eine bewirbt sich beispielsweise gerade auf einen Ausbildungsplatz als Bürokauffrau. Korneeva hat bei der Zusammenstellung der Unterlagen geholfen. Wie viel Zeit sie bisher investiert hat, kann sie kaum sagen. Manchmal sind es ganze Tage in der Woche, manchmal ein paar Stunden. Über den DAAD-Preis für ausländische Studierende freut sie sich deshalb sehr. Aber es ist nicht die erste Auszeichnung für Elizaveta Korneeva: An der Staatlichen Universität Woronesch/Zentralrussland brachte sie eine Zeitschrift mit dem Namen „Kult.Lichnosti“ heraus. Darin stellte sie herausragende Persönlichkeiten vor. Es war eine Alternative zu den staatlichen Medien, die Elizaveta Korneeva oft nicht frei genug waren. Als Journalistin schrieb sie in Russland für diverse Tageszeitungen, bis sie ihre Liebe für Public Relation entdeckte. Nun schließt sie ihr Studium ab und möchte ihren Master auch gern an der Leuphana absolvieren. Fremd fühlt sie sich schon lange nicht mehr.



Autorin: Marietta Hülsmann