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Cross Innovation Class: Klingende Kartoffelpflanzen

09.02.2019 Smarte Essenstabletts und knackiger Chips-Sound: Bei einer länderübergreifenden Hochschulkooperation entwickelten Studierende der Kuwi-Vertiefung Musik und auditive Kultur und des Minors Digitale Medien/Kulturinformatik innovative Prototypen.

Frieder Behrens hält ein Stöckchen ans Mikrophon und zerbricht es. Hört sich das an wie ein appetitliches Chips-Knacken? Oder klingen die Kekse satter? Einzelne Chips zerkrümelten jedenfalls nicht ausdrucksstark genug. Auch nicht nach der Bearbeitung im Computer. Die Suche nach dem perfekten Chips-Werbe-Sound war für den Digital-Media-Studenten nicht leicht. „Unser Auftraggeber wollte einen natürlichen Klang“, berichtet der 25-Jährige. Behrens gehörte zu den rund 25 Teilnehmenden der länderübergreifenden Hochschulkooperation „Cross Innovation Class“. Studierende der Leuphana, der Fachhochschule Wedel und der Hamburger Akademie Mode & Design entwickelten gemeinsam Produkt-Prototypen. 

Auftraggeber waren Firmen, etwa ein regionaler Chips-Hersteller oder ein Anbieter für Essen auf Rädern. Die Cross Innovation Class wurde von der städtischen Hamburger Kreativ Gesellschaft organisiert und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Die Studierenden brachten ihr Know-How aus ihren jeweiligen Disziplinen mit. So entwickelten die Wedeler Produktdesign-Studierenden ein neuartiges Supermarkt-Display für Kartoffelchips: Kunden ziehen eine Kartoffelpflanze aus Pappe hoch und „ernten“ ihre Kartoffelchips selbst. Behrens entwickelte den Sound dazu. Dafür erhielt erhielt seine Gruppe den Preis für die „Beste Soundintegration“. Am Ende seiner Suche hatte sich Behrens den Mund voll Kartoffelchips gestopft und ruckartig zugebissen. Dieser Klang passte – mit ein wenig digitaler Nachbearbeitung im audioLab – perfekt. 

Die Leuphana-Studierenden nahmen im Rahmen des Moduls „Sound im interdisziplinären Produktdesign und Prototyping“ teil: „Darin müssen sie Praxis und Theorie verbinden“, sagt Rolf Großmann, Professor für digitale Medien und auditive Gestaltung. Es geht darum, Anknüpfungen zu aktuellen Strömungen und Diskursen der Digitalisierung zu finden. Behrens beschäftigte sich für seine Theorieprüfung mit der Wahrhaftigkeit von technisch bearbeiteten Klängen. 

Sein Kommilitone Moritz Höger entwickelte in seiner Arbeitsgruppe ein Tablett mit integrierter Waage und Sprachcomputer für Senioren. Die Idee: Wird der Teller nicht leer gegessen, weiß die Waage, viel viele Nährstoffe der Person fehlen. Die Sprachfunktion soll Telefonate mit anderen Senioren beim Essen ermöglichen. „Viele ältere Menschen sind allein“, erklärt Moritz Höger. In der Modulabschlussprüfung setzte er sich kritisch mit Theorien zur Wahrnehmung von Sound im alltäglichen Kontext auseinander. Moritz Höger und seine Gruppe wurden für ihre Arbeit mit dem Cross Innovation Class-Preis für die beste Pitch-Präsentation ausgezeichnet. Das große Engagement der Studierenden hat sich gelohnt, für die Zukunft sind ähnliche Projekte als Summerschool geplant… 
 


Wie klingt ein idealer Chips-Sound?


Autorin: Marietta Hülsmann