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Studierende im Porträt: Christine Falta – „Ich bin gern vielfältig unterwegs“

24.01.2019 Die 24-jährige Studentin der Umweltwissenschaft interessiert die Ambivalenz des Reisens – gerade, weil sie selbst gern fremde Länder besucht. Zuletzt absolvierte sie im Rahmen des Basisprogramms Praxisphase ein Praktikum auf Sardinien und lernte viel über nachhaltigen Tourismus.

„Heute fühle ich mich fast schlecht, es zu erzählen: Nach dem Abi bin ich wie viele erst mal ab nach Australien. Aber es war einfach nicht cool: Die meisten Bagpacker*innen kamen aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden oder Deutschland. Das hat mich nachdenklich gemacht. Wir im Globalen Norden haben so viel mehr Möglichkeiten als die Menschen anderswo – gerade in unserem Alter. Gerecht ist das nicht. Außerdem schädigt Reisen die Umwelt. Dennoch sind die Menschen gern unterwegs. Ich genauso. Dieser Widerspruch und seine Auflösung interessieren mich. Ich möchte das gern zum Guten drehen. Deshalb engagiere ich mich für nachhaltigen Tourismus und glaube, dass sehr viele Menschen offen für neue Konzepte sind. Schließlich möchte keiner den Planeten zerstören. Man sollte sich fragen, wohin man reist, wie lang und mit welchem Verkehrsmittel. Am besten wäre es natürlich, gar nicht zu fliegen. Ich kenne viele, die das konsequent durchziehen. Aber ich kann das eben nicht von mir behaupten. 

Zumindest einen Teil der Strecke zum meinem Praktikum auf Sardinien bin ich beispielsweise geflogen. Ich habe sechs Monate lang bei einem Ökotourismus-Unternehmen in Alghero gearbeitet, einem klassischen Urlaubsort. Dem Veranstalter ging zum einen um Energieeffizienz, also beispielsweise Benzin bei Inseltouren zu sparen. Themen waren aber auch kulturelle Nachhaltigkeit oder Delfinschutz. Auf den Bootstouren habe ich mit den Gästen nicht nur Große Tümmler beobachtet, sondern ihnen auch erzählt, wie Motorengeräusche die Kommunikation der Tiere stören können. Wir haben mit Tourist*innen Nuraghen-Bauten besucht. Sie sind Teil einer vorchristlichen Hochkultur. In den Türmen findet man seltene Fledermaus-Arten. Aber Nachhaltigkeit steht für mich nicht nur für Naturschutz, sondern auch für die Bewahrung des kulturellen Erbes einer Region. 

Doch nicht Tierärztin

Ich möchte Dinge nicht nur von einer Seite betrachten, sondern bin gern vielfältig unterwegs. Deshalb habe ich mich für den Major Umweltwissenschaft an der Leuphana entschieden. In meiner Schulzeit war Tiermedizin mein Traum. Einen Studienpatz hatte ich auch schon. Aber ich sagte doch ab. Als Tierärztin hätte ich zwar eine wichtige Aufgabe übernommen, aber mich eben ausschließlich um Tiere gekümmert. Noch heute habe ich die Texte von Helmut Schmidt im Ohr, die ich in der Schule gelesen habe: Universalgelehrte gibt es nicht mehr. Die Welt ist zu komplex. Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft müssen zusammenarbeiten. Die Leuphana steht für mich für größere Zusammenhänge, für Nachhaltigkeit, Inter- und Transdisziplinarität. In der Umweltwissenschaft werden Natur- und Humanwissenschaft gelehrt. Außerdem hat mich das Konzept mit Major und Minor überzeugt, da ich mehr Einblicke in andere Fachrichtungen bekomme. Im Minor studiere ich Wirtschaftspsychologie. Mich interessiert, warum sich Menschen wie entscheiden. Gerade beim Reisen. 

Ich spreche mehrere Fremdsprachen – drei davon habe ich nicht in der Schule, sondern im Ausland gelernt: Nach meiner Australientour war ich über ein Jahr in Island und habe dort unter anderem Pferde trainiert und als Au Pair gearbeitet. Portugiesisch habe ich vor und während meines Freemover-Semesters an der Universität Sao Paulo in Brasilien gelernt. Italienisch konnte ich allerdings schon vor Sardinien fast fließend sprechen. Später möchte ich gern in der nachhaltigen Tourismusbranche arbeiten – vielleicht im Zusammenhang mit einem Naturschutzgebiet. An der Leuphana habe ich viele Möglichkeiten, mich auf meinen Berufswunsch vorzubereiten, etwa beim Job Shadowing des Career Service. Diese eintägige Hospitanz zur Berufsorientierung habe ich im Biosphärenreservat Elbtalaue verbracht. Durch das Basisprogramm Praxisphase konnte ich gezielt Creditpoints im Bereich Nachhaltiger Tourismus sammeln und war doch bei der Praktikumswahl frei. Die Leuphana bietet viel an, aber lässt dennoch Freiraum, selbst zu entscheiden. Das gefällt mir. Studieren und Reisen sind irgendwie ähnlich. Sie haben beide etwas mit persönlicher Verantwortung zu tun.“

Beim Basisprogramm Praxisphase können Studierende sich Creditpoints für ein Praktikum ihrer Wahl anrechnen lassen, welches kein Pflichtpraktikum ist. Die Praxisphase wird durch ein begleitendes Seminar im Komplementärstudium eingerahmt. Studierende haben außerdem die Möglichkeit sich durch das EU-Programm „Erasmus +“ finanziell fördern zu lassen. Christine Falta bekam 420 Euro im Monat. Unterstützung bei der Bewerbung zu diesem Verfahren erhalten Interessierte von Eva Voßhagen (International Office).

Beim Job Shadowing des Career Service haben Studierende die Möglichkeit, an einem Arbeitstag Einblick in ein Unternehmen oder eine Einrichtung der Region zu erhalten. Anmeldung unter: enterjob@leuphana.de.


Autorin: Marietta Hülsmann