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Studierende im Portrait – Weihnachten im Ausland: Möhren für Rentiere, Bescherung am Pazifik

17.12.2018 Michaela Bodesheim lebt, arbeitet und studiert online in Japan. Cassidy Coy fährt zu ihrer Familie in die USA. Beide Leuphana-Studierende erzählen von ihren ungewöhnlichen Lebensläufen und wie sie die Feiertage in der Ferne verleben.

Als Cassidy Coy kurz vorm dritten Advent in den Flieger Richtig Idaho stieg, hatte sie Überraschungseier, Lehrbücher und deutsche Diskussionskultur im Gepäck. Seit vier Jahren lebt und studiert sie in Deutschland. In ihre Heimat USA kommt sie nur noch zu Besuch. Während ihres ersten Studiums war sie zum ersten Mal in Deutschland. Damals studierte sie an der University of Idaho Philosophie, an der Leuphana absolvierte sie ein Auslandssemester. Cassidy Coy war beeindruckt vom lebendigen Campusleben und den offenen Menschen: „Hier wird man nicht nur als Studierender wahrgenommen, sondern auch als Persönlichkeit.“ Nach ihrem Bachelor-Abschluss in den USA kehrte sie deshalb zurück: „Mein bilingualer Hintergrund wird an der Leuphana höher geschätzt als in den USA“, sagt sie. Cassidy Coy absolviert beispielsweise die Kurse für das Zertifikat „North American Study Profile“ am College. Ihr Major Digital Media wird ebenfalls in englischer Sprache angeboten. Umgekehrt könne sie mit ihren Deutschkenntnissen in den USA weit weniger anfangen: „Ich habe an der Leuphana so viele Möglichkeiten“, erklärt Cassidy Coy. Während der Startwoche war die 27-Jährige beispielsweise das Gesicht des Instagram-Accounts „Openingweek2018“. Sie moderiert in den Videos auf Englisch und kann die Fragen der Studierenden aber genauso gut auf fließendem Deutsch beantworten. Seit mehreren Jahren ist sie Teil des Startwochen-Teams: „Über die Arbeit konnte ich mich sehr gut an der Uni integrieren.“ Cassidy Coy hat viele Freunde an der Leuphana, unterstützt als Muttersprachlerin bei englischsprachigen Hausarbeiten und schließt gerade ihre letzten Kurse ab. Die Zeit hat sie geprägt: „Ich bin in Idaho aufgewachsen, aber hier bin ich erwachsen geworden“, resümiert Cassidy Coy.

Weihnachtliche Schmuggelware

Knapp vier Wochen bleibt sie bei ihrer Familie in den USA. Die Lehrbücher hat sie eingepackt, um eine Hausarbeit abzuschließen. Die Überraschungseier schmuggelt sie für ihre kleine Nichte: „Wegen der Plastik-Kleinteile sind sie in den USA verboten.“ Waffenbesitz ist dagegen erlaubt. Cassidy Coy diskutiert gern über solche und andere Kontroversen: „Amerikaner sind aber oft sehr emotional, Deutsche finde ich dagegen rationaler. Ich kann hier jemanden leichter mit Argumenten überzeugen“, beschreibt die 27-Jährige.

Auch die Feiertage unterscheiden sich: „Weihnachten erscheint mir hier religiöser und traditioneller. In den USA feiert man eigentlich nur am 25. Dezember.“ Dann stellen die Menschen Kekse für den Weihnachtsmann und Möhren für die Rentiere neben den Tannenbaum. Adventskranz und Weihnachtsmarkt kenne man in den USA nicht. Cassidy Coy feiert mit ihrer großen Familie. Ihre ständige Begleiterin bleibt allerdings in Lüneburg: Hundedame Charlie ist damals mit Cassidy nach Deutschland gekommen. Und sie will auch nicht mehr weg.

Weihnachtsoratorium in Nippon

Noch radelt Michaela Bodesheim täglich zur Arbeit. Der Spätherbst in Tokio ist mild und sonnig. Wenn die Luft ganz klar ist, kann sie den Mount Fuji sehen. Seit Sommer 2017 lebt sie als eine von knapp 7000 Deutschen in dem 122-Mio-Menschen-Land. Die Diplom-Bibliothekarin studiert neben ihrer leitenden Tätigkeit den Online-Master „Arts and Cultural Management”. Die Professional School bietet den berufsbegleitenden Online-Masterstudiengang in Kooperation mit dem Goethe-Institut an. Er startete im Oktober 2018: „Das Fernstudium ist eine völlig neue Erfahrung. Das Lernen in einer 100%ig digitalen Umgebung birgt viele Vorteile und kommt mir als im Ausland Lebende sehr zugute. Es bringt ganz neue, globale Kontakte zu Kommilitonen mit, die weltweit zerstreut sind und mit denen man trotzdem eng zusammenarbeitet.“

Den Kontakt zu ihrer Familie in Deutschland hält sie auch digital. Doch Weihnachtsgeschenke kauft sie am liebsten ganz traditionell im Geschäft: „In Japan gibt es so viele tolle Sachen, die man nirgendwo anders bekommt: die skurrilsten Küchenwerkzeuge, herrliches Kunsthandwerk und Papierwaren sowie leckere Spezialitäten.“ Die ganze Stadt ist weihnachtlich geschmückt – obwohl Japan kein christliches Land ist: „Die meisten Japaner identifizieren sich als Shintoisten oder Buddhisten.“ Um in Weihnachtsstimmung zu kommen, nimmt sich Michaela Bodesheim deshalb Zeit und hört beispielsweise das Weihnachtsoratorium von Bach: „Das ist wie mit dem Fernstudium. Man muss sich eine gewisse Disziplin aneignen, um den Impuls zu bewahren.“ Michaela Bodesheim hat das Studium begonnen, um mehr über internationales Kulturmanagement zu lernen. Die Studierenden setzen sich beispielsweise unter anderem mit dem Betrieb von Kultureinrichtungen und mit den Beteiligten des Kulturmarkts auseinander. Im Fokus der Lehrveranstaltungen stehen die Chancen und Risiken aktueller Transformationsprozesse für Kulturorganisationen. Michaela Bodesheim glaubt an das Prinzip des Life-Long-Learnings. „Dazu gehört auch, dass man sich weiter qualifiziert. Das Studium an der Leuphana ermöglicht mir, meine Fachkenntnisse interdisziplinär auszuweiten“, erklärt sie.

An Weihnachten wird aber nicht gebüffelt. Die Studentin verbringt die Feiertage gemeinsam mit ihrem Mann irgendwo am Pazifik ganz ohne Schnee, aber mit Geschenken, Weihnachtsessen und vielen Freunden.



Autorinnen: Marietta Hülsmann und Marla Bloch