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Salzkristall 2019: Ehrung für studentische Leistungen

11.03.2019 Forschungsfragen von hoher Relevanz für die Nachhaltigkeit und gelungene methodische Analyse: Zum Ende der Konferenzwoche wurden Erstsemester-Studierende ausgezeichnet.

Gerade einmal zehn bis 15 Quadratmeter Grundfläche und maximal zwei Etagen – größer sind Tiny Houses oft nicht. Dennoch sind sie gerade für junge Menschen eine Alternative zu WG-Zimmer oder kleinem Apartment. „Unsere Analyse hat gezeigt, dass wir Studierenden eine ideale Zielgruppe für dieses nachhaltige Wohnkonzept sind“, erklärt die 18-Jährige Klara Stegmann. Der Studienbeginn markiere einen Lebensumbruch, der offen für neue Konzepte mache. Meist wohnten viele Erstsemester-Studierende auch im Elternhaus nur in einem Zimmer, hätten also noch nicht viel Materielles angesammelt. Bereits bei Studierenden in höheren Semestern sei diese Flexibilität aber oft nicht mehr so hoch. Gemeinsam mit ihrer Projektgruppe führte Klara Stegmann im Rahmen des Moduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“ eine Fragebogen-Analyse bei rund 300 Teilnehmenden zwischen 15 und 25 Jahren durch. „Wir wollten einerseits wissen, wie groß das Wissen über Tiny Houses ist und andererseits messen, wie hoch die Motivation der Menschen ist, in einem Tiny House zu wohnen“, sagt Greta Peisker, die International Business Administration & Entrepreneurship studiert.

Die wissenschaftlichen Methoden zur Beantwortung ihrer Forschungsfrage lernten die Studierenden während des Leuphana-Semesters am College. Beispielsweise belegte die internationale Studierende Noemi Valics einen Kurs zur statistischen Auswertung von Daten mit dem Computerprogramm R. Die Software wird auch auf internationaler Ebene von Wissenschaftler*innen verwendet. „Die Auswertung war herausfordernd“, erinnert sich die Digital-Media-Studierende. Doch der Einsatz der insgesamt fünfköpfigen Projektgruppe hat sich gelohnt. Mittlerweile besteht ein Kontakt zu Campus Wohnen, die an den Studienergebnissen interessiert sind. „Wir haben im Leuphana-Semester wichtige Methoden zur Datenerhebung und zur Analyse gelernt. Uns war es aber genauso wichtig, mit unseren Ergebnissen möglicherweise einen Anstoß für eine nachhaltige Veränderung geben zu können“, sagt Gruppenmitglied Mona Feller. Die Bauindustrie gehöre zu den Branchen mit einem der höchsten Energieverbräuche.
 

(v.l.n.r.) Freda Moehle (Umweltwissenschaften), Lena Bettin (Umweltwissenschaften), Sandra Andrews (Lehren und Lernen), Anja Wölk (Umweltwissenschaften), Jan Tietje (Ingenieurwissenschaften), Madeleine Ohm (Lehren und Lernen)

„Jährlich werden in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen“

Rund 1500 Erstsemester-Studierende beschäftigten während des Leuphana-Semesters und der Konferenzwoche mit drängenden Problemen der Nachhaltigkeit. „Vegetalization-Gemüse trifft auf digitales Zeitalter“ heißt das zweite ausgezeichnete Projekt beim „Salzkristall 2019“. „Die Ringvorlesung hat uns wichtige Anstöße für unsere Themenfindung gegeben“, sagt Lena Bettin. Gemeinsam mit ihren Kommiliton*innen entwickelte sie ein Konzept für eine App, die Lebensmittelverschwendung eindämmen soll. „Jährlich werden in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – das sind 55kg pro Kopf“, erklärt die Studierende der Umweltwissenschaften. Vieles davon lande bereits auf dem Weg zwischen Erzeugern und diversen Zwischenhändler auf dem Müll. „Deshalb wollten wir das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft mit Mitteln der Digitalisierung weiterdenken“, sagt Lena Bettin. Gemeinsam entwickelte die Gruppe einen App-Prototyp, der den Konsum von regionalem, saisonalem und ökologischem Gemüse durch mehr Wahlmöglichkeiten erleichtert und dabei Lebensmittelverschwendung vermeidet. „Mit der App wird SoLawi flexibler und dadurch vor allem für junge Leute attraktiver. Außerdem helfen die in die App integrierten Rezepte dabei, keine Lebensmittel zu verschwenden“, erklärt Lena Bettin. Der verbleibende Kompost soll anschließend zu Dünger verarbeitet werden, der wieder im Gemüseanbau verwendet wird. Mit Experten-Interviews prüften die Studierenden ihr Konzept auf Umsetzbarkeit: „Wir sind bereits mit einigen solidarischen Landwirtschaftsbetrieben in Kontakt, die an unserer Idee interessiert sind“, berichtet Lena Bettin.

Lukas van Treeck, Merlin Keitz und Rabea Pein studieren alle im ersten Semester den Major „Global Environmental and Sustainability Studies“ und setzten sich mit Plastikmüll in Ozeanen auseinander. „Ein erschreckend hoher Anteil kommt durch verlorene Fischernetze zustande“, erklärt Rabea Pein. Während der Seminararbeit versuchten die Studierenden Lösungen zu finden, recherchierten bei Herstellern von Plastikartikeln, Modeketten oder Naturschutz-Organisationen. Ihre ursprüngliche Idee: Im Sinne des Cradle-to-Cradle-Konzepts aus diesen sogenannten Geisternetzen ein Produkt für den Alltag zu recyclen „Unsere Lernkurve ist im Laufe des Semesters steil angestiegen“, sagt Rabea Pein. Auch durch die Rückschläge, die sie während ihrer Recherche erlebt haben: „Wir haben gelernt, wie komplex die Umsetzung wäre und wie viele Widerstände es für nachhaltige Ideen geben kann.“



Autorin: Marietta Hülsmann